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Das zu Ende gehende Musikjahr 2014 bringt mich noch mal mit einer Scheibe aus einem Bereich zusammen, den ich hier zwar auch immer wieder mal rezensiere, der aber eher zu meinem Randinteressengebiet zählt: melodischer Hard Rock 'Made in Sweden'. "Mental Revolution" heißt das zweite Werk von Nubian Rose, hinter dem sich das verheiratete Paar Sofia Lilja und Christer Akerlund verbirgt und das in den einschlägigen Magazinen der Sparte in den höchsten Tönen gelobt wird.
Kein Zweifel, die beiden machen einen guten Job. Sämtliche Tracks sind selbst kreiert, abwechslungsreich arrangiert und auf gutem musikalischen Niveau eingespielt, wobei Gatte Christer Akerlund sich mit vielen starken E-Gitarren-Soli als der heimliche Star des Albums herauskristallisiert, auch wenn der Fokus dieser Formation sicherlich ganz klar auf Frontdame Sofia gerichtet ist.
Es gibt allerdings doch ein paar Dinge, die mich als relativ Unbefangenen auf diesem Album ein wenig nerven. Geht die afrikanisch anmutende Kriegsbemalung in ihrem überaus hübschen Gesicht auf dem tollen Coverbild inmitten zweier Löwen als einmaliger Gag ja vielleicht noch durch, frage ich mich allerdings, ob diese Effekthascherei auf sämtlichen weiteren Bildern dieser sehenswerten, wildmähnigen Frau sein muss, oder eventuell sogar als etwaiges zukünftiges Markenzeichen herhalten soll. Wäre irgendwie schade!
Auch ihre vorwiegend kreischende Stimme ist nicht unbedingt meins. Welcher Mann hört schon gerne eine Frau eine gute Dreiviertelstunde lang rumkeifen...? Ich halte Frauengesang im Zusammenhang mit recht energiegeladener Hard Rock-Musik oft für problematisch. Da muss aus meiner Sicht dann schon ein richtiges vokales Diven-Pfund gegenhalten, wovon diese junge Skandinavierin jedoch noch ein wenig entfernt ist.
Frau Akerlund versucht sich hier zwar durchaus variabel in Sphären von Damen wie Ann Wilson, Lita Ford, Lee Aaron, Doro und Co. zu bewegen, lässt aber deren Aura irgendwo noch vermissen. Im hinteren Part, wenn sie bei Stücken wie "Higher" (toll hier auch die Double Leads) oder "You Will Never Walk Alone" in Richtung Robin Beck driftet, wird das Ohr dann schon eher etwas besänftigt. Ein weiterer kleiner Minuspunkt sind noch die sehr dominant nach vorn gemischten Drums, wobei vor allem die deftig polternden Fußtrommeln gerne etwas zurückgefahren hätten werden können.
Die Songs an sich können in den oberen Sphären des Genres durchaus mithalten, seien es der episch geladene Auftaktkracher "War", das überragende "Time Again" mit seinen Tempo-Breaks, atmosphärische Verschachtelungen und starkem Gitarrenpart, das glamige "Tough Boys Don't Dance" (hier erfährt man übrigens im Text, dass man in schwedischen Musikboxen Dr. Feelgood im Angebot findet) oder das poppig angehauchte "(Taking This) Further", neben dem bereits erwähnten melodischen "Higher" mit größtem Hitpotential.
Nubian Rose legen mit ihrem Zweitwerk "Mental Revolution" eine Platte hin, die sich im riesengroßen internationalen Feld des melodischen Hard Rock und seinen anliegenden Modifikationen nicht verstecken braucht. Eine ordentliche Leistung der beiden Protagonisten Sonja Lilja und Christer Akerlund. Was mich persönlich betrifft, ist eine mentale Revolution angesichts dieser Veröffentlichung trotzdem eher unwahrscheinlich. Meine musikalischen Präferenzen, Nubian Rose hin oder her, werden wohl auch weiterhin, wie gewohnt, im amerikanischen Süden verweilen...
Line-up:
Sofia Lilja (lead vocals, grand piano)
Christer Akerlund (lead guitar)
Torbjörn Weijnesjö, Thomas Lindgren (rhythm guitar)
Frederik Akerlund (keyboards)
Tomas Weijnesjö, David Algesten (drums)
Henric Urbom (bass)
Mats Leven (backing vocals)
Katarina Kammarkör (choir)
| Tracklist |
01:War
02:Time Again
03:Illuminated Within
04:The Eye
05:Tough Guys Don't Dance
06:Break Out
07:Higher
08:You Will Never Walk Alone
09:(Taking This) Further
10:All Of Your Love
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