On Parole / Classic Noise
Classic Noise
"Classic Noise" der schwedischen Band On Parole wird im Player deponiert, die Play-Taste gedrückt und ein weiterer Tee muss in der Küche aufgegossen werden. Just in dem Moment kommt meine Frau nach Hause und wir quaken eben noch kurz. Den Tee zur Hälfte getrunken begebe ich mich wieder zurück in meinen Bluesbunker und muss mit Erstaunen feststellen, dass die CD schon beim neunten Track angekommen ist. Beim Betätigen der Stopptaste lese ich mit Erstaunen die Gesamtspielzeit ab: 30:21!!! Soviel zum Audioteil. Der Multimedia Track bietet nochmals satte 2:25.
Nimmt man den ersten Song von On Parole beim Wort (welch ein Bandname) schmieren uns die Vier auch keinen Honig um den Bart. Ohrenstäbchen können beim Hören des Albums getrost in ihrer Box bleiben.
Für freie Gehörgänge sorgt die Musik des Quartetts. Empfehlenswert wäre allenfalls noch ein Mentholbonbon, um für freie Atemwege zu sorgen, weil On Parole atemberaubend ist.
Eine halbe Stunde, die nur so vor Intensität strotzt. Die Band spielt einen Höllensound und stellt ihre Instrumente auf eine harte Probe. Modig, seines Zeichens Sänger, verwandelt das Mikrofonkabel in eine Zündschnur.
Er weiß seine Stimme vielseitig einzusetzen. Wenn nötig als Shouter ("Hard Times") oder er zeigt sich z.B. in "Midnight In Your Eyes" von einer ganz anderen Seite. Christian und Zvonko ergänzen das Ganze mit schmissigen backing vocals.
Inspiriert von einer ganzen Phalanx von Bands hat es On Parole seit ihrer Gründung im Jahr 2004 geschafft, einen eigenständigen, kompakten Sound zu kreieren.
Mal ein bekanntes Riff hier oder eine entsprechende Hookline da, treffender kann ein Albumtitel nicht sein. Die Rolling Stones, Led Zeppelin, AC/DC oder die Sex Pistols sind gegenwärtig und selbst der Infotext zum Album passt: »Triple speed Chuck Berry riffs from hell!«
On Parole ersticken alle Ähnlichkeiten mit den oben aufgelisteten Bands aber im Keim. "Can U Dig It!" ist einfach ein Hinhörer.
"Heavy Machinery" hat einen Mitsing-Refrain. Mit "Barflies" und "Roller Blind Whiskey" kann man sich auf der Tanzfläche gute fünf Minuten austoben.
Christian liefert kurze, messerscharfe Soli. Viel Zeit bleibt bei der 'Länge' der Tracks ja auch nicht.
Da stellt sich die Frage, wie viele On Parole-Lieder man bei einem Konzert geboten bekommt oder wie lang ein Konzert ist. 40 Songs in zwei Stunden? 20 in einer Stunde?
Haben On Parole noch mehr Eigenmaterial im Köcher? Wenn ja: Warum sind nicht mehr auf "Classic Noise"?
Kompakte Songs, tolle Musik auf einem zu kurzen Erstling. Dennoch empfehlenswert.
Line-up:
Modig (vocals)
Christian (guitars, backing vocals)
Zvonko (bass, backing vocals)
Tobbe (drums)
Gäste:
Ulrik and Veronica (vocals - #12)
Fidde and Jocke (vocals - #7)


Spielzeit: 30:21, Medium: CD, Punk'n'Drunk Records, 2006, Rock
1:Butter Me Up! (2:17) 2 :Hard Time (1:56) 3:Midnight In Your Eyes (2:14) 4:Can U Dig It! (2:04) 5:Hard Rockin' Man (2:22) 6:Heavy Machinery (2:59) 7:Barflies (2:56) 8:Roller Blind Whiskey (2:11) 9:I'm Your Man (2:50) 10:Alone (2:59) 11:Drivin' (2:53) 12:Emergency (2:40) 13:Hard Rockin' Man (Multimedia Track) (2:25)
Joachim P. Brookes, 10.08.2006
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