Light Damage / Same
Same Spielzeit: 42:37
Medium: CD
Label: Progressive Promotion Records 2015
Stil: Prog Rock, Neo Prog

Review vom 30.01.2015


Ingolf Schmock
Mittlerweile fließt dem Rezensenten manch geflügeltes Wort, angesichts jener monatlich mit epochal gepriesen Progrock-Material gefluteten Marktplätze, etwas bleierner von den Tasten und verwässert, auf Grund deren Fülle, die inspektiöse Klarsicht auf musikalisch aufwühlende Neukometen.
Erschwerende Objektivitäts-Blockaden dürften obendrein noch die mächtig erwachsenen Bezugsgrößen-Schatten unzähliger, nach dem Licht strebender, Band-Knospen und ihr künstlerisch hervorzuhebendes Destillat bereiten.
In der Folge ist man jedoch bemüht, einigen, zweifellos Halbgötter-huldigenden als auch Trommelfell-erfrischenden Prog-Erfindungen, den erforderlichen Aufmerksamkeitsgrad zu propagieren.
Somit sollten auch Steuervermeidungs-Paradiese sowie parlamentarisch gezügelte Erdfleckchen wie Luxemburg spätestens mitNo Names Charme-offensiven Studio-Blüten, dem kunstrockistischem Zwergendasein halbwegs entronnen sein.
Von pessimistischen Kritikern vehement als abgelaufenes und selbverliebtes Musiziergut verspottet, fruchtete der wohl zuckrigste, zumeist von machthungrigen Tastenschwällen und meditativen Griffbrett-Protzereien diktierte frühachtziger Elitär-Rock dagegen unvermindert in durchaus referenzielle Nachzügler.
Trotz allem stellen sich dennoch mutige Adepten samt ihrer Vergangenheits-gemahnten Studioklausuren, sowohl dem musisch mehrfach gehärtetem Damoklesschwert, als auch der ungetrübten Strahlkraft neoprogressiver Thron-Aspiranten wie Marillion oder IQ, kampfeslustig entgegen.
So befinden sich die Luxemburger Jungs von Light Damage und ihr Debüt, auf einem konzeptionell wortgeschärften, zudem atmosphärisch von reichlich Genesis- und Floyd-Automatismen umklammerten Selbstfindungs-Trip.
Unter dem mitschwingenden Eindruck ihrer Coverband-Vita und musikalischem Broterwerb von Einst gelingt es den Protagonisten dennoch nur bedingt, jene nostalgischen Nebelschleier gestandener Progrock-Derivate sowie erfinderische Flausen ihrer Jugendhelden durchzulüften.
Durchaus geschickt, verknüpfen das Quintett Psyche-thematisierte Verlustängste sowie drohende Eigendemontagen menschlicher Individuen mit den dramaturgisierenden Sentimenten jahrzehntebewährter, und offenbar mit großen Kellen geschöpfter, Kunstrock-Soßen.
Nicolas Johns lebenstraumatisierte sowie gesanglich angestrengte Wiedererkennungswertigkeiten applizieren nur zu gern den heilsstiftenden Seelsorger in einem Moden-verweigernden und Pomp-investierenden Rock-Diskurs.
In durchaus bewährter Weise und mit selbstbewusster Haltung transportieren die, sich teils jenseits der sechs Minuten bewegenden, Kompositionen zum einen die musikalisch verkrusteten Symptome Fantasien-beflügelnder siebziger Theatraliken, zum anderen maßvoll Synthies- und Hall-Gitarren infizierte Wohlklänge spätoptimierender Prog-Designer.
Da wirbeln in "Eden" mühelos klaustrophobisch und von verdickten Saiten wirkende Motive mit lyrisch verspielten Vokalharmonien im Reigen, um sich im beschwörenden Tastaturen-Gitarren-Finish vorerst zu erlösen.
Selbst Heiligen-verquickte Mini-Epen wie "The Supper Of Cyprianus" oder "Touched"s Seelen-verstörte 'Ichs' ins Ungewisse entlassene Botschaften, täuschen durch labyrinthisch-sensibilisierte Textzeilen auf musikalisch harmonisch Vertracktem und gleichwohl mit großem Handwerks-Besteck belegtem Altbackenen, nicht über des Fünfers diffuse Liebhabereien für unverblasste Erbnachlässe ideengesegneter Rock-Schmieder hinweg.
Nichtdestotrotz sollten pedantische Genre-Nörgler mehr Gnade vor Recht ergehen lassen, und auch jenen, wohlweislich Klassik-plündernden sowie hochvariante Ur-Rockformeln pflegenden Trendverächtern samt ihren musikalisch teils noch etwas ungelenken Abnabelungsversuchen, die Absolution erteilen. So leiden Erstlingswerke nämlich pikanterweise häufig unter einem künstlerisch spätpubertären Suchzwang nach den auf den Leib geschneiderten Ausdrucksformen sowie dem Irrglauben, einst musikalisch schockgefrostete Orientierungsbewegungen ohne Schäden aufzutauen. Light Damageskampfesmutiger Einstieg in den Prog-Circus Maximus bekommt den ersten Überlebens-Daumen nach oben, zudem noch tröstliche Gewissheit, dass solide Konserviertes nur selten verdirbt.
Line-up:
Frederik Hardy (bass, vocals)
Nicholas John (vocals, guitar, e-bow)
Sebastien Perignon (keyboard, piano, percussions)
Stephane Lecocq (guitars)
Thibaut Grappin (drums, percussions)
Tracklist
01:Eden
02:Empty
03:The Supper Of Cyprianus
04:Heaven
05:F.B.H.(For Helpful Buddies)
06:Touched
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