The Mob / The Mob
The Mob
Man weiß, dass man ein Hard Rock Album der alten Schule in der Hand hält, wenn Sachen wie "Guitar Solo" auf der Trackliste stehen.
Reb Beach, seines Zeichens Ex-Gitarrist bei Winger aber auch Alice Cooper und The Bee Gees, hatte nach dem Winger-Split nicht nur bei Dokken und Whitesnake angeheuert, sondern 2002 auch sein erstes Soloalbum, "Masquerade", herausgebracht. 'Frontiers Records' zeigte sich angetan von diesem Material und ermutigte Beach, ein neues Line-Up zusammenzustellen und ein Album aufzunehmen.
Gesagt, getan. Whitesnake Bandkollege Timothy Drury (Ex-Eagles; Keyboard) wurde rekrutiert. Die Frage, wer dem Projekt seine Stimme leihen sollte, war schnell beantwortet, als Beach sich an eine Winger-Tour zusammen mit King's X erinnerte, mit dessen Sänger und Bassisten man sich schon angefreundet hatte - Doug Pinnick war an Bord.
Produzieren sollte das Ganze ein Ex-Bandkollege von Reb bei Winger und Alice Cooper; Kip Winger - er steuerte (wie alle anderen auch) aber auch noch Backgroundgesang bei und übernahm den Bass, nachdem er noch seinen guten Freund Kelly Keagy (Night Ranger) mit ins Boot brachte, der sich hinters Drumkit setzte und für "The Magic" auch noch die Lead Vocals beisteuerte.
Werbetexte wie 'new supergroup' oder 'mega lineup' sind also nicht völlig vermessen, aber trotzdem Ansichtssache. Aber darauf kommt es auch gar nicht an, denn was der Mob hier abliefert, gehört in die Sammlung eines jeden Winger-, Whitesnake-, etc.-Fans. Jeder Hard Rock-Freund sollte mal reinhören, denn das Resultat des optisch ungleichen 'Mega-Lineups' hält die Coolness, die das Cover verspricht. Dies ist zum allergrößten Teil Doug Pinnick zu verdanken, der sich zwar ein, zwei Mal in quietschende Höhen schraubt, ansonsten aber in einer angenehm-lässigen Tonlage singt, was dem Ganzen die Unglaubwürdigkeit eines 80er-Aufgusses nimmt.
Schlagzeug und Bass werden zwar auch gespielt, aber das könnte tatsächlich irgendwer sein. Eines hat Kip Winger ganz gewiss sich nicht getan: sich selbst oder Kumpel Keagy in den Vordergrund gemischt.
Abgesehen von den sehr passenden und perfekt zum Grundtenor beitragenden Keyboards ist The Mob ausnahmslos eine Beach/Pinnick-Show. Die Gitarre ist mal ungefährlich, mal aggressiv - lässt aber nie einen Zweifel über ihren Anspruch, die treibende Kraft zu sein, aufkommen, und untermauert diesen auch durch stimmige Soli und den gelegentlichen Mut zum schrägen Ton (siehe "One Track Mind").
Was also ist The Mob?
Sie erschüttern die Musikwelt nicht, wie Reb Beach versichert, und sie sind auch nicht 'die perfekte Hard Rock-Band für das 21. Jahrhundert'. Aber sie zeigen sich nicht verknöchert und an ihrem alten Sound klebend, sondern im positiven Sinne routiniert - dank Reb Beach, und - cool -dank Doug Pinnick.


Spielzeit: 42:57, Medium: CD, Frontiers Records, 2005
1:One Track Mind (4:20) 2:Wait (4:38) 3:The Magic (4:29) 4:I Will Follow (4:33) 5:Guitar Solo (1:20) 6:Never Get Enough (4:51) 7:Love Will Carry On (4:22) 8:Turn To Stone (3:54) 9:No Reason Why (3:22) 10:Spaghetti Western (3:18) 11:I Want To Live Forever (3:37)
Christoph Segebard, 06.11.2005