Vinnie Moore / Aerial Visions
Aerial Visions Spielzeit: 47:49
Medium: CD
Label: Mind's Eye Music, 2015
Stil: Rock

Review vom 31.01.2016


Jochen v. Arnim
Schon öfter habe ich auf dieser Plattform hier konstatiert, dass ich durchaus ein Faible für Gitarrenscheiben habe und wer diese Leidenschaft teilt, der wird im Universum der Axtmänner mehr als nur eine gefällige Platte finden können. Auch unser Meister hier, Vinnie Moore aus dem schönen Delaware an der Ostküste der USA, gehört spätestens seit der Zeit der großen Shredder in den Neunzigern dazu. Sein Spielvermögen hat er in diversen Veröffentlichungen ab den späten achtziger Jahren unmissverständlich unter Beweis gestellt und auch namhafte Kollegen von der Axtfront waren sich nicht zu schade, mit ihm immer wieder gemeinsame Sache zu machen.
Neben seinen Kollaborationen mit Vicious Rumors oder auch Alice Cooper dürfte er dem breiteren Publikum auch als Schenker-Nachfolger bei UFO bekannt geworden sein. Als deren Gitarrist ist er nun mittlerweile über zehn Jahre an Bord und mit der Truppe unlängst mal wieder (im Vorprogramm von Judas Priest) in Deutschland zu sehen gewesen.
Aus dem Kreise seiner illustren Kumpels hat er auch für das aktuelle, im Oktober erschienene Album, "Aerial Visions", so einige mit an Bord geholt. Da er das Bedienen der sechssaitigen Instrumente selber erwiesenermaßen perfekt beherrscht, kamen als Gäste nunmehr lediglich solche für die Rhythmusfraktion in Frage. Die Drums wurden hierbei ausschließlich von Richie Monica bedient, der u. a. durch Auftritte mit Popa Chubby oder Tantric regelmäßig auf sich aufmerksam macht.
Bleibt der Bass, und hier holte sich der Chef gleich vier Mitstreiter, die wechselnd zur Sache gingen. Rob DeLuca spielt nach seinem Engagement als Tour-Bassist mittlerweile fest bei UFO, Dorian Heartsong zupft u. a. bei Jason Bonham's Led Zeppelin Experience und Elliott Rubinson ist, wenn er nicht irgendwo am Bass steht, nebenbei noch Chef von DEAN Guitars. Last but not least ist Dave LaRue (u. a. Flying Colors, Dixie Dregs, Steve Morse Band) zu nennen, der für die vorliegende Produktion ebenfalls im Einsatz war. Liest sich alles schon mal gut, die Jungs verstehen ihr Handwerk.
Musikalisch bekommen wir ein breites Spektrum an Stilen geboten, ohne jedoch eine Werkschau à la Ich-kann-alle-Genres erdulden zu müssen. Recht unaufdringlich wechselt "Aerial Visions" von einer Stilrichtung zur nächsten, manchmal die Unterschiede nur in Nuancen preisgebend, verliert dabei aber natürlich nicht die Spielkunst des Meisters aus den Augen. Dieser haut logischerweise in jedem Song sein Können raus: Riffing, Soli, Tapping, Shredding, you name it. Bei "Mustang Shuffle" wird im Grundthema im wahrsten Sinne des Wortes cool geshuffelt, "Now's The Time" hat leichte psychedelische Ansätze und später klingt es bei "Slam" ein wenig spanisch-funkig. "Looking Back" steht für eine der alten Balladen, die wir früher so geliebt haben, und der Titel-Track ist ein Zeugnis Moore'scher Solo-Leistungen, während "The Dark Dream" anfänglich an den Namensvetter aus Irland denken lässt, bevor das Tempo merklich zunimmt - insgesamt ein sehr geiler Track. Zwischendrin wird auch ein wenig gecovert und dafür hat Moore sich "La Grange" ausgeguckt, das aus der Feder von Billy Gibbons stammt und dessen Band ZZ Top hinlänglich bekannt ist.
Musikalisch darf man bei solchen Platten natürlich keine Salti mehr verlangen. Wer solche Veröffentlichungen mag, der weiß genau, worauf er sich einlässt und der oberflächlich Zuhörende mag für sich ein gewisses Maß an Wiederholungen erkennen. Es ist aber beileibe nicht so, dass auf "Aerial Visions" ein Song wie der nächste klingt. Moore hat sich in den Jahren seines Schaffens durchaus entwickelt und darf schon lange nicht mehr als unerbitterlicher Hau-die-meisten-Töne-pro-Minute-raus-Klampfer missverstanden werden, der ansonsten nicht komponieren kann. Und so wird der Hörer auch hier auf eine recht abwechslungsreiche Reise mitgenommen.

Stehst Du auf Klampfe? Dann solltest Du hier mal testen!
Line-up:
Vinnie Moore (guitar, bass - #5,6,8)
Rob DeLuca (bass - #2,10)
Dorian Heartsong (bass - #3)
Dave LaRue (bass - #1,4,7)
Elliott Rubinson (bass - #9)
Richie Monica (drums)
Tracklist
01:Mustang Shuffle
02:Now's The Time
03:Faith
04:Slam
05:La Grange
06:Looking Back
07:Aerial Vision
08:The Dark Dream
09:Calling Out
10:A Million Miles Gone
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