Der 1961 in Bad Kissingen geborene Michael Keul startete seine musikalische Laufbahn mit Unterricht für Klavier und Saxofon, bevor er 1984 ein Schlagzeugstudium begann. Seit 1988 in München als freiberuflicher Musiker tätig, ergaben sich jedoch weitere Herausforderungen, unter anderem als Mitglied der Al Porcino Big Band. Nun erschienen diese Aufnahmen zusammen mit Scott Hamilton, dem 1954 geborenen Saxofonisten - einem Musiker, der sich an klassischen Vorbildern seines Instruments orientiert. Und da sind wir auch bereits mitten in dieser Platte, denn einige dieser Musiker stehen hier mit ihren Kompositionen zur Debatte. Bis auf eine Eigenkomposition von Keul wurden nur Fremdtitel herangezogen.
Grundsätzlich wird hier also auf der Basis von Swing, Bebop und Hardbop gespielt, stammen die Titel doch aus jener Ära. Typische Merkmale jener Stile sind es auch, die die Stimmung dieses Albums bestimmen. Gleich im ersten Stück swingt es ganz leger, locker und bestimmt mit diesem Titel von Milt Jackson, dem Vibrafonisten, und die Musiker werfen sich ständig mit ihren abwechselnden kurzen Soloauftritten die Bälle zu.
Keul stellt sich als Bandleader und Schlagzeuger nicht in den Vordergrund, sondern bringt sich gruppendienlich in das Gesamtkonzept ein. Dabei zeigt er jedoch als Begleiter und in gelegentlichen kurzen Solobeiträgen deutlich sein interessantes und einfallsreiches Spiel auf.
Die Musik durchbricht keine Grenzen, öffnet sich nicht für solche Stile wie Fusion oder Jazz Rock, sondern zieht unbeirrt ihre Kreise - dabei mit großer Eleganz strahlend und von cooler Professionalität angetrieben. Leidenschaftlich und voller Freude bringen die Musiker ihre Arbeit zu Gehör. Für einige mag dann auch Scott Hamilton der heimliche Star sein, was der mit dem Klassiker "Rifftide" dann unter Beweis stellen kann. Dieses Stück ist darüber hinaus das ungewöhnlichste, zumal es als Duett mit Saxofon und Schlagzeug vorgestellt wird. Nun, es weist für mich trotz seiner Originalität nicht das Feuer und die Intensität einer der Originaleinspielungen auf, schließlich weicht es in dieser Form ja auch ab vom Ursprung des Stückes. So betrachte ich es isoliert und hätte mir gerade hier etwas mehr Frechheit und Offenheit im Spiel des Saxofons gewünscht. Es ist Keul, der Hamilton hier die Show stiehlt.
Aber Hamilton spielt auch meist auf der sicheren Seite und brilliert mehr durch seine Eleganz und seine Stilsicherheit im Spiel. So ist das Ergebnis eine 'gepflegte' Jazzplatte mit hochwertiger Musik, die man ganz einfach entspannt genießen sollte.
Line-up:
Michael Keul (drums)
Scott Hamilton (tenor sax)
Tizian Jost (vibes - #1,4,5,7)
Bernhard Pichl (piano - #1-7,9)
Rudi Engel (bass - #1-7,9)
Tracklist |
01:Minor Conception [Milt Jackson]
02:Three Coils On The Mountain [Michael Keul]
03:Midnight Mood [Joe Zawinul]
04:East Of The Village [Hank Mobley]
05:Swingin' Till The Girls Come Home [Oscar Pettiford]
06:Fine And Dandy [Kay Swift - Paul James]
07:The Summer Knows [Michel Legrand - A./M. Bergmann]
08:Rifftide [Coleman Hawkins]
09:Vignette [Hank Jones]
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