Ein 'Sloppy Joe' ist, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ein überaus zweifelhaftes nordamerikanisches Sättigungsmittel (das Wort 'Nahrung' möchte ich in diesem Zusammenhang ganz bewusst außen vor lassen). Eine Art Sauce Bolognese auf einer Zelluloseschnitte wie man sie vom kaum minder fragwürdigen Hamburger kennt, ist sicherlich nicht der Gipfel aller kulinarischen Genüsse, steht aber wohl für ein aktuelles Lebensgefühl: Spaß haben und währenddessen irgendwie satt werden.
'Spaß' ist das Stichwort, auf das ich jetzt ungelenk-mühsam hingearbeitet habe, denn ein quirliges Spaß-Trio aus Hamburg stellt sich uns heute vor. Wenn man Sloppy Joe's gleichnamige EP so anhört, kann man sich lebhaft vorstellen, in welcher gnadenlosen Weise die Jungs bei Clubkonzerten die Hütte abfackeln. Bei diesem Hard Rock mit deutlicher Glam-Note aus den Siebzigern dürfte kein Auge trocken und kein Nacken ungeschüttelt bleiben!
Gleich mit
Billy Oceans schmierigem Disco-Gassenhauer "Love Really Hurts Without You" von 1976 wird mit sägenden, teils gedoppelten Gitarren und ungestüm polternder Rhythmusfraktion der Schleim aus der ollen Rille geblasen. Extrem cool kommt
Don Williams' 1977er Hitparadenstürmer "Some Broken Hearts Never Mend" daher, der zunächst mit sehr traditionellem Country beginnt, um ziemlich fix zu einem prügelnden Glamrocker zu mutieren.
Kaum wiederzuerkennen ist
George Bensons schmalziger Pophit von 1985, "Nothing's Gonna Change My Love For You". Und während
Schorsch mal kurz den Beutel wechselt, hauen
Sloppy Joe's respektlos und zackig auf den Haufen. Das klingt allerdings doch ziemlich arg nach den
Leningrad Cowboys... und richtig - die beiden folgenden Nummern hatten die ebenfalls SEHR erfolgreich gecovert. "These Boots Are Made For Walking" (
»Namm-namm-namm-namm...«) und die
Tom Jones-Schnulze "Delilah" zählten früher zu den Höhepunkten von deren Liveshows und auch die Hamburger liefern überzeugende Versionen ab!
Den Schlusspunkt setzt "Hot Stuff" von Disco-Queen
Donna Summer, seit diesem Jahr posthum in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen. Mit
Sloppy Joe's Interpretation wäre dieser Treppenwitz der Musikgeschichte allerdings zu rechtfertigen gewesen. Doch wird in dieser hardrockigen Spielweise deutlich, wie sehr sich "Hot Stuff" und
I Was Made For Lovin' You ähneln. Wer seinerzeit von einander abgeschrieben hat, lässt sich kaum noch nachvollziehen - beide Titel erschienen im gleichen Jahr (1979).
Besonders originell mag das Konzept vielleicht nicht sein, aber immer wieder gut. "Sloppy Joe's" macht tierisch Spaß, und ob die Hamburger etwas anderes im Sinn hatten, ist eher unwahrscheinlich. Das kesselt, mehr davon! Spontan fallen mir solche Knalltüten wie "Under The Moon Of Love" (Showaddywaddy), "Tiger Feet" (Mud) oder für ganz Hartgesottene "Sugar Baby Love" »Uh-wapp-tschuwei« (The Rubettes) ein... Also: Haut rinne, Jungs!!!