Minerals / White Tones
White Tones Spielzeit: 47:20
Medium: CD
Label: Metal Mind Productions, 2012
Stil: Alternative Rock

Review vom 01.07.2012


Mike Kempf
Momentan trauert fast ganz Polen um ihre Fußballer, die sich leider schon nach der Vorrunde der derzeitigen EM verabschiedet haben. Doch kein Grund für die Polen, für immer im Tal der Tränen zu versinken. Als alternatives Trostpflaster empfehle ich gute Musik, und zwar guten Alternative Rock 'made in Poland'! Minerals heißt der polnische Fünfer, der mit zwölf Tracks in einer guten Dreiviertelstunde, ich nehme es gleich vorweg, zu überzeugen weiß.
Kommt der Opener des Albums "01010110" noch recht schwerfällig daher und versprüht nur wenig Glanz, ist folgendes Teil "Last Time" wesentlich attraktiver und erinnert ein wenig an U2. Der ziemlich tiefgelegte Bass von Tomek Jacak fällt mir gleich gesondert auf. Im Verbund mit dem Drum-Set von Andrzej Ratajczak sorgt er für den nötigen Anschub der Gitarristen und des schönen Gesangs von Filip Pokłosiewicz. Die Klampfer spielen auf einem guten, hohen Niveau, wobei es ihnen hierbei darauf ankommt, nicht mit Solo-Attacken zu brillieren, sondern eher in der 'Breite' zu beeindrucken. Soll heißen: Den Konsumenten erwartet ein schöner Breitbandsound, der, ja ich wiederhole mich, stark an U2 angelehnt ist.
Ihre selbstentworfenen Lieder sind nicht übermäßig in die Länge gezogen, rattern recht schnell durch die Ohrmuscheln und veranlassen mich, die Platte gleich ein zweites Mal durch den Player zu jagen. Sänger Filip 'Zungenbrecher' Pokłosiewicz hat all seine Textvorträge selbst entworfen und wirft sie meist mit einer sehr angenehmen warmen Stimme in die Waagschale. Auch wenn hier nicht die Post abgeht, keine Frontsau zu erwarten ist, mir gefällt Filips Zwerchfell.
Die Tracks versprühen bei mir ein Wohlbehagen, regen zum Teil mit schönen Balladen ("Fast Forward" oder "Hearts & The Sea") zum Träumen an. Selbst die etwas schnelleren Stücke wuchern nie aus, sondern bleiben ihrem Stil des Alternative Rock der softeren Art, treu. Dabei lassen sie die Optimierung ihres Liedguts nie außer Acht und setzen auf gute Qualität. Das ist ihnen auch gelungen und mit "Is This Love" habe ich auch einen Anspieltipp parat, der sehr mainstream-tauglich ist.
Richtige Schwachstellen kann ich weder beim Sound, noch bei den Songs sowie bei der Einzelbewertung der Instrumentalisten entdecken. Auch wenn mich die Polen überzeugt haben, heißt es nicht gleich, dass ich eine Inselplatte ans Land gezogen habe. Denn so richtig was Spektakuläres, Außergewöhnliches gibt der Silberling nicht her. Und doch, die Scheibe hat was, ohne es gänzlich erklären zu können. Am besten man hört selbst mal rein, um zu entscheiden, ob man sich die Tonkonserve zulegen möchte oder nicht.
Line-up:
Filip Pokłosiewicz (vocals)
Łukasz Cirocki (guitar)
Przemysław Buchelt (guitar, backing vocals)
Tomek Jacak (bass)
Andrzej Ratajczyk (drums)
Tracklist
01:01010110
02:Last Time
03:Discount
04:Fast Forward
05:Is This Love
06:Hearts & The Sea
07:Fable
08:Mistake
09:Back Track
10:Thin Times
11:So Sure
12:White Tones
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