Sturm und Drang / Rock'n'Roll Children
Rock'n'Roll Children Spielzeit: 41:09
Medium: CD
Label: Gun/Sony BMG, 2009
Stil: Rock, Metal

Review vom 05.01.2009


Mike Kempf
Als André Linman und Henrik Kurkiala 2004 sich auf dem Heimweg von einem Judas Priest-Konzert befanden, gründeten sie Sturm und Drang. Nach kurzer Zeit schlossen sich der Keyboarder Jesper Welroos und der Schlagzeuger Carl Peter Fahllund der Band an. Mit Alexander Ivars komplettierte schließlich ein weiterer Gitarrist die Besetzung. Diese sehr jungen Musiker, damals im Schnitt gerade mal 13 Jahre alt, wurden am 8. März 2008, nachdem sie im Herbst 2007 bereits als Vorgruppe von Apocalyptica agieren durften, mit einer 'Emma' in der Kategorie 'Beste neue Band' ausgezeichnet!
Nachdem die finnischen Jungspunde 2007 ihr Debüt "Learning to Rock" veröffentlichten, das mittlerweile schon sehr erfolgreich ist, folgt nun eine weiteres Album: "Rock'n'Roll Children". Inzwischen sind die Teens fast volljährig und so ist mein Interesse recht groß, wie sich die musikalische Entwicklung der Band fortgesetzt hat.
Also den Tonträger in den CD-Player geschoben, Kopfhörer auf und los geht's. Hoppla! Schon beim ersten Song, "Last Of The Heroes", werden einem die Trommelfelle gehörig massiert. Die Finnen schlagen ein rasantes Tempo an und das Blut fließt dementsprechend durch die Venen. Der Sound ist perfekt abgestimmt, hart, klar, dynamisch, eben wie es sein muss, wenn man sich dem Hard Rock-Spektrum mit Metal-Einflüssen hingibt. Bei "The River Runs Dry" stehen die Vocals im Vordergrund und man verzichtet dafür auf rasante Soli. Das, was von Judas Priest hängen geblieben ist, wird bei "Break Away" deutlich. Hier erinnert mich das anfängliche Drum-Solo an die ehrwürdigen Vorbilder der Nordeuropäer. Der Refrain lässt sich gut mitgrölen. Auch bei der Hymne "Sinner" lässt es sich hervorragend mitträllern und der Track besticht mit eingängigen Gitarreneinlagen. Wolfsgeheul und die Stimme von Linman eröffnen "A Million Nights", eine Rock-Ballade, die unerwartet enorm das Tempo herausnimmt. Außerdem ist der Song sehr höhenlastig angesetzt. So trifft mancher Ton schon sehr empfindlich die Lauschlappen und ich bin froh, dass sich die Band wieder an ihre Stärken erinnert. Jaa! "Alive" wird in gewohnter Manier vorgetragen und ist eine tolle Mitgröl-Nummer. Superschnelle Riffs, harte Drums, tief röhrender Bass, Rockerherz was willst Du mehr? Sehr hitverdächtig! Doch das war's schon an genial vorgetragenen Metalnummern! Was folgt sind zwar schöne Balladen, doch nach dem es bisher richtig heftig zur Sache gegangen ist, läuft mir das Scheibchen zu ruhig aus.
"These Chains" besticht zwar wieder durch beherzte Gitarrensoli und dem glasklarem Gesang von André, doch "That's The Way I Am" und "Live" würde ich eher dem Melodic Rock-Spektrum zuordnen. Feiner, gut hörbarer Rock, allerdings, bis auf das ein oder andere Gitarrensolo, ohne herausragende Merkmale. Irgendwie schade, denn so hart wie die Jungs am Anfang rüberkommen, und sogar etwas an Guns N'Roses erinnern, so lässt das Album hinten raus doch stark nach und wird von einer Metal- zur reinen Melodic Rock-CD. Das unterstreicht auch der letzte Track "Heaven (Is Not Here)". Auch hier wird einem wieder eine Ballade geboten, zwar besser als "A Million Nights", doch für meinen Geschmack zu softig!
Fazit: Mit zehn Songs in gut 40 Minuten fällt die Scheibe schon recht sparsam aus. Anfänglichen, sehr guten Hard Rock-Nummern mit rasanten Metal-Einflüssen folgen zum Schluss eher beruhigende Balladen und sorgen bei mir für einen Zwiespalt. Denn es wird mir nicht richtig klar, welche Zielsetzung die Band verfolgt. Sollten die Finnen, die sich dem Metal Rock zugehörig fühlen, sich dem ersten Teil des Albums mehr widmen, so können wir bald bei "Rock'n'Roll Children" das 'Children' streichen. Für mich liegen ihre Stärken in den harten, schnellen Metal-Tracks, und so sollten sie sich auf ein bis zwei Balladen beschränken. Trotzdem, alles in allem ist der Band ein gutes Album gelungen, was durch eine optimale Aussteuerung der Tonqualität besticht. Vielleicht wollten die Jungs auch nur ihre Vielseitigkeit demonstrieren und sich in kein Schema pressen lassen. Somit wäre ihnen ein abwechslungsreicher Longplayer geglückt und über Geschmack kann man sich bekanntlich streiten.
Line-up:
André Linman (vocals, guitar)
Alexander Ivars (guitar)
Henkka Kurkiala (bass)
Jeppe Welroos (keyboards)
Calle Fahllund (drums)
Tracklist
01:Last Of The Heroes
02:The River Runs Dry
03:Break Away
04:Sinner
05:A Million Nights
06:Alive
07:These Chains
08:That's The Way I Am
09:Live
10:Heaven (Is Not Here)
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