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Als ich das neue Soloalbum von Steve Senes in die Finger bekam, machte das Cover erst einmal den Eindruck auf mich, dass ich mich beim Hören in den Cyberspace versetzt fühlen würde. Der Opener "The Swami" verleitete mich beim Lesen des Titels, mich relaxt in die heimische Sitzgruppe zu werfen, um in Meditation zu verfallen. Aber schon nach den ersten fetten Gitarren-Riffs riss es mich hoch und meine Ohren öffneten sich noch weiter als sonst.
Was Steve Senes auf seinem neuen Album "dE-eVolution oF thEorY" abliefert, ist sehr hörenswert. Im Laufe seiner Karriere war Steve in allen gängigen Genres zu Hause und was er daraus für sich behalten hat, spiegelt sich in den zwölf Songs der CD wider.
Vergeblich warte ich bei jedem Stück auf eine Gesangseinlage oder dergleichen, welche aber durch die hervorstechende Leadgitarre jedes Mal kompensiert wird. Nach den ersten beiden kräftigen Heavy Metal-Nummern brauche ich eine Pause, und wie aus meiner Seele gesprochen, liefert sie mir Senes prompt für meine Ohren. Mit gleichmäßigem Übergang lerne ich "Ruth" kennen. Ein sehr symphatischer, mit Akustik-Gitarren beginnender Ohrwurm, der sich im Laufe seiner 6:13 Minuten bis auf den kräftigen Höhepunkt steigert. Für meine Begriffe der Top-Song der CD, der sich im folgenden "Highball" fortführt, das sich durchweg im Heavy Metal-Stakkato bewegt.
Hat das erste Drittel von "dE-eVolution oF thEorY" das klare Ziel verfolgt, den Heavy Metal-Jüngern den Weg zu weisen, jagt nun ab "Cop Show" eine Überraschung die nächste. Steve Senes greift tief in die Klamottenkiste und holt einen Funk-Song der 70er Jahre hervor, der mich bis zu "Saturday Night Fever" zurückversetzt und mit der Blechbläsergruppe aus dem Synthesizer perfekt rüberkommt, mich aber leider in keiner Weise berührt. Nach diesem kurzen Intermezzo bewegen wir uns dann wieder in Richtung Heavy Metal und während des herausragenden Gitarrensolos macht sich wieder ein zufriedenes Grinsen auf meinem Gesicht breit.
"High & Mighty" beweist, dass sich Senes auch im Southern und Prog Rock auskennt und bringt eine interessante Abwechselung auf diese CD. Freunde der Musik von Molly Hatchet werden darin durchaus Parallelen finden und das Stück mit Zufriedenheit genießen, um sofort im Anschluss mit "Colossus" einen weiteren kräftigen Schlag ins Genick zu bekommen. Nach einem ruhigeren Break in der Mitte von "Colossus" übernimmt der Bass die Führung und verleitet den Hörer zwangsläufig zu swingenden Fußbewegungen.
Leider hat auch jede Medaille ihre Kehrseite und die zeigt sich in "Angel". In einer Akustik-Version mit tragendem Cello aus dem Synthesizer, kommt das Stück extrem langweilig rüber, aber dank moderner Technik genügt ein Knopfdruck und wir befinden uns wieder inmitten kräftiger Gitarren-Riffs, die uns mit dem 4:40 Minuten-Stück "Jam Bomb" zeigen, wo der Hammer hängt. Ein durchweg gleichmäßig sehr guter Kracher, der im letzten Drittel der CD auf mehr hoffen lässt.
Wer allerdings keinen weiteren Musikgeschmack als extra hart sein Eigen nennt, der sollte nach "Jam Bomb" den Player unverzüglich ausschalten, denn die letzten zwei Tracks haben es auf ihre Weise noch einmal in sich. Werden doch, wie der Titel "Mare Tranquillitatis" vermuten lässt, lateinamerikanische Klänge im Reggae-Stil like Carlos Santana zum Besten gegeben.
Mir persönlich gefällt die Nummer sehr gut, lädt sie doch kurz vor Schluss zum Entspannen und Träumen ein. Leider ist er mit 3:20 Minuten zu kurz, um einen bunten Cocktail in der Hängematte zu schlürfen, aber zumindest versetzt er mich kurzzeitig geistig in warme Karibikgefilde.
"The Afterglow" bringt mich aber schlagartig auf den Boden der Tatsachen zurück und auch dazu, hier objektiv Bericht zu erstatten. Über drei Minuten frage ich mich, was das soll, was mir hier dargeboten wird. Macht sich Steve Senes hier für seinen Auftritt warm, oder was hat das Gitarrengeklimpere für einen tieferen Sinn? Der Song ist leider sehr langweilig und unnötig auf dieser sonst abwechslungsreichen und hörenswerten Instrumental-CD.
Line-up:
Steve Senes (alle Instrumente)
| Tracklist |
01:The Swami (5:18)
02:Greaseball (3:46)
03:Ruth (6:13)
04:Highball (4:12)
05:Cop Show (3:43)
06:Facecheck (3:46)
07:High & Mighty (5:10)
08:Colossus (4:33)
09:Angel (3:02)
10:Jam Bomb (4:40)
11:Mare Tranquillitatis (3:20)
12:The Afterglow (3:22)
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