Vom Musiker Klaus Schulze sind bereits einige CDs vorgestellt worden. Lisa Gerrard, eine Hälfte des Duos Dead Can Dance, hat bei RockTimes noch nicht Einzug gehalten. Zur Rezension dieser Veröffentlichung, die im CD- und DVD-Format erschien, liegt mir die DVD-Version vor.
Nett wird das niederländische Publikum vom Musiker begrüßt und er wünscht sich und den Zuhörern einen schönen Abend. Schulze, dessen Laufbahn im analogen Zeitalter begann, hat es vermocht, die besondere Ausstrahlung seiner Kompositionen und deren Umsetzung auch im digitalen Zeitalter entsprechend beizubehalten. So klingen altmodische und moderne Elemente gekonnt und mühelos nebeneinander. Es scheint immer noch, als würde er ein Grundkonzept im Kopf haben, und darüber hinaus entwickelten sich spontan Ideen - Ideen, die kommen und gehen und sich stets wieder auf das Grundlegende stützen können. So ist es noch heute so, dass des Künstlers Musik oft unvorhersehbar erscheint. Dennoch werden Kritiker behaupten, sicher teilweise auch zu Recht, dass sich vieles ähnelt. Dieses in Amsterdam aufgenommene Konzert war seinerzeit das dritte im Rahmen der Tournee.
Die Musik wirkt wieder weitestgehend recht sakral und geheimnisvoll. Erst nach etwa zehn Minuten wird sie lebhafter, nachdem man nachvollziehen konnte, wie Schulze an etlichen Reglern drehte. Dabei ist es schließlich auch schon das zweite Stück, "Mad Ret Sma" mit seinen fauchenden Geräuschen, das nun, sich als Schleife einbringend, für rhythmische Bewegung sorgt. "Prinsengracht 263" - Stimme und Keyboard verschmelzen zu einem Sound und angesichts technischer Möglichkeiten wäre es ein Leichtes für Schulze gewesen, Gerrards Beitrag auch als Sample einzubringen oder überhaupt nur elektronisch zu erzeugen. So wäre der Gesang als Gegenpart, als Eigenständigkeit, von Vorteil gewesen. Zum Beispiel, weil er gerade wieder aktuell in den Medien ist, nenne ich Scott Walker, der hier sicherlich mehr Individualität als gleichberechtigtes Element im Gesamtbild geboten hätte.
So erscheint Lisa Gerrard manches Mal eher wie eine programmierte Taste im Keyboard-Arsenal des Elektronikers Schulze, während sie bei Dead Can Dance mehr Ausprägung zeigte und die Stimme auch stärker gestaltend einsetzte. Was bleibt, ist ihre oft engelsgleich und mystisch klingende Stimme, die gelegentlich gar ins Opernhafte und Pastorale abgleitet. Aber letztlich setzt sie keine sehr entscheidenden Akzente, sondern ist Bestandteil des majestätischen Ganzen.
"Orcus Humanum Est", nach der Pause, erinnert mich an frühe Tage des Musikers. Hier wird er von druckvollen Schlagzeugsamples unterstützt und lässt seine Musik sogar tanzbar werden. Dieses wiederholt sich später und wechselt sich mit wiederum ruhigen und erhabenen Parts. Gerrard kann sich mit dem letzten Stück dann noch einmal recht stark einbringen.
Die zweite DVD trägt den Titel "A Moogumentary II", eine Dokumentation von James L. Frachon. Zu sehen gibt es Bootsfahrten auf den Grachten Amsterdams, Konzertausschnitte und andere Eindrücke der Tour. Wir erleben den Bühnenaufbau, lauschen den in englischer Sprache vorgetragenen technischen Erläuterungen von Klaus Schulze, es gibt Eindrücke von Proben und Kommentare verschiedener Personen, die sich zur Musik äußern. So bietet diese DVD eine gute Abrundung des Gesamteindrucks.
Line-up:
Klaus Schulze (keyboards)
Lisa Gerrard (vocals)
| Tracklist |
DVD 1 (The Bootleg Concert - Amsterdam 2009):
01:Jan Pieterszoon Sweelinck (8:47)
02:Mad Ret Sma (6:39)
03:Prinsengracht 263 (18:11)
04:Polish Rider (12:44)
05:Orcus Humanum Est (19:05)
06:Leiden (19:40)
07:Hieronymus (13:07)
08:Le Moulin Déjà Vu (13:36)
(All tracks composed by Klaus Schulze)
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DVD 2 (A Moogumentary II):
01:Documentary by James L. Frachon
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Externe Links:
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