"The Tragedy Of Innocence" ist nach dem selbstbetitelten Debüt von 2003 das zweite Album der kalifornischen Band
Prymary. Support-Auftritte für Bands wie
Spock's Beard,
Fates Warning oder
Enchant stehen auf der Haben-Seite. Nun tritt der amerikanische Fünfer mit einem Konzeptalbum vor das anspruchsvolle Publikum. Während es ja Zeiten gab, zu denen Konzeptalben in allen Himmelsrichtungen verpönt waren, scheinen sie heute vor allem in der Prog Metal-Szene recht en vogue zu sein.
Doch die Tage versponnener Geschichten im New Yorker Untergrund oder großer Kämpfe hinter der Sonne sind vorüber. Modern und bodenständig präsentieren Prymary eine wahre Geschichte von Missbrauch und sozialer Kälte. Man betritt den "Dirty Room" und gelangt somit an den Anfang eines Lebens vor 25 Jahren. In 12 Stücken arbeitet man sich nun bis zu just diesem Moment durch das junge Leben mit all seinen Geschehnissen.
Düsterer Beginn, doch schon im zweiten Song wollen die Jungs allen zeigen, was sie auf ihren Instrumenten draufhaben. Die Bassdrum gibt alles, Gitarrenriffs furchen sich ihren Weg durch das Stück, nur Smiley Sean hält sich an seinen Tasten noch zurück. Doch schon im nächsten Stück, "Soul Deceiver", darf auch er sich mit einem ausgedehnten und durchaus interessanten Solo dem geneigten Zuhörer vorstellen. Dass man seine Lektionen im Bereich Dramaturgie gelernt hat, belegt man mit der Ballade "Miracle", mit der nun ein Gang zurückgeschaltet wird. Auch das nächste Stück, das kurze "Born Again", lässt es gemächlich angehen, um dann mit "Only Love" auch eher den melodischen Einflüssen Raum zu geben.
Mit "What Little Girls Are For" und "Running Away" zieht man dann noch mal alle Register, um seinen Helden nachzueifern. Wer daran Freude hat, wird sicherlich bei diesen beiden Stücken in die Hände klatschen. Doch sei auch die Frage gestattet, welche Berechtigung diese Produktion hat: Ist man auf der Suche nach Neuem, nach Weiterentwicklung, so ist man hier vielleicht doch enttäuscht. Wer jedoch auf der Suche nach Bewährtem ist, nach Musik, wie man sie als Anhänger von
Dream Theater,
King's X, etc. liebt darf sicher mehr als nur ein Ohr riskieren. Nur originell ist das alles eben nicht. Klar ist das handwerklich sehr solide, die Produktion ist aus dem 21. Jahrhundert und schlechtere Shouter durften sich auch schon auf Tonträgern verewigen. Doch wirklich aufhorchen wird man bei
Prymary nur dann müssen, wenn man keine Prog Metal-CD ungehört an sich vorbei ziehen lassen will.