Rod Picott / Hang Your Hopes On A Crooked Nail
Hang Your Hopes On A Crooked Nail Spielzeit: 39:10
Medium: CD
Label: Welding Rod Records, 2013
Stil: Singer/Songwriter, Americana

Review vom 07.11.2013


Wolfgang Giese
Rod Picott stammt aus New Hampshire und damit von der Ostküste der Vereinigten Staaten, verbrachte aber auch einige Zeit in Nashville/Tennessee. Nachdem er sich in verschiedenen Formationen als Sideman verdingt hatte, erschien sein Debütalbum im Jahre 2000. Seitdem sind die Folgealben in geordneter Regelmäßigkeit erschienen, zuletzt war es 2011.
Der Titel der Platte scheint eine Art Resignation zu signalisieren, wenn schon Hoffnungen an einem verbogenen Nagel aufgehängt werden sollen, wie lange werden sie dann dort hängen bleiben? Verweilten sie allerdings dort, würden sie auf ewig Hoffnungen bleiben - fielen sie herunter, platzten sie entweder oder würden aufgefangen und zur Realität, oder? Die Textzeile, die zum Plattentitel führte, findet sich im Titel "Dreams". Dieser Song ist für mich ein klarer Hit, die Instrumentierung ist hervorragend, der Song rockt leicht und geht sofort ins Blut. Ganz stark erinnert er mich an ähnlich melodische Songs von John Mellencamp.
Thematisch geht es um den Alltag und das, was uns alle angeht, was uns täglich im Leben widerfahren kann, aber keine großen Katastrophen, sondern eher die kleinen Unzulänglichkeiten, die uns so sehr quälen. Träume, die sich nicht erfüllen wollen, die einfach verpuffen, zerbrochene Beziehungen, Hoffnungslosigkeit, mit diesen Texten werden sich viele identifizieren können. Aber Botschaften laufen erst einmal über die Schiene Musik. Und die ist sicher nicht dergestalt, dass sie massenhaft Hörerscharen anziehen wird.
Auf der Basis von Folk, mit einem Schuss Country hier und da, ein bisschen Bruce Springsteen vielleicht, dazu seine Stimme, die Melancholie und melodramatische Momente gut verkaufen kann und wenn dann noch eine Mundharmonika dazu spielt und die Pedal Steel wimmert, dann kann einem schon ganz schön wehmütig ums Herz werden. Man lausche diesbezüglich bitte "I Might Be Broken Now".
Schleppender Rock à la Neil Young wird mit "Where No One Knows My Name" dargebracht und das Leben im Wohnwagen auf "Mobile Home" wird dann ganz ruhig und akustisch im Folk-Stil thematisiert. Abwechslung wird also geboten, doch mir gefällt eine ganz besondere Stimmung, die sich durch die Platte zieht und intensiv mit solchen Titeln wie "All The Broken Parts" aufgegriffen und ausgeführt wird. Das atmet ein wenig vom Folk Rock der Sechziger und Siebziger. Solche Titel wie dieser besitzen eine wunderschöne Melodienführung, strahlen ganz viel Gefühl und Seele aus und ich könnte mir bestens vorstellen, dass solche Songs einem meiner musikalischen Favoriten auf den Leib geschneidert wären - ich schreibe von Gene Clark!
Diese Musik ist trotz ihrer hohen Rate an Melancholie nicht entsprechend negativ belastet, sondern letztlich überwiegt die Schönheit der Gestaltung. Dabei ist nicht eines der Stücke effekthaschend, sondern diskrete Zurückhaltung bestimmt überwiegend die Stimmung. Raue und schöne Elemente gestalten so das Gesamtbild und die manchmal kratzige Stimme des Protagonisten quillt oft von zarter Leidenschaft über - "Nobody Knows" ist hierzu ein Paradebeispiel!
Line-up:
Rod Picott (vocals, acoustic guitars)
Dave Coleman (electric and slide guitars)
Mark Pisapia (drums, harmonies)
James Haggerty (acoustic and electric bass)
Joe Pisapia (electric guitar, pedal steel, piano)
Lex Price (tenor guitar, mandolin, ghost notes)
Jennie Okon (harmonies)
David Henry (strings, whale sounds)
RS Field (piano, percussion, vibes)
Tracklist
01:You're Not Missing Anything (3:46)
02:Bluebonnet (2:16)
03:Dreams (3:22)
04:65 Falcon (3:27)
05:I Might Be Broken Now (4:31)
06:Where No One Knows My Name (3:55)
07:Mobile Home (4:34)
08:Just A Memory (2:59)
09:All The Broken Parts (3:40)
10:Milkweed (3:54)
11:Nobody Knows (2:37)
(all songs written by Rod Picott,
except #1 by Picott/Sleaves, #6 by Picott/Worth/Cleaves,
#3 by Picott/Shires/Cleaves, #5 by Picott/Shires)
Externe Links: