Felix Pöttinger und Dominik Schmidt, das ist die Band Moving City Lights, ein Projekt der beiden Freunde aus München, das 2009 aus der Taufe gehoben wurde.
Die zehn Stücke wurden im Wohnzimmer eingespielt. So steht es jedenfalls im kurzen Pressetext.
Kräftig gespielte Akustikgitarre, dazu gehauchter Gesang, so wird die Frage gestellt "Where Is Your Wilderness?". Hier geschieht wenig und ich habe den Eindruck, dieses seien Probeaufnahmen, Demo-Versionen dessen, was noch fertig gestellt werden soll.
Die Melodieführung ist angenehm, doch der Gesang wirkt sehr unbeholfen und zu sehr bemüht. Ich weiß ja nicht, ob dadurch eine besondere Atmosphäre geschaffen werden sollte ...
Das für mich eindeutige 'Demo-Format' wird erst spät am Ende des Titels unterbrochen durch - ja, ist es eine verzerrte E-Gitarre, sind es Keyboards? Jedenfalls wertet das den Track nicht auf, wirkt eher störend. So sollte man eine Platte nicht starten!
Doch es bleibt ja nicht so, denn "Piano Hands" lässt alle Schelte zunächst vergessen, hier wird es druckvoll, Schlagwerk gesellt sich dazu und auch gesanglich wird eine Schippe drauf gelegt. Das Arrangement birgt nette Überraschungen, Bläser (echt oder aus der Retorte?) runden gut ab und zum Schluss leiten Sturmgeräusche einen Wechsel im Stück ein, mit einem schönen E-Gitarren-Solo, im Ansatz gut gemacht. Aber warum man dann nicht zum Anfangsthema zurück kommt?
"Shared Space": Spontan meine Assoziation zu ganz frühen The Cure, das klingt insofern 'retro'. Nun gut, Robert Smith wird gesanglich nicht zitiert und auch nicht Rea Garvey, denn musikalisch erinnert das ebenfalls an die Musik der irischen Band Reckless Pedestrians, deren Mitglied der Sänger damals war. Ein nettes Stück.
Mit "Anchors" scheint man teilweise in die Untugend des ersten Songs zurückzufallen, schade. Einige wahrscheinlich nette Freundinnen warten mit Background-Chor auf, der jedoch sehr amateurhaft klingt, und irgendwie kommt auch das Schlagzeug nicht gut. Ich weiß leider nicht, warum hier meistens nicht gesungen, sondern mehr gehaucht wird. Musste man, weil es im Wohnzimmer aufgenommen wurde, etwas ruhiger sein wegen der Nachbarn?
Ein wenig mehr Druck bitte!!!! Dann bekäme ein an sich sehr guter Song wie "The Moon, My Dear" auch mehr Profil! Hier übrigens wieder die Nähe zu The Cure.
Meine erste echte 'Hörempfehlung'!
»10 entspannte, dennoch intensive Songs«, so kann ich weiter im Infoblatt lesen. Ja, entspannt trifft zu, für mich nur manchmal zu sehr. Intensiv - einige sind im Ansatz sicher so, doch braucht es 'Ausbau'. Mein Positivbeispiel in dieser Richtung ein ansatzweiser eingeworfener 'Jamcharakter' zum Schluss von "Home Is Where The Tone Is", nur, bitte, Jungs, baut das doch aus, und lasst den Titel nicht einfach mit einigen ungeschmückten Akkorden ausklingen!
"Blood Pact" ist nun der bisher auf mich am schönsten wirkende Track und deckt sich mit der Angabe der Pressemitteilung, die da lautet: »Durch die 10 Songs, ob heiter oder düster, es schwingt immer ein Hauch melancholische Einsamkeit durch«. Für mich die eindeutig beste Nummer und dafür ein dickes Lob. Ich glaube, das ist die Richtung, die die Band unbedingt weiter gehen sollte, mit diesem leichten Ansatz 'Indie' und einem guten Songaufbau - das erinnert ein wenig an einige der Indie-Truppen aus Skandinavien, z. B. an die Stimmung von Midnight Choir. Volle Punktzahl, Leute! Das berührt meine Seele. Schön finde ich den Einsatz der E-Gitarre.
Also, ich will ja auch nicht zu viel schimpfen, aber das sind halt meine subjektiven Eindrücke und ich hoffe, meine Begeisterung für "Blood Pact" und das 'Wohlwollen' für "The Moon, My Dear" macht gleichermaßen Mut, weiter zu machen.
Line-up:
Felix Pöttinger
Dominik Schmidt
Michaela Minhoff
Beni Sonnleitner
Tracklist |
01:Where Is Your Wilderness?
02:Piano Hands
03:Shared Space
04:Anchors
05:The Moon, My Dear
06:Home Is Where The Tone Is
07:Blood Pact
08:Heartstrings
09:Traffic
10:The Late Call
(all songs written by Moving City Lights)
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Externe Links:
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