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Das Trio ist im Jazz an sich nichts Ungewöhnliches. Doch schaue ich bei diesem Album auf die Besetzungsliste, staune ich angesichts dessen, wie dieses Format ausgefüllt ist: Voice/Human Beats, Trumpet/Fluegelhorn, Guitar, ein ganz anderer Weg. So lasse ich mich mit der Option überraschen, etwas ganz anderes geboten zu bekommen. Und wieder einmal ist die Schweiz im Spiel, allerdings im Verbund mit Österreich. Das schweiz-österreichische Trio Rom - Schaerer - Eberle besteht seit 2009 und legt nun mit "Please Don't Feed The Models" eine aktuelle CD vor.
Die drei Musiker haben etwas geschaffen, das sich mit Sicherheit aus der Menge abhebt. So scheinen unterschiedliche Einflüsse Einzug genommen zu haben. Gleich im ersten Titel sind es hörbare afrikanische Klangmuster, die sich im Gesang und der rhythmisch gespielten Gitarre widerspiegeln. Dazu das Bläserarrangement und die teilweise fauchende oder hauchende Stimme, das gibt weitere Impressionen.
"Diplomat" besitzt einen feinen Groove, die Gitarre spielt eine entscheidende Rolle und der Trompeter trägt mit rauem Klang kurze Episoden vor. Dazu 'mundtrommelt' Schaerer munter los.
Bei "No Regrets" bestimmt das ruhige Geschehen einer Jazzballade den Ablauf, bis dann auch hier der wortlose Gesang eine andere Nuance mit hineinträgt - vielleicht ein wenig von Bobby McFerrin.
Man sollte das Ungewöhnliche mögen, also heißt es, sich weit öffnen, von gewohnten Strukturen verabschieden und das fast Unmögliche möglich werden lassen. Rhythmisch ist die Musik trotz des Fehlens jeglichen Perkussions- und Schlagwerks. Nicht nur rhythmisch ist die menschliche Beatbox aktiv, sondern bietet auch jede Menge Geräuschkulisse. Man lausche in diesem Zusammenhang nur einmal dem Song "Knock Code III", einem der skurrilsten des Albums.
Auf "Khululeka" erreicht uns durch den Gesang eine schon fast brasilianische Atmosphäre, aber dieses anfängliche Element macht dann wieder Platz für frei fließende Ideen. Und auch hier spielt der Gitarrist seine wichtige Rolle als Gestalter und Rhythmusgeber aus - etwas wird auf jeden Fall ausgedrückt: Spaß und Spielwitz.
"Please Don't Feed The Models" ist weit entfernt von nüchtern-sachlichen Jazzklängen, und ist trotz aller Freiheit kein Free Jazz. Diese Musik ist eher der Rubrik 'freie Gestaltung' zuzuordnen. Wir hören Klänge abseits bekannter Pfade, die stets mit Überraschungen aufwarten können, so zum Beispiel die hart verzerrte Gitarre anfangs von "Rimze Khala Rimze" - eine wahrlich wilde Mischung durch die Stile und durch Stimmungen. Mein Lob geht auch an den Blechbläser Eberle, der ein ums andere Mal durch seine Virtuosität angenehm auffällt.
Das ist nicht einfach zu konsumierende Musik, jedoch hochwertig und mit Anspruch, für anspruchsvolle Zuhörer und ich meine richtige ZUhörer! Ob sich dieses Konzept auf Dauer halten kann, steht in den Sternen. Viele Karten werden bereits ausgespielt und ich bin gespannt, ob die drei Musiker noch einige Trümpfe in der Hinterhand halten.
Line-up:
Peter Rom (guitars)
Andreas Schaerer (vocals, human beats)
Martin Eberle (trumpet, fluegelhorn)
| Tracklist |
01:Mukuba Express [Rom] (6:23)
02:Diplomat [Rom] (4:51)
03:No Regrets [Rom] (5:17)
04:Knock Code III [Schaerer] (3:07)
05:Khululeka [Rom] (6:19)
06:Please Don't Feed The Model [Rom, Schaerer, Eberle] (2:58)
07:Rimze Khala Rimze [Schaerer] (4:50)
08:Last Man Standing [Rom] (4:00)
09:Pimp My Slide [Rom] (2:30)
10:The End Is Near [Rom] (2:29)
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