The Sunpilots / King Of The Sugarcoated Tongues
King Of The Sugarcoated Tongues Spielzeit: 48:23
Medium: CD
Label: Honeytrap Records/Rough Trade, 2012
Stil: (Alternative-) Prog Rock

Review vom 04.07.2012


Steve Braun
Nachdem in jüngerer Vergangenheit manche Wege im Progressive Rock-Genre in einer Sackgasse zu stecken schienen, liegt nun endlich wieder mal ein Album vor, das erfrischend 'anders' ist und damit dem mittlerweile manchmal bereits altersschwach wirkenden Subgenre 'New Artrock' eine Frischzellenkur verpasst, die sich gewaschen hat.
Die australische Band The Sunpilots mischen ihrer Interpretation des Prog Rock eine gehörige Portion Alternative Rock sowie eingängige Pop-Elemente bei. Keine ausufernden, synthetischen Klangteppiche sondern die Konzentration auf das Wesentliche: songorientiere Kompositionen mit dem 'klassischen' Triumvirat aus Gitarre/Bass/Schlagzeug ausgestaltet. Obwohl die Stücke nahezu allesamt an/über der magischen Fünf-Minuten-Marke angesiedelt sind, bleiben die Strukturen auffallend griffig und auf Melodien wie Hooklines konzentriert. Nicht schlecht, Herr Specht...
Im Jahr 2006 in Sydney von dem Sri Lanka-stämmigen Sänger Raj Siva-Rajah gegründet, legen die Sonnenpiloten mit "King Of The Sugarcoated Tongues" nach einer EP ihr zweites Studioalbum vor. Es soll sich - wie es im Infoblatt des Promoters heißt - um eine australisch-deutsche Kollaboration handeln. Es ist eine Mutmaßung (aufgrund des Namens) meinerseits, dass es sich beim 'deutschen Anteil' um den Bassisten Justin Kool handeln dürfte.
Im australischen Mutterland kann die vierköpfige Formation auf einen durchaus beachtlichen Erfolg blicken. Aber auch in Europa ist man mit bislang etwa 160 Shows und 17 Festivalauftritten in Erscheinung getreten.
Das textliche Konzept von "King Of The Sugarcoated Tongues" scheint auf den ersten Blick etwas 'ausgelutscht'. Visionen à la Orwell sind längst von der Realität überholt und schon viel zu oft aus den verschiedensten Blickwinkeln musikalisch bearbeitet worden. Und wenn im abschließenden Kapitel "Exodus" zur Auflehnung und Umsturz aufgerufen wird, kann da sicher auch nur von einer traumtänzerischen Utopie die Rede sein. Andererseits ist der Plot fast durchweg überzeugend umgesetzt. Nur gelegentlich passt die teilweise optimistisch wirkende Musik nicht so recht zu den düsteren Texten.
Musikalisch kann man die Alternative/Indie-Einflüsse beiderseits des Atlantik deutlich wahrnehmen: Incubus steht für Nordamerika - Muse für Europa Pate. Auch die Mutter aller Luftschiffe hat deutliche Spuren bei den jungen Männern hinterlassen. U2 schimmert ebenfalls gelegentlich, besonders deutlich bei "Exodus", durch. Queen rückt vor allem durch den ebenso theatralischen wie charismatischen Gesang von Raj Siva-Rajah immer wieder in das erweiterte Blickfeld. Dieser Mann ist ein mit ganz großer Stimme gesegnetes Gesangstalent, von dem noch viel zu hören sein wird!
Musikfreunde, die - der lieben Ordnung halber - ihre Musik gerne in 'Schubladen' einsortieren, dürften sich mit den Sunpilots vielleicht etwas schwerer tun als 'Musikanarchos'. Dafür sind die Stilbrüche viel zu respektlos. Zudem 'muss' eine junge Band mit ihrem zweiten 'richtigen' Album ihren Weg noch lange nicht gefunden haben. Nein, "King Of The Sugarcoated Tongues" ist eine überaus erfreuliche Scheibe für Leute mit 'offenen Ohren'.
Anspieltipps? Für mich der hypnotische Longtrack "The Captain", die Powerballade "Sex And TV" und das stilistisch sehr abwechslungsreiche "Exodus".
Line-up:
Raj Siva-Rajah (vocals)
Bob Spencer (guitar)
Tom McGirr (drums)
Justin Kool (bass)
Tracklist
01:Prologue: 3 Minutes To Midnight (5:53)
02:Chapter I: King Of The Sugarcoated Tongues (4:55)
03:Chapter II: The Captain (8:33)
04:Chapter III: God Science (4:34)
05:Chapter IV: Sex And TV (6:56)
06:Chapter V: Rain (5:45)
07:Chapter VI: The Piper's Mirror (4:07)
08:Chapter VII: Exodus (7:40)
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