Ruffians / Desert Of Tears
Desert Of Tears Spielzeit: 45:58
Medium: CD
Label: Metal Heaven, 2006
Stil: Heavy Metal


Review vom 19.10.2006


Stefan Gebauer
Die in der Bay Area von San Francisco gegründeten Ruffians gehörten Mitte der achtziger Jahre ohne Zweifel zu den talentiertesten und beliebtesten Bands des US Metal Undergrounds, und ihre selbst betitelte EP aus dem Jahr 1985 zählt noch heute zu den besten Veröffentlichungen dieser Zeit. Obwohl die Musiker aus der damaligen Thrash Metal-Hochburg stammten, gingen sie im Gegensatz zu den anderen Formationen dieser Gegend weniger hart und schnell zu Werke, sondern setzten mehr auf eingängige Melodien und griffige Hooklines. Die sechs Songs der EP verfügten allesamt über großes kommerzielles Potential und waren auch durchaus radiotauglich, aber leider wurden die Ruffians, wie hunderte ihrer Weggefährten ebenfalls, von den großen Plattenfirmen ignoriert, die stattdessen lieber durchgestylten und völlig talentfreien Haarspray Bands die Millionenverträge in den Rachen warfen. 1987 löste sich das Quartett kurz nach dem Abgang ihres Sängers, dem leider mittlerweile verstorbenen späteren Vicious Rumors Frontmann Carl Albert, frustriert auf.
Vor einigen Jahren reformierte sich die legendäre Truppe wieder und spielte mit dem Carl Albert Nachfolger Rich Wilde (der seinen übermächtigen Vorgänger sowohl live als auch auf der neuen CD sehr respektabel ersetzt) am Mikro, auch einige umjubelte Shows in Deutschland, wo sie noch immer ihre treuesten Anhänger hat. Zunächst nahm ich an, dass es nur bei den wenigen Auftritten bleiben würde, aber nun ist so weit: ich halte endlich das erste komplette Album der Ruffians in den Händen. Und ich muss sagen, dass ich maßlos begeistert bin.
Schon nach den ersten Tönen des Openers "I Believe" fühlt man sich sofort zwanzig Jahre zurückversetzt. Ich vermute, dass der Großteil des Songmaterials noch in den Achtzigern entstanden ist, zumindest ist mir das Titelstück "Desert Of Tears" von einer alten Live-Aufnahme mit Carl Albert bekannt. Ruffians spielen noch immer unverfälschten, gradlinigen Heavy Metal der alten Schule. Das kraftvolle Riffing und die teilweise hymnenartigen Refrains wecken ein ums andere Mal Erinnerungen an so kultige Acts wie Warrior und Malice. Moderne Einflüsse? Zum Glück Fehlanzeige. Von den heutigen musikalischen Trends haben die fünf Kalifornier scheinbar noch nichts mitbekommen.
Und das ist auch gut so. Ob nun groovige Rocker wie "I Believe", oder "Running Blind", Uptempo-Songs wie "Darkest Of Light" und "Live By The Sword" oder das sehr atmosphärische "Day Of The Champion", alle Titel versprühen zu jeder Sekunde den Geist der Achtziger. So wie "Desert Of Tears" sollte melodischer, traditioneller Heavy Metal klingen. Viele europäische Kapellen können von Bands wie den Ruffians noch immer eine Menge lernen, vor allem, wie man eingängige Songs komponiert, ohne auf poppige Melodien und alberne Kinderlied-Refrains zurückzugreifen.
Für US Metal-Fans, die die legendäre EP besitzen, ist dieses Album sowieso ein absoluter Pflichtkauf, und anspruchsvolle Metaller, die noch nie von den Ruffians gehört haben, sollten in jedem Fall mal ein Ohr riskieren. Für mich eine DER Überraschungen des Jahres.
Line-up:
Rich Wilde (vocals)
Craig Behrhorst (guitars)
Chris Atchison (guitars)
Tommy Sisco (bass)
Luke Bowman (drums)
Tracklist
01:I Believe
02:Running Blind
03:Day Of The Champion
04:Desert Of Tears
05:I Will Fly
06:Darkest Of Light
07:It Ain't Over
08:Live By The Sword
09:Soldier's Fate
10:Chosen One
11:Freedom
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