Der in Norfolk, Großbritannien geborene Paul Millns startete seine musikalische Laufbahn in den Sechzigern als Pianist und Keyboarder für einige Soul- und Bluesbands. In Deutschland wurde er unter anderem durch Tourneen mit Alexis Korner und Eric Burdon bekannt. Seine erste offizielle Soloplatte erschien im Jahre 1975 via Phillips und nun legt er sein mittlerweile fünfzehntes Album vor. Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass Millns es offensichtlich noch immer nicht in 'die erste Reihe' geschafft hat. Woran mag das liegen?
Nun, gehe ich einmal von der aktuellen Platte aus, so ist diese Musik sicher nicht 'massentauglich' - nichts, was in den Charts Platz findet, zu unspektakulär ist das, was eigentlich ganz angenehm und ruhig aus den Boxen perlt. Vielleicht klingt die Musik auch einfach zu nett und freundlich. Manchmal habe ich ganz einfach den Eindruck, dass es an Antrieb, an Leidenschaft fehlen könnte. Doch, das scheint nur so, denn Emotionen sind reichlich vorhanden und im Vordergrund ist es die Melancholie - eine Stimmung, die möglicherweise leicht die Laune verdunkeln kann. Für eine breite Hörerschaft mag der Ausdruck daher oberflächlich betrachtet ein wenig lieblos und wenig packend klingen. Doch tatsächlich liegen Schönheit und die interessante Variante der Musik im Subtilen, in den Details des Reduzierten. Zum Beispiel bei "Love Don't Have To Be Like This", mit dem Einsatz einer Klarinette unterstützt wirkt der Song in seiner Art ein wenig wie alte Titel von Randy Newman. Ich finde das Stück wirklich sehr schön und ergreifend in seinem warmen Ausdruck.
Sicher, viel 'Moll' wird geboten, aber auch heiterer und lockerer geht es zu, zum Beispiel im Titelsong der Platte, der gar einen ganz entfernten Anflug von Country in sich trägt. Aber selbst dieser Song wirkt wie die meisten anderen leicht zerbrechlich und sehr sensibel. Apropos sensibel, gleich beim Eröffnungssong fiel mir der Einsatz der Gitarre auf. Feinfühlig in einer Mischung etwa zwischen Peter Green und Mark Knopfler ausgestaltet, legt Niels Kaiser einen mich sehr berührenden Beitrag vor, spielt der Niels etwa immer so? Da muss ich doch mal forschen. Jedenfalls gefällt er mir auch auf dem Titelsong sehr gut.
Was gibt es sonst noch? Ein wenig an Cabaret erinnert mich "Distillery Street", das mir hinsichtlich des Saxofoneinsatzes nicht so gefällt, zu sehr spielt dieses melodieführend und nicht die Melodie ausfüllend. Meine auserkorenen Lieblinge sind die spartanisch ausgerichteten Titel, wie zum Beispiel "The Beauty Of The High Wire Dancer", bei dem mich Millns mit seiner sehr gefühlvollen Stimme überzeugen kann, ein wenig kratzt er rauchig in Joe Cockers Richtung. Auf einigen Songs wird Paul Millns von seinem Sohn an der Hammondorgel begleitet, so auch bei dem durch die Violine leicht keltisch angehauchten, pop-orientierten "City Boy".
Ungewöhnlich und sehr gefühlvoll im Ausdruck ist auch "Love In The Times Of Hardship", das - wie so manch anderer Song - eine leicht kammermusikalische Ausrichtung inne hat. Hier gefällt mir das dezent gesetzte Bläserarrangement ebenfalls gut. Ein wenig nach Zirkusmusik klingt es bei "Odd Job John", auch dieser Titel stört für mich das Gesamtbild der Platte ein wenig, wirkt er doch im Verhältnis recht oberflächlich. "Tangled Up In Stars" ist hingegen mit dem satten Basseinsatz wieder zarter und harmonischer. Einer meiner persönlichen Höhepunkte der Platte beschließt diese, nur der sich am Piano begleitende singende Millns: »crazy with love, crazy without love...«
Ein wunderschöner Abschluss einer schönen ruhigen Platte, für die man sich Zeit nehmen sollte, um die Musik des Künstlers zu würdigen, er hat es mehr als verdient! Eingespielt wurden die Songs übrigens in Freiburg, im Studio des Bassisten Ingo Rau.
Line-up:
Paul Millns (vocals, piano, electric piano)
Butch Coulter (acoustic guitar - #1,3,5,10, harmonica - #6)
Ingo Rau (bass - #1,3,4,6-11, accordion - #2,5,11)
Vladi Kempf (drums - #1,3,4,6,7,9-11, percussion - #3,10)
Niels Kaiser (electric guitar - #1,3, acoustic guitar - #2)
Nick Pentelow (clarinet - #2,8,11, baritone saxophone - #4, saxophone - #8,10)
Heinz Rudolf Kunze (vocals - #3)
Tobias Künzel (vocals - #3)
Andreas Millns (Hammond organ - #3,4,6,7,9)
Steve Bailey (acoustic guitar and violin - #7)
Tracklist |
01:A Little Painkilling
02:Love Don't Have To Be Like This
03:Gone Again
04:Distillery Street
05:The Beauty Of The High Wire Dancer
06:Close Companion Of The Blues
07:City Boy
08:Love In The Times Of Hardship
09:Odd Job John
10:Tangled Up In Stars
11:Capsized
12:Crazy With Love
(all songs written by Paul Millns)
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