Pitchshifter / Deviant
Deviant Spielzeit: 45:02
Medium: CD
Label: Metal Mind Productions, 2008 (2002)
Stil: Industrial

Review vom 31.10.2008


Jens Groh
Als 'Pitchshifter' bezeichnet man einen Audioprozessor, um die Geschwindigkeit von Musik zu verändern. Damals an Schallplattenspielern war es ein mechanischer Hebel, heute wird das digital geregelt. Dieses 'Gerät' war also Namensgeber für die Briten.
Pitchshifter gründeten sich 1989 in Nottingham. Zu der Zeit hieß man allerdings noch Pitch Shifter und brachte unter diesem Namen drei LPs und eine EP heraus, bis man 1996 entschied, sich in Pitchshifter umzubenennen.
Der Namensänderung folgte auch ein Stil-Wechsel. Hatte man anfangs noch ziemlich derben Metal gezockt, dessen Haupteinflüsse noch im Death Metal zu finden waren, nur teilweise gespickt mit Industrial, folgte nach der Änderung der Schreibweise auch ein drastischer Umschwung zum puren Industrial versehen mit Trip Hop-Elementen und stellenweise sogar Techno, manchmal sogar etwas Nu-Metal.
Sänger J.S. Clayden meinte zur Namensänderung, die Band hätte keine Lust mehr, immer wieder das Gleiche zu machen, von daher wäre die Umbenennung absolut legitim.
Immerhin konnte man dann unterscheiden, um welche Phase der Band es sich gerade handelt.
Mancher Fan wird sich an der Offenheit der Band stören, zählen Drum'n Bass, Techno und diverse elektronische Spielereien ja nicht unbedingt zu den Hauptmusikrichtungen von - ich sag mal ganz grob - Rockfans.
Dennoch erschaffen Pitchshifter ein verdammt groovendes Monster aus all diesen Stilen.
Es bedarf allerdings einiger Zeit sich darauf einzulassen, und ist auch nicht unbedingt gegen Kopfschmerzen zu empfehlen. Oft doch sehr stressig und fordernd ist diese Mischung aus treibenden Beats und sägenden Gitarren, wilden Drumbeats, Samples und unberechenbaren Geschwindigkeitseruptionen.
Pitchshifter sind total innovativ und in ihrer Musik-Sparte ziemlich einzigartig. So wird zusätzlich zu den Liedtiteln sogar angegeben, mit welcher Geschwindigkeit (bpm) die einzelnen Songs laufen, das ist doch mal recht selten.
Mit "Deviant" liegt nun das zweite Album der zweiten Inkarnation Pitchshifters vor.
Schon dem Cover der Briten merkt man an, dass sie sich sehr der Politik widmen, und auch von dogmatischen Religionen nicht allzu viel halten. Und zum Thema Politik haben sie sich passenderweise Ausnahme-Querkopf, Präsidentenhasser und Politaktivist Jello Biafra (Dead Kennedys) mit ins Boot geholt. Dieser darf dann auch gleich mal seinen Kommentar in "As Seen On TV" zum typisch britischen Fernsehen abgeben. "Hidden Agenda" handelt davon, dass wahrscheinlich Außerirdische schon lange die Macht hinter den Politikern übernommen haben: Zu diesem Song befindet sich auch ein Videoclip auf der CD.
An dieser Stelle muss man Metal Mind mal lobend auf die Schulter klopfen, die ganze CD ist sehr schön aufgemacht, wie immer im Digipack mit einem Booklet, das alle Texte enthält und von einem kleinen Comic abgerundet wird.
Auf der CD selbst gibt es Screensaver, den oben genannten Videoclip und - das ist das Besondere - etliche Soundfiles, um sich seine eigene Pitchshifter-CD herstellen zu können!
Wer also nach etwas Besonderem sucht und nicht die Originalversion der CD von 2000 besitzt, zufällig auch noch Fan von Bands der Marke Ministry, Fear Factory und The Prodigy und Co. ist, für den sind Pitchshifter ein gefundenes Fressen.
Line-up:
Mark Clayden (bass)
J.S.Clayden (vocals)
Jason Bowld (drums)
Jim Davies (lead guitar)
Matt Grundy (rhythm guitar)
Tracklist
01:Condescension
02:Wafer Thin
03:Keep it Clean
04:Forget The Facts
05:Hidden Agenda
06:Scene This
07:Dead Battery
08:As Seen on TV
09:Everithing's Fucked
10:Chump Change
11:Stronger
12:P.S.I. Cological
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