James McCartney / The Complete EP Collection
The Complete EP Collection Spielzeit: 27:50 (CD 1), 28:52 (CD 2)
Medium: Doppel-CD
Label: Engine Company Records, 2012
Stil: Pop Rock

Review vom 26.01.2012


Mike Kempf
Wer der Sprössling eines berühmten Musikers ist, kann unter Umständen hervorragend davon profitieren, oder aber anhand ständiger Vergleiche mit seinem prominenten Vater daran zerbrechen. So mein erster Gedanke, als ich "The Complete EP Collection" von James McCartney, dem Sohn von Weltstar Paul McCartney in meinen Player warf.
Die erste Runde von "Available Light", dem ersten Teil des Doppeldeckers, hinterlässt bei mir positive Eindrücke. Sicher, schon allein optisch kann er seinen Verwandtschaftsgrad zum vielleicht berühmtesten Ex-Beatle kaum verbergen. Auch seine im Pop Rock-Muster entwickelten Songs sowie seine Gesangsvorträge würden bei einem DNA-Abgleich mit seinem Vater viel Übereinstimmung erzielen.
In knapp achtundzwanzig Minuten gibt es fünf Songs plus drei Bonus-Tracks zu hören. Das Eröffnungsteil "Angel" überrascht mich, finde ich trotz des Hauptgewürzes 'Pop' richtig gut. Und das soll was heißen, stehe ich eigentlich mehr auf Musik, bei der ausgiebige E-Gitarren-Soli im Mittelpunkt stehen. Auch "Glisten" und "My Friend" durchwandern sehr angenehm meine Gehörnerven, bevor anschließend mein persönliches Highlight der ersten Platte folgt.
Einfach genial dieses "Denial": Gespickt mit tollen rhythmischen Einlagen, erstklassigem Textvortrag in unterschiedlichen Tonlagen, wunderschönem Akustik-Geklampfe und softem Piano-Geklimper, avanciert das Lied im Nachhinein sogar zu meiner persönlichen Nummer eins des gesamten Songmaterials des Doppel-Albums.
Bevor der 34-jährige Engländer drei Bonus-Stücke ins Rennen wirft, versucht er sich an
Neil Youngs "Old Man". Nicht schlecht, aber auch nicht herausragend, verläuft das Teil eher im Durchschnitt mit leichter Tendenz nach oben. Ob der Protagonist anschließend der 'New York Times' eine Hymne gewidmet hat, wage ich zu bezweifeln, doch der gleichnamige Song ist durch eine Tempoverschärfung als rockigste Nummer des bislang Gehörten. Dass der Brite sich in mehreren Stilrichtungen versucht, beweist der Finalsong "Moonstar", eine Mischung aus Rockabilly und den Beatles. Doch hier nagt sein Gesang etwas an meinem Nervenkostüm, weil sich sein Refrain so oft wiederholt, wie mein Sittich die "Berliner Luft" unaufhörlich nachzwitschert. Trotzdem, die erste Platte hat mir insgesamt gefallen und macht Appetit auf mehr. Und der soll mit der zweiten Platte gestillt werden.
Diese fängt mit "I Only Want To Be Alone" an, einer butterweichen Ballade, die mit gekonnter Stromklampfenarbeit und James' softem Zwerchfell aufhorchen lässt. Bewegten sich bisher alle Songs im Pop Rock-Bereich, verlässt McCartney zwar nicht komplett dieses Genre, streut nun aber immer wieder mal ein paar Spritzer Experimentelles in sein Notenfundament. Nach "Wings Of A Lightest Weight", das er seiner verstorbenen Mutter Linda gewidmet hat, gibt es mit "The Sound of The Voice" die nächste ansprechende Ballade auf die Lauscher. Richtig interessant hört sich "Else And Else But Dea" an. Durch schöne Keyboard-Arrangements schweift das Teil in für ihn untypische Sphären und wirkt insgesamt betrachtet gar etwas mystisch.
Dass er auch Jesus einen Song widmet, finde ich genauso O.K. wie den Song ("Jesus Be My Friend") selbst, weil er diesen mit tollen Streicher-Elementen untermauert. Auch "Fallen Angel" ist neben tollen Piano-Einlagen mit schönen Cello-Einlagen garniert, für die der Geigenexperte Steven Isserlis zuständig ist. Spätestens jetzt wird mir klar, dass er nicht mehr der 'Gute Laune-Musiker' vom ersten Teil seines Doppel-Albums ist, sondern er vielmehr versucht seine Vielseitigkeit anzudeuten. Zum Ende versucht er mit "Your True Love" an die 50er zu erinnern. Rockabilly lässt zum zweiten Mal grüßen.
Fazit: Die Beatles- und Wings-Einflüsse seiner Vorahnen kann James kaum verbergen. Das finde ich auch nicht schlimm, denn letztlich hat er sich mit dieser Kollektion schon ein gehöriges Stück freigeschwommen und ist gerade dabei, so langsam aus dem Schatten seines berühmten Vaters zu entschwinden. Während der erste Silberling mit astreinem Pop Rock aufwartet, geht's auf der zweiten Tonkonserve eine Spur anspruchsvoller zur Sache. Wie bereits oben erwähnt, wird hier mehr experimentiert und das unterstreicht sein Talent als Musiker, Instrumentalist und Songarchitekt. Und obwohl ich etwas Probleme mit seinem soften Gesang habe, überwiegt für mich mehr der musikalische Gesamteindruck von seiner Doppel-CD. Einer Kaufempfehlung steht nichts im Wege.
Line-up:
James McCartney (vocals, electric guitar, acoustic guitar, piano, bass)
Steve Bayley (vocals, harmonies, guitar, keyboards)
Steven Isserlis (cello)
David Kahne (bass & keyboards CD 2 - #1, keyboards & arrangement CD 2 - #5)
Charlie Turner (vocals, harmonies, bass)
Gil Goldstein (wind arrangements CD 2 - #2)
Shawn Pelton (drums)
Tracklist
CD 1 - Available Light:
01:Angel (3:37)
02:Glisten (4:37)
03:My Friend (3:31)
04:Denial (3:15)
05:Old Man (3:24)
Bonus Tracks:
06:New York Times (3:25)
07:I Love You Dad (2:59)
08:Moonstar (3:02)
CD 2 - Close At Hand:
01:I Only Want To Be Alone (3:42)
02:Wings Of A Lightest Weight (3:05)
03:The Sound Of My Voice (3:20)
04:Else And Else But Dead (3:19)
05:Jesus Be My Friend (4:39)
06:Fallen Angel (4:16)
Bonus Tracks:
07:Spirit Guides (3:55)
08:Your True Love (2:36)
Externe Links: