Julian Sas / Der flinke Holländer
Nach dem Review der neuen Scheibe und Konzertbesuchen der Tour, wollten wir mit dem flinken Holländer natürlich unbedingt auch mal ein Schwätzchen halten. Danke Julian, dass du dir die Zeit genommen hast. Ein Thanks auch an Sebastian von 'CMM', der uns dieses Interview ermöglicht hat.
RockTimes: Wann hast Du angefangen Gitarre zu spielen und was hat Dich dazu inspiriert, damit anzufangen?
Julian Sas: Ich begann mit elf oder zwölf Jahren Gitarre zu spielen. Inspiriert hatte mich damals der Film 'Woodstock', auf dem ich Jimi Hendrix das erste Mal spielen sah. Aber auch Ten Years After und Santana trafen bei mir ins Schwarze.
RockTimes: Wie bist Du ausgerechnet auf den Blues/Bluesrock gekommen, einer Musikrichtung, der sich die Leute Deines Alters eigentlich nicht mehr so oft verschreiben?
Julian Sas: Ich denke, dass mich solche Bands wie AC/DC, Status Quo und eben der Film 'Woodstock' in dieser Hinsicht beeinflusst haben. Ich meine, all diese Typen konnten wirklich spielen. Die Bands, die es während meiner Jugendzeit im Fernsehen zu sehen gab hatten nicht diese Magie, so ist es wohl gewesen. Und das ist der Grund, warum ich Bluesrock spiele. Ja, ich denke, so war das wohl.
RockTimes: Uns ist aufgefallen, dass Du bei Deinen Liveauftritten oft sehr spontan bist. Ist Euer Programm fest durcharrangiert - und wie verständigt Ihr Euch untereinander auf der Bühne? Wie schafft Ihr es dennoch, alle zusammen so punktgenau in die Breaks hineinzugehen?
Julian Sas: Spontaneität ist das Wichtigste überhaupt, wenn man live spielt - und das ist auch der Grund dafür, dass wir keine Setlist haben, die wir jeden Abend runterspielen. Die Songs wechseln quasi "über Nacht", wenn wir "On The Road" sind. Jeder von uns kennt die Stücke, denn wir haben sie alle selber geschrieben. Und wenn dann ein Break kommt, schauen wir uns zwar gegenseitig an - aber eigentlich spielen wir das schon aus unserem Gefühl heraus.
RockTimes: Es ist kein Geheimnis, wer Deine musikalischen Vorbilder sind. Hast Du Rory Gallagher persönlich kennengelernt - und wenn ja, wie war das für Dich?
Julian Sas: Nein, ich habe Rory nie persönlich kennengelernt. Aber ich habe drei Mal mit seiner Band zusammen auf Festivals und Tributes gespielt.
RockTimes:Wie betrachtest Du die holländische und deutsche Bluesszene allgemein und auch hinsichtlich der Auftrittsmöglichkeiten und des Publikums - gibt es da große Unterschiede?
Julian Sas: Die Deutschen sind bessere Zuhörer, wenn es um die Musik an sich geht. Aber ich glaube, Holland hat die besseren Locations. So gibt es dort eine Menge Stages, die man z.B. mit der Harmonie in Bonn vergleichen kann. In Deutschland habe ich Vergleichbares nicht so oft gesehen. Aber überall, wo ich spiele ist es dasselbe: die Leute sind hungrig auf die Musik. Gott sei Dank ist das so!
RockTimes: Glaubt man den hiesigen Musikzeitschriften, dann scheint Holland eine regelrechte "Bluesmusik - Hochburg" zu sein. Worin könnte das begründet sein?
Julian Sas: Ich glaube nicht dass das so stimmt. Was ich weiß ist, dass wir eine Menge Bands haben, die eine große History mitbringen und auf die wir stolz sein können, so wie zum Beispiel Cuby And The Blizzards.
RockTimes: War es eine große Umstellung für Dich (als so dominanter Gitarrist), einen Keyboarder mit in die Band zu nehmen und ihm die nötigen Freiräume in der Musik einzuräumen - bei den Aufnahmen des neuen Albums und auch auf der Bühne?
