The Ordeal waren mir völlig unbekannt, bis überraschenderweise ihre neue CD "Descent From Hell" in meinem Briefkasten lag. Doch da unsere Chefin so etwas nicht ohne Hintergedanken verschickt, gab ich den Hannoveranern mal eine Chance. Einen großen Backkatalog können sie bislang noch nicht aufweisen: So erschien vor acht Jahren mit "Kings Of Pain" (Mausoleum Records) lediglich ein Longplayer vor eben jenem Silberling. Ein Blick auf den beiliegenden Promozettel verrät ein paar interessante Fakten, bei denen Fans des deutschen Heavy Metal mit den Ohren schlackern dürften: Produziert wurde das Album von keinem Geringeren als
Michael Wagener (u.a.
Accept) in Nashville, Gitarrist
Kai Reuter war bereits in der Soloband von
Jutta Weinhold (ex-
Zed Yago) und
Viva aktiv,
Dirk Rogon bei
Zenith.
So far, so good... Doch wird man diesem ganzen Namedropping auch gerecht?
Zum Album, vertrieben über Dust On The Tracks, lässt sich allgemein sagen, dass es sich nicht wirklich um - wie von der Plattenfirma angepriesen - progressiv angehauchten Metal handelt. Allerdings befinden sich darauf ein paar wirklich gelungene Melodic Metal-Nummern mit leicht moderner Schlagseite, denen man als Genrefan durchaus eine Chance geben kann. Man merkt den fünf Musikern ihre jahrelange, handwerkliche Erfahrung ziemlich deutlich an. Zwar reißt mich kein Song komplett vom Hocker, doch grundlegend kann man auch nicht viel zum Meckern finden. Ich würde mal einfach von solidem, zeitgemäßen Heavy Metal sprechen, der wie hunderte andere Bands zuvor auch klingt.
Anfangs geht's mit "Descent From Hell" und "Black Rain" eher heavy zur Sache, bis mit "Dragon Tears" die erste Ballade folgt. Mit "Here Comes The Flood" hat die Band
Peter Gabriel gehuldigt. Der Rest der elf Stücke weicht nicht besonders weit vom typischen Melodic/Heavy Metal-Schema ab, ist aber zumindest jederzeit hörbar und verführt zumindest nicht dazu, den Datenträger in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Mit
Oliver Oppermann haben sie sich einen relativ guten Sänger mit kraftvoller Stimme ins Boot geholt, der hin und wieder Einflüsse vom Schlage
Tony Martin bzw.
Dio aufweist, jedoch zu keiner Zeit deren Klasse erreicht.
Sagen wir es letztendlich einfach mal so: Diese Platte tut keinem weh, wird aber auch nicht in meiner Jahres-Top-Ten auftauchen...