Vermutlich in Anlehnung an 'The Rat Pack', jener legendären Zusammenarbeit zwischen Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr., nannten sich diese drei Saxofonisten The Sax Pack.
Erst im März 2008 hatten sie ihr Debüt vorgelegt, und schon der Nachfolger.
Anscheinend war das aber keine große Mühe, so scheint es mir!
Ich muss mir ja oft nachsagen lassen, als Jazzfan oft zu kritisch zu sein.
Bin ich auch.
Aber das soll nicht heißen, dass ich jeder Platte, deren Musik nicht dem entspricht, was mein Gehör und meine Seele erfreut, einen Verriss spendiere.
Hier bin ich jedoch geneigt, genau das zu tun.
Nicht, dass das nun schlecht wäre, beileibe nicht, da sind schon Könner am Werk.
Aber Könner müssen auch nicht immer alles können.
Kurzum, was die Musiker von The Sax Pack können, ist jenen Personenkreis zu unterhalten, dem hier auf dem Cover offensichtlich eine Referenz erwiesen wird.
Coole Swimmingpoolbesitzer mit dem nötigen Kleingeld, die mal eben das Portemonnaie öffnen, um eine Band für ihre Poolparty zu engagieren, die einfach nur die Aufgabe haben, anwesend zu sein und zu spielen; es hört ja eh niemand zu.
Ganz so böse will ich nun auch nicht wieder sein, aber wenn ich die CD mehrfach durchlaufen lasse, weiß ich mitunter gar nicht, welches Stück gerade läuft, alles ist so ähnlich und austauschbar, und wenn ich dann auf dem Cover lese, "The Sax Pack Is Back In Full Force With R&B Grooves, Unforgettable Melodies & Dynamic Performances From This All-Star Super Group", dann kann ich das beim besten Willen nicht nachvollziehen.
Nichts von 'full force', nichts von 'unforgettable melodies', nachdem ich die Platte nun dreimal habe durchlaufen lassen und einmal den Versuch gestartet habe, den 'Opener', "Wanna Get Closer", gar noch öfter zu spielen, will mir die Melodie(?) einfach nicht hängen bleiben.
Nun, als Jazzer hat man so seine 'Referenzen', ich ziehe einmal Brecker Brothers oder Grover Washington Jr. oder David Sanborn hinzu, aus dem breiten Feld der Fusion.
"Are You Ready", ein Titel, den die Brecker Brothers zu einem Schmuckstück gemacht hätten, die Bläsersätze erinnern doch tatsächlich an diese Klasseband.
Doch hier ist keine Kraft, obgleich eines der 'energischten' Titel der Scheibe.
Also - dieses ist mein Lieblingstitel der Platte, davon mehr, sie hätte mein Wohlwollen gefunden.
"All That I Am", der 'Schleicher' der Platte, muss sich für mich mit den Titeln der Platte "Winelight" von Grover Washington Jr. messen, und, während man bei Grover kuscheliges Kribbeln empfindet, plätschert es hier nur so dahin, das hat nur die Kühle der eingangs erwähnten Poolparty mit all den schicken Leuten.
Der soulige Groove von Washington Jr. fehlt mir hier völlig, das ist kalt, ja, kalt, nicht 'cool'.
So, dann hätte ich zum Vergleich noch David Sanborn, der in den Achtzigern ja durchaus auch einige relativ unbedeutende Platten veröffentlichte, die aber immer noch mehr Feuer und Virtuosität aufwiesen.
Ich staune eigentlich auch deshalb, weil jeder der drei Saxofonisten, Kim Waters, Steve Cole und Jeff Kashiwa doch im Alleingang durchaus bemerkenswerte Platten veröffentlichten.
Waters anfänglich zwar mit einigen sehr durchschnittlichen Alben, konnte er sich im Smooth Jazz-Umfeld langsam steigern, er ist es auch, der auch auf dieser Scheibe einige gute Momente auf dem Altsax hat, schade, warum hat er das nicht ausgebaut?
Cole landete 1988 einen totalen Flop mit langweiliger 'Fahrstuhlmusik' ("Stay Awhile"), fing sich offensichtlich nachfolgend mit durchaus ansprechenden Alben mit elegantem Jazzfeeling, und Kashiwa, der hinsichtlich seiner Vergangenheit wohl interessanteste Musiker, legte mit der Band Rippingtons wesentlich packendere Musik vor, bis er leider auch in nachfolgenden Produktionen in den Bereich 'radiofreundlicher' Unterhaltungsmusik versank.
Verderben darüber hinaus 'zu viele Köche den Brei'?
Hier gibt es also aus meiner Sicht relativ seelenlosen Smooth Jazz mit den endlos erscheinenden Themen ohne Wiedererkennungswert, die dann auch noch irgendwann einfach ausgeblendet werden, ohne dass man das Gefühl hatte, dass das Stück überhaupt schon begonnen hatte. That's tooooooo smooth!
Darüber hinaus zeichnet sich nicht ein Solist durch besondere Leistungen aus, »We never solo, we always solo«, so ein Ausspruch aus den Kreisen von Weather Report, mag hier auch zutreffen, denn kaum hebt einer der Saxer zu einem Solo an, ist es auch schon bald wieder vorbei. (ach, ich muss mich wegen des Vergleichs noch bei Weather Report entschuldigen)
Wozu braucht man diese Musik also?
Poolparty, klar, und sonst?
Gute und gut gespielte Backgroundmusik, nicht mehr und nicht weniger, doch davon gibt es besseres Platten, die ich dieser jederzeit vorziehen würde.
Tipp: Zur Auflockerung wäre die Hinzunahme diverser oder eines/einer Vokalisten/in sicher positiv bereichernd gewesen, nur so als Tipp an die Band für ihre nächste Scheibe!
Line-up:
Kim Waters (keyboards, alto saxophone)
Andre Berry (bass)
Melvin Davis (bass)
Allen Hinds (electric guitar, Nylon string guitar)
Steve Cole ( tenor saxophone)
Jeff Kashiwa (tenor saxophone)
Bernd Schoenhart, Gerey Johnson (guitar)
Brian Dunne (drums)
David Andrew Mann (keyboards)
Tracklist |
01:Wanna Get Closer (3:48)
02:Can't Help Myself (4:14)
03:This Time Around (4:16)
04:Smooth As Silk (4:11)
05:Are You Ready? (4:57)
06:The Pack Is Back (3:52)
07:All That I Am (4:59)
08:Here To Stay (4:38)
09:All At Once(5:38)
10:Fallin' For You (Special Davy D Re-Mix) (5:03)
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