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Die finnischen Senkrechtstarter haben sich im Vergleich zu ihren beiden Vorgängeralben einer marginalen Änderung unterzogen. Bisher etwas im Fahrwasser von Ville Valo und Konsorten eingestuft, haben die Glam Gothic-Rocker sich deutlich in Richtung Rock mit Glam Faktor orientiert.
"Anorectic" beginnt mit "Glory Of The Shame", einem leicht Motörhead-angehauchten Rocker, der wuchtig die Gehörgänge entstaubt, gefolgt von "Reflections" mit dreckiger Attitüde und geradlinig aufgebautem Rhythmusgerüst. Die Drums wummern, Jonne Aarons Stimme klingt noch ausgereifter als bisher, die Gitarren braten schön fett in der eigenen Sauce. Schon jetzt fällt auf, dass diese Scheibe energievoll mit traurigem Grundton klingt, der allerdings nie in totale Düsternis abgleitet.
Die Band hat an Härte zugelegt und überrascht mit rasanten Rockern wie "One Last Shot" und "Fading Yourself". Anlehnungen an Guns N' Roses oder HIM sind erlaubt, zumal wenn sie so frisch und entstaubt auf die Rollbahn rollen und mit eingeschaltetem Nachbrenner abheben.
Negative sind ohne sichtbare Spuren ins Erwachsenenlager übergewechselt, jeder Song weckt andere Erinnerungen.
Planet Of The Sun, die erste Singleauskopplung mit eindeutigem Hitpotenzial wurde etwas mainstreamiger angelegt. Wehmütige Vocals, die Frauenherzen höher schlagen lassen, wechseln sich mit poppigen Gitarrenmelodien ab.
Balladen wie "A Song For The Broken Hearted" sind selten. Anfangs mit leichter Aerosmith-Schlagseite beginnend, kann Jonne Aarons Gesangsakrobatik voll zur Entfaltung kommen. Sorgfältig aufgebaute Keyboardklänge entfalten sich als Metaphern der Schwermut. Mit Gitarren, angepasst an die vorgegebene Mollstimmung, entwickelt sich dieser Song zu einem echten Ohrwurm.
Mit "Sinners Night/Misty Morning" kommt die nächste Überraschung. Ein waschechter räudiger Rock'n'Roller mit Honky Tonk-Piano, dreckig und rotzig, vertreibt jegliche Melancholie. Erinnerungen an die Siebziger Jahre werden wach, druckvoll und mit soliden Grooves.
"Swans" lässt mit seinen dunklen Melodiebögen noch am ehesten Vergleiche mit den Vorgängeralben zu. Der Gitarrenbereich arbeitet flüssig und passt sich dem Standard
der Gesangslinien nahtlos an.
Elektrisierend folgt mit "Stop Fuckin' Around" ein echter Aufhorcher. Brilliant intoniert mit Dynamik an den richtigen Stellen, setzt der Sechser ein echtes Hard Rock-Statement. Abwechslungsreich mit kräftig zupackenden Gitarren-Parts.
"Embracing Past" schwelgt anfangs in bitteren Grundtönen, die sich dann jedoch zu einem einprägsamen Midtempo-Kracher in bester Negative-Manier verdichten.
"We Can't Go On" mit leichtem, anfänglichen Wave-Touch bringt mit synthetischen Arrangements dann dämonisch düsteren Glanz ins Spiel, der mit hymnischen Parts die richtige Koalition bildet.
Das episch angelegte "In Memoriam" bildet dann den Schluss eines Albums, von dem man zu recht behaupten kann, dass die Finnen eine echte Weiterentwicklung vollzogen haben. Nichts wirkt konstruiert: zeitgemäßer Rock mit leichten Glam Anleihen, einer Prise Düsternis, gepaart mit exzellentem Songwriting und Gespür für die Richtung zum Olymp des Rock. Diese Musiker haben alles um das 'next big thing' zu werden. Gönnen wir es ihnen, denn sie haben es wirklich verdient.
| Tracklist |
01:Arrival
02:Glory Of The Shame
03:Reflections
04:One Last Shot
05:Fading Yourself
06:Planet Of The Sun
07:A Song For The Broken Hearted
08:Sinners Night / Misty Morning
09:Swans
10:Stop F*ckin' Around
11:Embracing Past
12:We Can't Go On
13:In Memoriam (Immortal Peace)
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