Der 1974 in Schweden geborene Lindgren spielt seit seinem 13. Lebensjahr Saxofon.
Seine musikalische Laufbahn führte ihn mit Musikern wie Herbie Hancock, Joe Sample, Wilton Felder, Barbara Hendricks und anderen zusammen und sein Debütalbum, "Way Out", erschien 1999.
Auf den letzten Alben von Nils Landgren's Funk Unit ist er ebenfalls zu hören und Landgren unterstützt ihn auf diesem Album bei einem Titel. Das verspricht die Pressemitteilung:
»Die Musik reicht von eingängigen Samba-Sounds und -Gesängen bis hin zu komplex komponierten Linien, von Tanz-Grooves bis zu kräftigen Jazzsoli - eine eklektische und faszinierende neue Stilmixtur«. Dem will ich doch einmal auf den Grund gehen.
"Alligator" bildet den Auftakt, und in der Tat scheinen hier zwei verschiedene 'Handlungsstränge' abzulaufen. Einerseits dieses vornehmlich durch den Gesang verbreitete, brasilianische Feeling und andererseits Jazzstrukturen etwa in Richtung dessen, was Musiker wie Horace Silver Anfang der Sechziger als funkgefärbten Jazz entwickelten. Die Zutaten laufen aber nicht getrennt voneinander, sondern verschmelzen in der Tat. Aber grundlegend fällt mir als Grundstruktur Jazz auf, Jazz, der mit brasilianischen Elementen geschmückt wird, so richtig reines Samba- und ähnliches Feeling kommt bei mir nicht auf. Das ist kein 'Mangel', sondern lediglich als Feststellung zu verstehen.
Anders geht es dann bereits auf dem zweiten Track zu, hier herrscht der Samba! Dazu von der Flöte 'getragen', fliegt der Titel auch etwas im Stil der Endsiebziger( Flora Purim, Airto Moreira), dahin. Sanft fließende Klänge beehren uns auf "Rio Shadow", ein zart eingeflochtenes Bläserarrangement, hier schwebt ein Hauch der 50er Jahre durch den Raum; das ist ein wunderbarer Titel mit einem Anstrich von Filmmusik, die Klarinette malt feine Bilder, das Klaviersolo wird dahingetupft. Einer meiner klaren Favoriten dieser Platte!
Und nun geht's offensichtlich an's Eingemachte': Das erste richtig ursprünglich folklorisch klingende Stück scheint sich mit "Copaflat" zu entwickeln. Im brasilianischen Rhythmus schüttelt sich die Musik über perkussivem Untergrund und gesanglicher Ausschmückung, und wieder setzt Lindgren mit der Flöte Akzente. Leicht und luftig wie ein beschwingter Sommertag mit blauem Himmel und netten Cocktails ...
Ein schleppender Groove mit schönem Arrangement mit einer Ausstrahlung à la Les McCann, so "Soofa". Magnum Coltrane Price, auch in Diensten von Nils Landgren, ist für den Gesang zuständig, und ehrlich gesagt: Das stört mich. Price tritt nicht gestaltend in Erscheinung, sondern wiederholt relativ eintönig seinen Text und vermag nicht, den Titel in Richtung Funk zu bringen. Von Gesang und sanftem Funk getragen, erhebt der Protagonist sein Saxofon über sanft wiegenden Rhythmen, ebenso der Gast an der Posaune, Landgren, am Gesang ist Price auf diesem Titel aus meiner Sicht besser integriert.
Wie es der Name erahnen lässt, ist "Flutish" ein weiterer Titel aus der Rubrik 'luftiger Brasil-Sound mit Flöte'.Dieses Instrument trägt nun keltische Tonfolgen vor. Moving Hearts meets Brasil, so meint man auf "Dalodrum" zu vernehmen. Dieser Song fällt absolut aus dem Rahmen, unterstreicht jedoch die Abwechslung der Musik. Durch den schön fließend klaren Gitarreneinsatz kommt noch ein großes Stückchen Jazz in diesen multikulturellen Kuchen, bis sich die Flöte zusammen mit der Perkussion Richtung Arabien aufmacht, das wohl interessanteste Stück der CD.
Ansonsten bleibt es wie beschrieben: leichte Fusion-Ausflüge in die Siebziger, flatternde Flötentöne, raschelnd-treibende Perkussion, bis dann mit "Never Let Go" der bisher jazzigste Titel auftaucht, stilistisch angelehnt an jene Epoche, als der Bossa Nova in Amerika und im Jazz Einzug hielt, ich erinnere an Stan Getz. Ein schönes Gitarrensolo bringt beschwingtes Feeling mit hinein, sauber und leidenschaftlich, aber leider zu kurz.
Den Schlusspunkt setzt eine Ballade und bringt mit arrangierten Bläsern einen Hauch Big Band in die Nummer.
Um auf den Eingangssatz zurück zu kommen: Sicherlich habe ich nicht 'eine eklektische und faszinierende neue Stilmixtur' entdecken können. Aber Musik, die ich an einem Teil dieses Satzes durchaus festmachen kann, denn für mich ist es eine faszinierende Stilmixtur! Immerhin, aber genug, um mein Lob auszusprechen, für das Engagement, zwei Welten zusammenzubringen: die Kühle des Nordens und die Hitze Brasiliens.
Nach dem Hören scheint der Norden nicht mehr so kühl und Brasilien nicht mehr so hitzig zu sein. Niemand hat die Oberhand gewinnen können, was dafür spricht, dass die Mischung gelungen ist, nicht wahr?
Line-up:
Magnus Lindgren (tenor sax, flutes, clarinets, vocals, bass, percussion, guitar)
Kiko Continentino (piano)
Leonardo Amuedo (guitar)
Armando Marcal (percussion, vocals)
Pirulito (percussion, vocals)
Sebastian Notini (percussion)
Robert Ikiz (percussion)
Ney Conceicao (bass - #2, 4, 7, 11)
Nils Landgren (trombone - #6)
Magnum Coltrane Price (bass, vocals - #5, 6, 9)
Fredrik Jonsson (bass - #10)
Magnus Persson (drums)
Carlos Mazula (chorus)
Renato and Eder (chorus)
Sandrinho (vocals - #1)
Alexandre (chorus)
Tracklist |
01:Alligator (6:51)
02:Elbow Style (5:45)
03:Rio Shadow (4:18)
04:Copaflat (4:08)
05:Soofa (6:25)
06:Farofa (3:29)
07:Flutish (6:19)
08:Dalodrum (4:38)
09:Djungledance (3:37)
10:Batacuda Jazz ((6:32)
11:Never Let Go (3:27)
12:No More Words (6:55)
(all tunes written and arranged by Magnus Lindgren)
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