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Jeff Scheetz Band, hierzulande immer noch als Geheimtipp gehandelt, sind in den USA schon lange keine Unbekannten mehr. Mit zwischenzeitlich acht Alben, davon sind fünf Instrumental, hat der profilierte Namensgeber auch ein Gitarrenlehrbuch, sowie eine Lehr-CD einschließlich zwei Live-DVDs veröffentlicht.
Dass er zu den renommiertesten Gitarrenlehrern gehört, kann man auch an den Veröffentlichungen in den führenden Gitarrenfachmagazinen wie Guitar, Guitar Player, Guitar School und Guitar World sehen. Tourneen in den USA, Europa und Mexiko runden das Bild des hart arbeitenden Gitarrenzauberers ab.
Mit dem neuen Album "Behind The Mask" begibt sich Jeff Scheetz in den Bereich der Funk-Blueser.
Man fühlt sich unweigerlich an Namen wie Eric Gales, Anthony Gomez, Scarlet Runner oder auch Stevie Salas erinnert. "Welcome Home", der Opener, lässt Assoziationen an die Doobie Brothers aufkommen, Retro Funk-Einflüsse in Hülle und Fülle. Die Saiten vibrieren und die von Matt Waddill aufgebauten Bassstrukturen offenbaren eine eigene Erlebniswelt, wobei der Dicksaiter mit souliger Stimme die Lyrics in den Funk-Sternenhimmel entlässt. Beinahe Jam-Sessionartig formieren sich die Töne. Eine Prise Allman Brothers, sehr verhalten in der dominanten Gitarre des Funkmeisters versteckt, zeigt manchmal den Southern Spirit, der wie eine Wolke allgegenwärtig über den Tönen schwebt.
Blueselemente, die elegant mit Funk im 70er-Design und unmissverständlicher Soulsymbolik verbunden sind, offenbaren einen Gitarrenvirtuosen, der eindeutig die Prioritäten in Wohlklang und Stilverbundenheit findet.
Der Titelsong "Behind The Mask" zeigt eine psychedelische Jimi Hendrix-Adaption. Wah Wah-Töne offenbaren beinahe zeitlupenhaft, wie ein anfangs gesichtsloser Track Gestalt annimmt. Die Vergangenheit lebt. Töne in bester Retro-Tradition grooven mit der öligen Stimme des Shooters um die Wette. Isaac Hayes auf dem Highway zu Shaft, die Erinnerungen an diesen Soulklassiker überschlagen sich. Ein grandioser Track, wie geschaffen für Hollywood, falls mal wieder Mafiafilme mit Großstadtambiente gedreht werden.
Blues mit Southernflair, in Moll gehaltene Klangprotokolle geben "Killin' Time" eine fast ausweglose Atmosphäre. Rock mit einem genialen Bluestouch schenkt dieser Halbballade ein unwiderstehliches Ambiente. Sehnsuchtsvoll markiert die Gitarre bei "Like You Are Alive" die musikalische Zerrissenheit, im Rückblick auf längst vergangene Zeiten mit der tonalen Konfrontation der Jetztzeit. Bemerkenswerte Gitarrenperformance, die auch bei "Be My Friend" und "Letter To Myself" ihren Eindruck hinterlässt. Druckvoll hämmern die Drums und peitschende Grooves liefern Volldampf-Funk bis an die Schmerzgrenze. Die Band zeigt sich entspannt und souverän bis in den letzten Ton. Selbst simple Sing along-Stücke wie "I'm Just Me" werden im Direktvergleich mit Rhythmushämmern wie "Crazy Horse" nicht langweilig. Simultan agieren die Musiker auf der höchsten Ebene und fügen jeden Track nahtlos in eine konzertante Wellnesszone ein. Jeder Ton sitzt und die Gitarre macht pausenlos Überstunden, ohne jedoch in den Verdacht zu geraten, in sinnlose Frickelei zu entgleisen.
Die stetige Herausforderung erzeugt anscheinend das richtige Timing. Punktgenau sitzen die Töne wie bei dem kraftvollen "Hallelujah", furios und unwiderstehlich interpretiert: Hooklines, die für einen Ohrwurm geboren wurden und die richtige Sensibilität für Riffs, die im Gedächtnis haften bleiben. Die Coverballade "Don't Let The Sun Go Down On Me", bereits von Elton John und George Michael durch den Schmalzwolf gedreht, erfährt mit jedem Ton eine Vitalisierung durch die Rückbesinnung auf eine reinrassige Abgehballade und verteilt dadurch massive Dosen an purem
Retrogenuss.
Ein Album, das nicht einmal minimalste Schönheitsfehler aufweist und eine makellose Produktion bietet, ist nicht gerade der Standard auf dem Neuheitenmarkt. Die Jeff Scheetz Band setzt mit ihren Eigenkreationen in der Bluesrock-Funkwelt neue Standards. Kompositorischer Einfallsreichtum mit einem hohen Eigenanteil an stilistischen Gimmicks verleihen diesem Release einen hoffentlich hohen Zuhöreranteil.
8 von 10 RockTimes-Uhren
Line-up:
Jeff Scheetz (guitars)
Matt Waddill (bass, vocals)
Kent Burnham (drums, percussion)
| Tracklist |
01:Welcome Home
02:Behind The Mask
03:Spiny Norman
04:Killin' Time
05:Like You Are Alive
06:Be My Friend
07:Letter To Myself
08:I'm Just Me
09:Crazy Horse
10:Trippin'
11:B. Marie
12:Hallelujah
13:Don't Let The Sun Go Down On Me
14:The World
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