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Ein Gallagher-Riff im Delta Stil bricht brachial aus meinen Lautsprechern. Gespielt auf einer Slide Gitarre. Ich setzt mich erst mal hin, staune und bin angenehm überrascht, denn ich muss gestehen, als die CD ins Haus flatterte, wusste ich nicht so recht, was mich erwartet.
Das Cover ließ auf Metal der ganz harten Art schließen, der Name kling nach "Yo Man", nach Kopfsockenmusik, nach Rap, nach Sachen also, die mir nichts bringen.
Aber "The Good The Bad And The Chubby" ist eine dieser Platten, die einem vor Augen führen, dass Schubladendenken ein sehr heikles Unterfangen ist, weil da ganz geile Scheiben an einem vorbeigehen könnten.
Trotzdem schnell zur Klassifizierung. Eingeordnet ist Ted Horowitz (so heißt er mit bürgerlichem Namen) unter Heavy-Blues. Er kommt aus New York und so ist es eigentlich klar, dass sich auch Rap und Funk in seinen Titeln finden. Aber Leute: So eingesetzt, dass es eine Bereicherung ist.
Ich habe Popa noch nicht live gesehen, aber die Bilder im Booklet lassen auf einen Giganten schließen, dazu Tattoos all over.
Und er sagt selbst, dass ihn der Blues wahrscheinlich gerettet hat. Gerettet vor einer ungewissen Zukunft in den Armenvierteln des Big Apple.
"Hätte ich nicht angefangen Musik zu machen, wäre ich wahrscheinlich schon tot - in irgendeinem Bandenkrieg oder bei einem Crackdeal kaltgemacht."
Dass er sein New York liebt, zeigt sich gleich im ersten Track "Somebody Let The Devil Out": Verabeitung der schrecklichen Ereignisse des 11. September 2001 in einem "Traumsong". Es ist ein Song, der unter die Haut geht, textlich, musikalisch, rhythmisch und auch melodisch.
Track zwei beginnt - und ich sehe schon wieder Rory vor mir. Uptempo-Slides fetzen zu einem von Kriss Jefferson und Steve Holley gelegten, sehr stabilen Fundament, welches anschliessend im nächsten Titel mehr als zurückgefahren wird. Nun erlebe ich Popa irgendwie an Hendrix erinnernd. Der Mann hat mehr Soul in der Stimme, als andere in zwei Leben. Eine sprechende Gitarre, begleitet von einer Hammond und einem Wurlitzer Piano. Popa wird ja als Gitarrenwunder bezeichnet. Es gibt nur einen Kommentar dazu: Yes indeed.
"I'll be there" beginnt mit dem Soprano Sax im Klezmer-Stil; die Gitarre beschränkt sich erst mal darauf, die Rhythmusarbeit zu übernehmen. Erst mal wohlgemerkt, denn gerade als ich das Zimmer verlassen wollte, um einen Kaffe zu holen, reißt sie mich zurück, denn sie explodiert urplötzlich und zwingt mich die Luftgitarre auszupacken.
Mit einem stampfenden Heavy Blues geht es weiter. Wohl dosiert Gitarre und Harmonica und der Bass bestimmt stampfend das Tempo. Was soll ich sagen? Die CD ist geil.
Bei "No Trouble No More" fällt mir zum ersten Mal das Scratching durch MC Pokechop! auf. Dachte erst, die CD hätte einen Fehler :-).
Aber es tut meinen Rock-Ohren nicht weh. Zumal die Gitarre für Abwechslung sorgt. Düstere Heavy Metal Riffs wechseln sich mit Rory ab, bevor es im nächsten Song klingt als hätte Robert Cray seinen Stil um einiges mehr dem Rock zugewandt. Geblieben ist aber der ihm anhaftende, relaxte Spielstil. Popa peppt diesen allerdings gewaltig auf. Mit Stimme, mit Riffs und die Hammond orgelt wieder schön im Hintergrund.
"Strange Way Of Saying I Love You" läuft und hier spielt Popa alle Instrumente selbst. Wie auch im nächsten Titel. Aber dort wird der Stil abrupt verändert. Es wird gerapt. Aber nicht so richtig typisch, denn die Gitarre sorgt schon dafür, dass auch ein Rocker den Raum nicht verlässt. Es klingt sogar richtig interessant, den etwas 'gehackten' Rap Rhythmus mit Rockriffs garniert zu hören. Je lauter, desto besser.
Blues-Rock pur dann wieder die nächsten beiden Songs. Sehr gekonnt der Spannungsaufbau via Gitarre bei "Dirty Lie".
Mit einem schönen Instrumental wird das Ende der CD eingeleitet. Finalist ist aber der Bonustrack "Play It From The Heart", eine Funknummer mit toller Gitarrenarbeit.
So wie es in den deutschen Landstrichen, in denen die Menschen Dirndl und Kniebundhosen, Hüte mit Tierhaaren und Federn tragen, nicht denkbar wäre, auf Musik wie Ländler im Haidauer Stil zu verzichten - so unmöglich ist es auch für einen New Yorker Allrounder, Funk und Rap gänzlich zu ignorieren.
Popa schafft den Balanceakt. Und zwar so, dass man auch als "Außenstehender" voll in den Bann gezogen wird. Zumal auf vorliegender CD Blues und Rock zu 95% das Genre bestimmen.
Laut "Shack Media" wird die, von "Fenn Music" vertriebene CD ab 29. April 2002 erhältlich sein.
Dran denken und beim Plattendealer Eures Vertrauens nachfragen. Denn es lohnt sich wirklich.
So, hab' ich was vergessen? Ja, eines noch: alle Songs sind von Popa selbst geschrieben und die Lyrics sind im Booklet zu finden.
Spielzeit: 66:40, Medium: CD, DixieFrog Records, 2002
1:Somebody Let The Devil Out, 2:If The Diesel Don't Get You Then The Jet Fuel Will, 3:I Can't See The Light Of Day, 4:I'll Be There For You, 5:Stress Will Kill You Every Time, 6:No Trouble No More, 7:Bad Connection, 8:Strange Way Of Saying I Love You, 9:P-O-P-A, 10:Already Stoned, 11: Dirty Lie, 12:Passion, 13:Play It From The Heart (Bonus Track)
Ulli Heiser, 31.03.2002
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