Seven Steps To The Green Door / Fetish
Fetish Spielzeit: 78:18
Medium: CD
Label: Progressive Promotion Records, 2015
Stil: Progressive Rock


Review vom 18.09.2015


Ingolf Schmock
Wenngleich die musikalischen Ressourcen inzwischen bis zum Grund und das Vordringen unzähliger, ihres Laptops bemächtigter Studio-Heißsporne in neue Hörgalaxien erschöpft sein mögen, bürgen kreativ Beständige, von den Antriebsfedern ihrer bisher goldhändigen Schaffens-Vita betriebenen Teufelskerle wie Marek Arnold, für Kritikers wiederkehrende Aha-Effekte.
Infolgedessen durften des musisch umsichtigen Sachsen erwartete Studioblüten samt seiner tonangebenden Abenteuerlüste und handwerklichen Sicherheiten jenen Erwartungen gerecht werden, welchen seiner Hörer-Gefolgschaft von jeher vertrauten.
Diesmal nun mit Seven Steps To The Green Door, nur eines von einem halben Dutzend Band-Projekten wie Toxic Smile oder Cyril am Start, versprachen Arnolds längst höhere Weihen erfahrene Ideen-Essenzen sowie seine konzeptionell tiefenwirkende Prog-Schwerkost zumeist kaum noch Steigerungen. Ein klarer Irrtum!
Mit "Fetish", dem obgleich thematisch einem schlüpfrigen Grundtenor folgendem, jedoch konzeptoffenen Neuling, scheint dem mittlerweile dicht an Wilsons Fersen gehafteten Progaholic und seiner Belegschaft ein musikalisch noch imposanterer Wurf gelungen zu sein.
Auf ihrer mittlerweile vierten Dehnübung sowie Agenda für, sowohl Verschachtelte als auch ohrwurmtauglich komponierte Prog-Quadratwurzeln, werden schlichte Hörgemüter seltener grobschlächtige Saiten und Tasten-Rustikalien; taktvolle Kunstrock-Köstler hingegen feingliedrige, bisweilen extatische Rhythmus-Duelle sowie feminin übermächtige Gesangsartistiken, entdecken. Hierbei veredelten, nebst illustrer Gästedefilees wohl weniger proggistische Fischerchöre, sondern Anne Trautmann und Lars Köhler mit wohlgefeilten Kanonreigen und eindringlichen Sangesgirlanden gezierte Stimmgewalten, "Fetish's" spannungsreiches und handwerklich zeitgemäßes Kunstrock-Arrangement.
Die musikalischen Stärken des studierten Saxophonisten und Tastenautodidakten sowie seiner virtuosen Truppenteile bestehen dabei vor allem im melodiösem und nicht gezwungen schartig-schrägen Erforschen prog-unessentieller Instrumentarien wie Flitze-Violinen oder diversem Holzgebläse und klassisch geschulte Gespüre für stilverquickte Klangallianzen.
Wie einst jene Fetische, welche ihre magiebefallenen Probanden in unumstößliche Abhängigkeiten sowie Süchte trieben, so könnten musikalische Einbahnstraßen meidende Prog-Verkoster beim Hören der, zwar vom Geiste siebziger Großtaten, dennoch staubfreien Rock-Stilistiken gefütterten Synergien, im glückseligem Longtrack-Dauerkonsum erstarren.
So scheinen bei den ungebremsten Kreativitäts-Henneckes keine Töne unbedacht die Reinheiten der Kompositionsideen zu beflecken, sei es nun beim gespenstig extravaganten, von Arnolds Tochter Alicia Pfeiffer sangesgezuckertes "Last Lullaby", im Hammond-Soli kulminierendem Griffbrett-hibbeligem "Imprisoned" oder verschachteltem "Porn" als polyphone Heldenverehrung, die Stücke erklingen haargenau auf dem Punkt.
Mit einer Spieldauer von sechzehn Minuten wurde mit "Ordinary Maniac" obendrein ein geballtes Kunstrock-Knallbonbon gebastelt, dessen gestalterische Sprengkraft altgedienten Langstrecken-Platzhirschen wie Spocks Beards "The Light" und Co. damit gefährlich nahe rücken dürften.
Nicht nur Steve Unruhs jazzdiabolisierte Fiedel sowie Martin Schnellas schwergewichtige Gitarren-Pratzen, hingegen auch eine verbündlich rhythmische Grundlage samt tieftönender One-Man-Show sowie eines jeden Prog-Weiland gereichendes Tasten-Sakral, verbinden dies zu einem Halbwertzeit überlebenden Machwerk.
Als gestärkte Grenzgänger zwischen Kunst- und melodieeffizienten Rock haben nun unseren sächsischen Hoffnungsträger summa summarum ihre Zelte zwischen den in Granit gemeißelten Prog-Annalen sowie der allseits gültigen Genre-Götzen aufgeschlagen.
Zu keinem Zeitpunkt demonstrieren uns dabei Arnolds musikalische Begabten-Crew und die in exzellenten Progsound eingebetteten Kurzgeschichten über menschliche Innenwelten, weder eine pietätlose Nachlasspflege, noch Proggieware vom Wühltisch, vielmehr einen hörbar obsiegenden Kreativgeist der Gegenwart.
Die entsprechend Weltniveau-haltende Produktion überdies eine ansprechende Verpackung ist beim rührigem Progressive Promotion Label mittlerweile sowieso Ehrensache.
Kurzum - als eines, meiner Meinung nach, jetzt schon heißesten Anwärter Made in Germany für das güldene Zepter diesjähriger Genre-Neuerscheinungen eine aufrichtige Empfehlung.
Line-up:
Marek Arnold (piano, organ, keyboards, saxophones, soprano flute)
Ulf Reinhardt (drums, spoken parts)
Martin Schnella (bass, acoustic, electric guitars, baritone guitars, vocals)
Lars Köhler (vocals)
Anne Trautmann (vocals)
Guests:
Justo Suarez (percussions)
Arno Menses (vocals -#8)
Melanie Mau (vocals -#1,2,3,8,9)
Sören Flechsig (vocals -#5,6,9)
Lars Begerow (vocals -#5,7)
Elisabeth Markstein (vocals -#9)
Stephan Wegner (vocals -#3)
Annemarie Schmidt (voc -#5)
Alicia Pfeiffer (vocals -#7)
Daniel Mash (bass guitar solo -#9)
Steve Unruh (violin solo -#9)
Luca Di Gennaro (synth solo -#9)
Antonio Vittozi (1st guitar solo -#9)
Tracklist
01:Possible Delayed
02:Porn!
03:Still Searching
04:Inferior
05:Imprisoned
06:Bound In Chains
07:Last Lullaby
08:Set In Motion
09:Ordinary Maniac
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