Brian Robertson / Diamonds And Dirt
Diamonds And Dirt Spielzeit: 58:36
Medium: CD
Label: Steamhammer/SPV, 2011
Stil: Hard Rock

Review vom 02.05.2011


Jürgen B. Volkmar
Manche werden sich fragen, wieso kommt mir der Name so bekannt vor? Lang, lang ist's her. Genauer gesagt, 25 Jahre mussten vergehen, bis man von Brian Robertson endlich einmal wieder etwas durch den Klangwald schallen hört. "Diamonds And Dirt" ist der Name des silbernen Liedgutträgers, den der ehemalige Gitarrist von Motörhead und Thin Lizzy als das erste Solo-Album seiner Karriere zur Begrüßung vorlegt. Produktionstechnisch befindet sich die Scheibe auf der Höhe der Zeit und lässt den Zuhörer durch eine Landschaft aus Hard Rock und Blues wandeln.
Dass sich der Gitarrist 25 Jahre lang vornehm zurückgehalten hat, hört man den druckvollen Kompositionen keinesfalls an. Das ist schon eine der wesentlichen Stärken des Albums. Nach dem ersten Hördurchgang offenbart sich jedenfalls, dass die Nähe zu Thin Lizzy wesentlich größer ist als die zu Motörhead. Die Songs kommen insgesamt cool und relaxed rüber, sind jedoch von verschiedenen Komponisten. Das ist auch einer der Hauptgründe für die relativ große musikalische Vielfalt und auch für den garantierten Hörspaß, der sich nicht nur bei den Losgehrockern einstellt.
Mit Unterstützung einer ganzen Schweden-Garde wie Sänger Leif Sundin (MSG, Ex-25 Guns) und Treat-Basslinienzieher Nalley Pahlson sowie Europe-Fellgerber Ian Haughland ist aus dem Soloausflug eine ansehnliche Nummer geworden. Ganz klar im Stil von Thin Lizzy sind "It's Only Money" sowie "Blues Boy" und "Running Back". Frankie Miller, auch ein ehemaliger Mitstreiter und kein Unbekannter in der Szene, ist mit "Mail Box", "Do It Till We Drop" und dem Bonus-Track "Ain't Got No Money" mit von der Partie.
Trotz reichhaltigen Fremdmaterials greift Robertson wahrscheinlich gerade deshalb tief in die Stilvielfaltskiste. Mal etwas Funk mit Damengospelchor wie bei "Passion", das Ganze mit sattem Achtzigerlack eingefärbt, dann der Schritt in die Fast-Southern Rock-Ecke mit "Devil In My Soul", wobei er bei manchen Riffs durchschimmern lässt, in welcher Gitarrenklasse er zu Hause ist. Diejenigen, die annahmen, dass dieses Album vielleicht eine Fortsetzung seiner Wild Horses-Zeiten wäre, liegen damit teilweise daneben. Die Gitarrenarbeit ist solide, jedoch nie so spektakulär wie auf manchen seiner Frühwerke, gleichzeitig aber doch abwechslungsreich und knackig.
Der Titel des Albums erweist sich nach und nach als Programm. Mit Hammond-Unterstützung glänzt "Running Back", das auf angepasst hohem Niveau rockt und glücklicherweise dem Zeitgeist nicht hinterher heult. Absolut überzeugend sind Millers "10 Miles To Go On A 9 Mile Road" und "Ain't Got No Money" mit Riverdogs-Sänger Rob Lamothe geraten, die erfrischend genug sind, um diesem Werk den richtigen Nachhaltigkeitsfaktor zu verschaffen. Brian Robertson hat sich einen großen Gefallen getan, indem er seinen Namen wieder einmal auf die Liste der Neuerscheinungen setzte, bevor er endgültig in der Kiste der Vergessenheit begraben worden wäre.
Auf diesem Album, das in der Gesamtbetrachtung als Reflektion und vielleicht auch als Vergangenheitsbewältigung eines ehemaligen Gitarrenhelden zu sehen ist und nach mehrmaligem Anhören teilweise etwas bieder und vorhersehbar wirkt, sind jedoch einige Gitarrenkunststücke enthalten, die den Nostalgiker ins Schwärmen geraten lassen und die Daseinsberechtigung dieser Scheibe auf jeden Fall bestätigen. Fazit: Es ist wirklich erfreulich, wieder einmal etwas von einem Beinahe-Verschollenen zu hören. Und das allein ist schon ein Kompliment an diese Veröffentlichung. 8 von 10 RockTimes-Uhren
Line-up:
Nalley Påhlsson (bass)
Rob Lamothe, Leif Sundin (vocals)
Brian Robertson (guitar and vocals)
Ian Haughland (drums)
Tracklist
01:Diamonds And Dirt
02:Passion
03:It's Only Money
04:Mail Box
05:Running Back
06:Texas Wind
07:Devil In My Soul
08:Do It Till We Drop
09:Blues Boy
10:That's All!
11:10 Miles To Go On A 9 Mile Road
12:Running Back (slow version)
13:Ain't Got No Money
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