Stevie Ray Vaughan meets
Jimi Hendrix, so in etwa könnte man die Mucke des Berliner Psychedelic Blues-Trios
Matt And The Strangers bezeichnen, wenn da nicht... aber wenden wir uns erst einmal den handwerklichen Fähigkeiten auf deren CD "Visions In Sound" zu.
Retro ist derzeit schwer angesagt, allerdings mehr in der Musikszene als in den Hitlisten der Einkommensrekorde oder Verkäufe. Das zeichnet aber auch gleichzeitig die Musiker aus, die sich unbeirrt von pekuniären Einsichten, nur ihrer Musik verschrieben haben.
Matt And The Strangers setzen zwar keine neuen Akzente, zeigen aber auf ihrem Debüt interessante, mit psychedelischen Eskapaden garnierte, klassische Bluespfade.
Matt alias
Matthias Kraft neigt, wie könnte es bei diesen deutlichen
Verweisen auf die musikalischen Vorbilder auch anders sein, zu Cover-Versionen. "Killing Floor", frei nach
Chester Burnett interpretiert, ist teilweise traditionell, kann aber durch satte, sich selbst erklärende Riffs und groovende Basslinien aufwarten. Mit "Feel No Pain" wird es eigenständiger. Hier dominiert zwar der Blues Rock, wird dann jedoch zugunsten der Vorliebe für 'regenbogenfarbige' Klangstrukturen geopfert, die manchmal an die Blütezeit eben dieses Musikstils erinnern, als
Vanilla Fudge und das
New York Rock'N'Roll Ensemble noch unter 'Underground' in den Plattenläden einsortiert wurden. "No Tool For A Fool" ist dagegen das reine Kontrastprogramm und wahrscheinlich eine Reminiszenz an frühere Krautrocker, deren Englischkenntnisse sofort den Teutonen zu erkennen gaben. Ein Track, der eigentlich auf dieser CD nichts zu suchen hat, da er wie Sand im Getriebe eines ansonsten tadellos laufenden Achtzylinders klingt und die Gelassenheit des Albums ins Stocken geraten lässt.
Die Verehrung für frühere Heroen hat mit Sicherheit auch nichts mit "I Saw You Cryin" zu tun, eine Ballade, die weder interessante noch würzige Melodiebögen aufweist, sondern mehr handzahme Passagen in dezenten Tönen hinterlässt. Da wird mit "Red House" schon dickeres Holz gehackt, das offensichtlich Live-Atmosphäre atmet und daher neben musikalischem Tiefgang auch Saitenüberfälle produziert. Im Gleichklang dazu ist auch Stevie Ray Vaughans "Lenny" zu sehen, bei dem Matt zeigt, wo eigentlich seine Faves liegen. Keine abgeschmackte Kopie, sondern versierte Handwerkerkunst, die einfach nur Freude macht. Fingerfertigkeit kann der Gitarrist auf jeden Fall vorweisen und zwar songdienlich, der beste Beweis ist der Finalist "See You In N.Y." - und das ganz ohne Gesang, aber dafür mit viel klanglichem Charme.
"Visions In Sound" ist teilweise ein Blues Rock-Album, das sowohl die Traditionalisten bedient, wie auch eine Entdeckungstour durch noch nicht so breitgetretene Bluespfade ist. Das Trio zeigt ab und zu, was in ihm steckt, kann aber noch nicht klar definieren, welchen Weg es nun einzuschlagen gedenkt. Trotz leichter Niveauschwankungen ist es Matt und seinen Weggefährten zu gönnen, das sie sich auf ihrem Weg nicht durch zu viele Abzweigungen aufhalten lassen und ihrer stilistischen Ausrichtung treu bleiben.