Håkon Storm / Fosfor
Fosfor Spielzeit: 48:41
Medium: CD
Label: NorCD, 2014
Stil: Jazz

Review vom 10.04.2014


Wolfgang Giese
Mit "Fosfor" liegt das sechste Album des Gitarristen Håkon Storm unter seinem Namen vor. Zuletzt erschien im Jahre 2012 mit Zinober ein reines Soloalbum.
Diese Platte wurde live im Rainbow Studio in Oslo von dem für viele Produktionen aus dem Hause ECM bekannten Jan Erik Kongshaug aufgenommen. Dies bürgt natürlich für höchste Klangqualität und für das Übrige musste nun nur noch Storm mit seiner Spielkunst beitragen.
Und diese stellt der Norweger sogleich mit dem Eröffnungssong unter Beweis. Mit den Gitarren - hier einer 1968er Martin D-18 und einer Gibson ES335 - erzeugt er zusätzliche Klänge, die wie Perkussion und eine Windharfe klingen - ein Instrument, das allein durch den Wind diesen besonderen Sound erzeugt. "Hu Hei", was mag das bedeuten? Ja, so wie die Bedeutung dieses Wortes mystisch ist, so finden wir eine solche Atmosphäre immer wieder zwischendurch. Sie wechselt sich mit ganz zarten, lyrischen und romantischen Momenten ab, wie zum Beispiel gleich auf "Klorofyll", ein herrlich entspannendes Lied zum Fallenlassen und Genießen.
Es ist gut zu wissen (und hier zu hören), dass es abseits effekthaschender Höchstleistungsmusik, möglichst mit viel Lautstärke verbunden, noch solche Klangfolgen gibt, die für mich aufgrund ihrer Struktur und Aussage allein allerdings auch eine Höchstleistung darstellen. Jazz, Folk, Ambient und ein wenig Klassik - alles trifft hier aufeinander und allein durch die Benutzung der verschiedenen Gitarren schafft Storm viele unterschiedliche Stimmungen und Abwechslung. Etwas, das nicht unbedingt selbstverständlich für eine Soloplatte ist...
Einige Titel heben sich darüber hinaus noch ganz besonders ab: "Barbeint", das erneut an Ralph Towner erinnert, "Willie Pete" mit einem dicken Fingerzeig Richtung Leo Kottke und wilden Klangfolgen, die Storm noch mit kleinen experimentellen Spielereien spickt, und die sehr jazzige Atmosphäre bei "Tölt/Ross". Fast schon experimentell, in Richtung des sehr frei spielenden Derek Bailey tendierend, aber eben nur ansatzweise, treibt "Atom 15". Das Gleiche gilt für den Beginn des Titelsongs, auf dem die Saiten anfänglich ein wenig 'gequält' werden, was wiederum für den Song "Skrømt" fast durchgehend zum Einsatz kommt, mit seinen knarrenden, schnarrenden und scheppernden Klängen. Dafür verabschiedet uns Storm ganz konventionell und traditionell mit einem 1952 geschriebenen Titel, der von Frank Sinatra im Jahre 1953 interpretiert wurde und später öfter in guten Repertoires zu finden war. Nun ist er auch auf dieser Platte gelandet und man kann gut nachvollziehen, wie ein solcher Standardtitel anders interpretiert werden kann.
Ja, das ist Musik auf ganz hohem Niveau, die davon lebt, Assoziationen beim Hörer zu schaffen, Basis dafür bietet, individuelle Bilder zu schaffen. Von Jan Erik Kongshaug zu Manfred Eicher (ECM) ist es nicht weit. Wann wohl der Vertrag unterschrieben wird?
Für Interessierte nachfolgend auch hier die Auflistung der verwendeten Instrumente:
1968 Martin D-18 (#1,7,9,10), Guild F-412, 12 string (#4,5,10), Ramirez 2cwe nylon (#3,8,11), Taylor GT-8 , baritone (#2), Gibson ES335 (#1,6).
Line-up:
Håkon Storm (acoustic & electric guitars)
Tracklist
01:Hu Hei (4:02)
02:Klorofyll (3:19)
03:Ambleside (4:09)
04:Barbeint (1:57)
05:Willie Pete (3:47)
06:Tölt / Ross (6:42)
07:Questar (6:40)
08:Atom 15 (3:16)
09:Fosfor (5:16)
10:Skrømt (3:31)
11:My One And Only Love (6:00)
(all songs composed by Storm,
except #1 (Norwegian traditional), #3 (John Taylor), #7 (Keith Jarrett), #11 (Wood/Mellin)
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