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»Mario, jetzt geh auf den Platz und zeig der Welt, dass du besser bist als Messi.« Diese historisch bedeutsamen Worte des Oberfeldherrn und mithöchsten Repräsentaten der Frankfurter Mafia, dieses fragwürdigen und schon bald auf Sektenniveau operierenden Imperiums - nebenbei bemerkt auch der Breitensportkiller Nr. 1 in diesem Lande - beim Dusel-WM-Finalsieg zu einem seiner ihm blindlings folgenden Jünger, hatten mich, nachdem ich sie einen Tag nach der Rückkehr aus meinem Urlaub in einer Zeitung gelesen hatte, derart in Verzückung versetzt, dass ich doch fast glatt vergessen hätte, dass es außer dem geschäftsträchtigen Treiben rund ums Leder, auch noch andere schöne Dinge im Leben gibt.
Da lag nämlich im Stapel zwischen Werbeprospekten, Benachrichtigungen, Rechnungen und sonstigen Sachen, die sich während einer solchen Zeit im Briefkasten ansammeln, die neue Scheibe "High Road" von Night Ranger, die mich jetzt nach diversen Hördurchläufen absolut zu begeistern weiß.
Die 1981 in San Francisco gegründete Band hatte ihren Höhepunkt sicher bereits in den achtziger Jahren (ich persönlich besitze bisher, neben ein paar CDs aus Seitenprojekten von Jack Blades, auch nur eine Live-DVD aus dieser Zeit von ihnen), hat es aber im Laufe der Zeit, nach einigen Unterbrechungen und Umbesetzungen mittlerwille bis heute zu immerhin elf Studiowerken gebracht. Zu den Gründungsmitgliedern Jack Blades (bass, lead vocals), Brad Gillis (lead & rhythm guitars) und Kelly Keagy (drums, vocals) gesellen sich mittlerweile die Herren Joel Hoekstra (lead & rhythm guitars) und Eric Levy (keyboards).
Das neue Werk "High Road", erneut unter der Fahne des von mir sehr geschätzten Frontiers-Labels, überzeugt auf ganzer Linie. Schon der eröffnende, gitarrengetriebene Titeltrack (herrlich das leiernde Solo) mit seinem euphorisch anmutenden Gute-Laune-Refrain macht direkt Lust auf mehr.
Im weiteren Verlauf gibt sich das Quintett ungemein rockig (so im Stile der letzten beiden Great White-Silberlinge, nicht zuletzt ein Verdienst der beiden furios aufspielenden Gitarristen Gillis und Hoekstra, die mehrfach sogar in Southern Rock-Twin-Manier (grandios vor allem auf "X-Generation" und "Hang On") zu glänzen wissen. Beim ihrem abschließenden eigens kreierten und kammermusikartig vorgetragenen Instrumental-Bonustrack "L.A No Name" lassen sie dann zusammen nur im Duo nochmals filigran die Finger über ihre Akustikgitarren fliegen. Da fühlt man sich fast in die Al di Meola -, Paco de Lucia- und John McLaughlin -Zeit zurückversetzt, als die ihr "Friday Night In San Fransico" einspielten.
Anführer Jack Blades, der beim Songwriting, fast bei allen Stücken involviert ist, macht vokal in Sphären von David Coverdale bis Dan Baird einen richtig guten Gesangsjob.
Zwei tolle Balladen gibt es mit "Don't Live Here Anymore" (klasse die eingeflochtene Jon Lord -Gedächtnis-Orgel mit fettem E-Gitarrenanschluss-Solo) und der Liebesschnulze "Only For You Only" (mit sich ins Hirn bohrender Titelzeile im Refrain und starkem E-Solo).
Vor dem bereits beschriebenen Bonusstück wird dann bei "Brothers" noch die beatleske Schiene gefahren und das Finale mit einem an "Hey Jude"-angelehnten Crowd-Gesang bestritten.
Night Ranger präsentieren auf "High Road" eine durchweg tolle, unterhaltsame und abwechslungsreiche Kost. Hohe Kunst in Sachen (sehr) melodisch geprägtem Hard Rock/AOR! Ein dickes Booklet mit allen Texten, interessantem Bild der Golden Gate Bridge, Bandfotos und allen Texten gibt es on top. Klare Kaufempfehlung!
Ach ja, bevor ich es vergesse, betreffend der Einleitung habe ich noch an die 60 Millionen plötzlichen Deutschland-Fußball-Fans, die vermutlich noch nie ein Stadion von innen gesehen haben und jetzt ihre groß zur Schau getragenen schwarz-rot-goldenen Utensilien bis zur nächsten EM wieder in irgendeiner Kiste vergammeln lassen, folgende Botschaft zu entrichten: Lang lebe Rot-Weiss Essen!
| Tracklist |
01:High Road
02:Knock Knock Never Stop
03:Rollin' On
04:Don't Live Here Anymore
05:I'M Coming Home
06:X Generation
07:Only For You Only
08:Hang On
09:St. Bartholomew
10:Brothers
11:L.A. No Name (Bonus Track)
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