Mann, was war die Freude groß, anno 1998, als "Happy Blue" angekündigt wurde.
Billy Sqier hatte ich schon immer klasse gefunden. Er war irgendwie bryanadamsiger als Bryan Adams. Er war sogar springsteeniger als der "Boss" himself. Mr. Squier stand für kernige Rockmusik mit dem gewissen Holzfäller-Charme. Welcher Queen-Fanatiker kannte ihn nicht? Wenigstens dem Namen nach, wegen der legendären Tourneen vom Lockenköpfchen mit den Königinnen? Welcher Nachtschwärmer hatte nicht schon bei Billy's Evergreen "The Stroke" in der Rockdisco alles gegeben?
Selbst der CD-Spieler konnte es kaum erwarten, "Happy Blue" endlich in den Schacht zu bekommen. Was machte es schon, wenn ein paar ahnungslose Reviewisten von einem "Akustik-Bluesalbum" schrieben? Was wussten die denn?
Tja, um ehrlich zu sein, wussten die wohl eine ganze Menge. Nichts ist es mit knackigen Riffs. Der erwartete Holzfäller-Charme weicht einem belanglosem Nichts. In Wahrheit ist das noch nicht einmal Blues, was Billy Squier da auf CD elendet.
Billy quält uns durch 11 Songs mit über 56 Minuten Spielzeit - nur mit seiner Stimme und seiner Akustikgitarre. Ein "The Stroke"-Feeling ist soweit entfernt wie Alpha Centauri (also, ungefähr 4,3 Lichtjahre). Hätte auch Wega schreiben können, mit 27 Lichtjahren, aber bei Squier ist die neue Mucke immer noch nicht so schlimm wie bei Westernhagen.)
"Happy Blue" hat bei mir wirklich eine Chance gehabt. Verdammt, genau genommen seit 1998 immer wieder, zumindest wenn Experimentierstimmung anstand. Aber nee, dieses Ding zündet nicht. Die Scheibe ist eine große Leere, eine atemberaubende Langeweile. So ein Zeug hört man sich lieber von den Jungs und Mädels an, die wirklich was davon verstehen. Billy Boy wandelt auf Pfaden, die ihn niemals zu seinem Ziel kommen lassen. Dafür hat er die Songs alle selbst geschrieben. Bis auf "River", geschrieben von Joni Mitchell. Ob die jetzt noch mit ihm spricht?
Gut, wenigstens das Cover ist ganz nett und die Texte gut lesbar. Selbst der Sound ist ganz gut, auch wenn alles fehlt, was normalerweise den Sound eigentlich ausmacht. Aber Anspieltipps gibt es diesmal keine, außer vielleicht, die Scheibe verkehrt herum in den Player zu legen.
Billy, stöpsel dich wieder ein, hole dir ein paar gute Rockers ins Studio und lass die Keulen kreisen. Dann brauchen wir das nächste mal hoffentlich nicht wieder zu schreiben:
Diese CD ist ZEITVERSCHWENDUNG!
Spielzeit: 56:37, Medium: CD, J-Bird Records, 1998
1:Happy Blues 2:The Pursuit Of Happiness 3:She Will 4:Grasping For Oblivion 5:If You Would Hate Me Less 6:I'd Love You More 7:Stroke Me Blues 8:More Than Words Can Say 9:Inferno 10:Long Way to Fall 10:River 11:Two
Olli "Wahn" Wirtz , 17.11.2004
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