"Nobody's Fault But My Own": Ein Slow-Song wie er im Blues-Buch steht. Aber auch eine der Ausnahmen auf "Rattleshake", denn Lil' Ed lässt sein Metallröhrchen, das fast schon an seinem kleinen Finger angewachsen sein müsste, ruhen.
Eine weiterer Sonderfall ist "Tramp On Your Street": Die Credits gehören Billy Joe Shaver und der vertritt bekanntlich anspruchsvolle Country-Musik.
Raffiniert gestrickt wird der Track doch zwischen zwei 12-Taktern automatisch zum Hinhörer.
Sehr wohl erteilt er auf anderen Tracks der vorliegenden CD eine weitere Lehrstunde in Sachen Slide-Gitarre.
Party-Stimmung verbreitet bereits der Dozier/Holland-Titel "Leaving Here" als Türöffner für "Rattleshake".
Der kleine (wegen seiner Körpergröße) Meister des Bottleneck hatte einen anderen Meister dieses Metiers an seiner Seite stehen, der ihm die Grundlagen, Feinheiten und Tricks der Slide-Gitarre beigebracht hat: Sein Onkel J.B. Hutto war sein Lehrer und einen Besseren konnte es kaum geben.
Hutto und Hound Dog Taylor waren diejenigen, die die Tradition eines Elmore James weitergereicht haben und so ist Lil' Ed ein Vertreter der nächsten Generation von Slide-Gitarristen, die hoffentlich auch ihrerseits diese weitergeben.
Das, was seine Frau Pam und er um seine Slide-Gitarre komponiert haben, verdient Anerkennung.
Rockende Nummern: Allemal vom Blues beeinflusst, bleiben doch viele Songs auf "Rattleshake" in einer gewissen Beliebigkeit stecken.
Live on Stage ist die Band der Abräumer.
Es ist mir unerklärlich, warum es Lil' Ed und seine Mannen nicht schaffen, diese Stimmung ins Studio transferieren zu können.
Sehr wohl ist ihnen das mit "Get Wild" im Jahr 1999 gelungen.
Natürlich gelangen wir an Stationen auf der CD, die sein feuriges, auffallendes Slide-Spiel hörbar machen, aber die Verpackung, sprich das Songwriting, kann nicht durchgängig mit Lil' Eds Stärken an der Gitarre mithalten.
Das selbstverfasste "Icicles In My Meatloaf" (welch ein Song-Titel!!!) kann und wird den gestellten Ansprüchen gerecht. Hound Dog Taylor und selbst J.B. Hutto winken da freudig um die Ecke.
Das gilt auch für "Broken Promises".
Gefallen findet auch der Elmore James Song "You Know You're Wrong", in dem Johnny Iguana ( Junior Wells, Otis Rush, Koko Taylor, Carey Bell) am Piano glänzen kann.
Gleichermaßen hat "That's The Truth", von seinem Onkel geschrieben, dieses Hound Dog Taylor/Hutto-Feeling.
Mit "Rattleshake" ist es wie bei einem Fußballspiel: Das Ergebnis ist ein Unentschieden, auch nach der Verlängerung.
Keine schlechte CD, dafür gibt es dann doch einige Highlights. Keine überragendes Album, dafür hat "Rattleshake" zu wenige Highlights.
Ausgerechnet das bereits oben angesprochene "Tramp On Your Street", der Country-Song, gehört zu den sonnigen Momenten auf diesem Silberling.
Was bleibt ist stimmungsvoller 'Gute Laune Party-Blues'. Möglicherweise wäre nach dieser sechsten Studio-CD als nächstes wirklich ein Live-Album der Combo angesagt. So schwer kann das doch nicht sein.
Spielzeit: 50:33, Medium: CD, Alligator Records, 2006, Chicaco Blues
1:Leaving Here (3:28) 2:Tired Of Crying (2:45) 3:Golden Rule (3:21) 4:You Just Weren't Here (4:25) 5:Icicles In My Meatloaf (4:59) 6:Broken Promises (3:51) 7:Tramp On Your Street (4:10) 8:Maybe Another Time (3:56) 9:Spend Some Time With Me (2:57) 10:Nobody's But My Own (6:50) 11:You Know You're Wrong (3:49) 12:That's The Truth (2:50) 13:It's A Beautiful World (3:05)
Joachim P. Brookes, 17.07.2006
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