Slim Cessna's Auto Club / Unentitled Strings
Unentitled Spielzeit: 42:39
Medium: CD
Label: Munich / Indigo, 2011
Stil: Alternative Country / Gothabilly

Review vom 25.04.2011


Hans-Jürgen Lenhart
Schon ganz schön durchgeknallt, diese Jungens aus Denver, Colorado. Sie haben die Energie einer Gospel-Truppe, sind quirlig wie eine Bluegrass-Band, übermütig wie eine Rockabilly-Show, können aber auch ganz schön gespenstisch wirken. Was ist das überhaupt? Eine Americana-Parodie oder gar eine Wanderprediger-Show? Oder reitet da nicht gerade der mit den Hufen in atemberaubendem Tempo vorbei? Eigentlich egal. Tatsächlich stinkt es nach Schwefel, Weihwasser und Whiskey gleichzeitig.
Begriffe, die man dieser Band andichtet, erklären diesmal nur dürftig die Musik. Gothabilly? Klar, auch wir lieben die "Addams Family". Alternative Country? Da gibt es so vieles. Cow Punk? Schon lange vorbei. Die alte Showband Sha Na Na klingt vielleicht ein bisschen durch und die frühen Woodentops erreichten am ehesten diesen ungeheuren Drive.
All das kann nur andeuten, was Slim Cessna's Auto Club tatsächlich ist. Ihnen geht der Ruf voraus, eine atemberaubende Liveband zu sein. Warum produzieren solche Bands eigentlich nicht gleich eine DVD dazu? Und was für ein Gesang! Man sieht förmlich aufgerissene Augen mit gespreizten, wackelnden Händen ums Gesicht. Dazu Schlagzeug, Kontrabass, Pedal-Steel-Gitarre, Banjo, Gitarre und ein kehliger Truppen-Gesang.
»Das ist die Country-Band, die in der Bar am Ende der Welt spielt«, meinte einst Jello Biafra, ehemaliger Dead Kennedys-Boss und Inhaber des Labels Alternative Tentacles, als er Slim Cessna's Auto Club signte.
Stimmt nicht ganz, eine Southern-Gospel-Country-Showband wäre im Grunde richtiger. Oder wie Sänger Slim Cessna selbst meint: »Amerikanische Folkmusik im echten Wortsinn. Wir erzählen Geschichten«. Tja, schade nur, dass die Texte auf der CD nicht mit abgedruckt sind.
Die Band klang 1995 mit dem gleichnamigen Debütalbum tatsächlich noch sehr nach Country. Erst im Jahr 2000 geriet sie mit "Always Say Please And Thank You" ins Visier der Presse und Fans. Daran schloss sich "The Bloudy Tenent Truth Peace" an und 2004 überzeugten sie als Live-Band mit dem Konzert-Album "Jesus Let Me Down". Mit "Cipher" im Jahr 2008 waren sie in der Alternative Country-Szene dann endgültig ein Begriff. Die EP "Buried Behind The Barn" (eine Zusammenstellung von älteren Demo- und Alternativ-Versionen) war danach das letzte Lebenszeichen. Im Juni 2011 kann man sich bei uns von ihren Live-Qualitäten überzeugen. Sie geben alles. Cowboyhut auf, hingehen und nach einer Stunde verschwitzt zu Boden sinken. Hallelujah!!!
Line-up:
Slim Cessna
Munly Munly
Lord Dwight Pentacost
Danny Pants
Robert Ferbrache
Chadzilla Johnson
Honorary Appearance John Robert Rumley
Tracklist
01:Three Bloodhounds, Two Shepherds, One Fila Brasileiro (5:20)
02:The Unballed Ballad Of The New Folksingers (4:11)
03:Thy Will Be Done (4:02)
04:No Doubt About It (3:11)
05:Do You Know Thee Enemy (4:28)
06:A Smashing Indictment Of Character (4:56)
07:My Last Black Scarf (3:44)
08:Hallelujah Anyway (7:06)
09:United Brethren (5:45)
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