Julian Sas: Tatsächlich war es keine große Umstellung für mich, schon alleine aufgrund der Tatsache, dass ich es vom ersten Moment an sehr mochte, mit Pieter zusammen zu spielen. Musikalisch bedeutete es mehr Tiefe und Fülle. Und auch war soviel Respekt voreinander da, dass wir in der Lage waren, die Parts gut zu verteilen. Letztendlich wurde die Musik dadurch interessanter - und damit meine ich auch meine Sologitarre. Sie wurde "stärker" im Vergleich zu vorher. Das Soundgefüge bringt für mich als Gitarrist mehr Freiheit.
RockTimes: Bist Du zufrieden mit dem mittlerweile angelaufenen Verkauf Deines neuen Albums?
Julian Sas: Ja, damit bin ich sehr glücklich. Es beweist mir, dass es ein starkes Album ist.
RockTimes: Du hast innerhalb weniger Jahre eine ganze Menge an Alben herausgebracht - wie schaffst Du es, an soviel neues Songmaterial heranzukommen? Sind das spontane Einfälle die später herausgefeilt werden?
Julian Sas: Ich schreibe eigentlich dauernd, In meinem Kopf ist immer Musik und auch die Lyrics dazu kommen mir gleich in den Sinn. Und wenn dann das Feeling stimmt, passt alles und ich will ein neues Album machen.
RockTimes: Wie kam es zustande, den im Gegensatz zu Dir und den anderen Mitgliedern doch um Einiges älteren (und wirklich absolut exzellenten "Boogie - Machine - Man") Pieter van Bogaert in die Band zu holen?
Julian Sas: Ich betrachte die Leute nach dem, was und wie sie spielen können und nicht nach ihrem Alter oder Aussehen. Das hier ist keine hübsche Boygroup, sondern eine Rockband ha, ha, ha. Du weißt doch: Hässliche Menschen regieren die Welt!
RockTimes: Was ist das für eine Gitarre, die Du da hauptsächlich spielst (die Stratocaster mit der umgedrehten Kopfplatte) - und wie bekommst Du diesen tollen und fetzigen Gitarrensound hin? Welche Effektgeräte helfen Dir dabei?
Julian Sas: Das ist eine 'Patrick Koopman' - Gitarre. Der Mann, der die Gitarren baut ist ein Freund von mir. Das ist meine Lieblingsgitarre und sie hat einen majestätischem Sound. Die Verstärker, die ich auf der Bühne benutze, sind zwei Marshall JCM 900 - Tops, in Verbindung mit zwei 1960 TV Boxen, mit Celestion - Speakern. Außerdem benutze ich noch einen Ibanez TS 9 Tubescreamer, ein Wah-Wah der Marke Vox sowie einen MXR Phase 90 - das ist alles. Den Rest erledigen meine Finger und Imagination.
RockTimes: Ihr habt kürzlich eine neue DVD eingespielt, auf die man schon sehr gespannt sein darf. Gibt es bereits einen Veröffentlichungstermin?
Julian Sas: Möglicherweise im November. Da ist noch nichts in "trockenen Tüchern".
RockTimes:Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus? Sind neue Projekte im Visier - und planst Du, bald einmal bei Euren Tourneen den Sprung über die EU-Grenzen hinaus zu wagen?
Julian Sas: Wir spielen sehr viel. Unser Album ist mittlerweile in den USA und wir werden sehen, wie die Resonanz darauf ist. Wenn wir das Gefühl haben, wir sollten dort touren, dann werden wir es tun.
RockTimes: Wenn Du die Wahl hättest - mit wem würdest Du gerne mal auf der Bühne stehen?
Julian Sas: Mit einem meiner Heroes - Gallagher, Hendrix oder Muddy Waters. Aber die sind leider alle schon gegangen und so bleiben nicht mehr Viele übrig. Wenn ich unter den lebenden Gitarristen auswählen sollte, dann würde ich mich für Dicky Betts, Buddy Guy oder Carlos Santana entscheiden.
Wir bedanken uns sehr herzlich für dieses Interview und wünschen Dir und Deiner Band für die Zukunft weiterhin viel Erfolg!
Interview mit Julian Sas
Peter Rodenbüsch, 25.02.2005