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Wer hat eigentlich damit angefangen, ein Album mit dem Bandnamen zu betiteln, obwohl es nicht das Erstlingswerk ist? In der Rock-Moderne waren es zweifellos Metallica, gefolgt von Mötley Crue, Indigenous usw. Der 2000`er Output der Sunset Heights folgt dieser Marotte auch, obwohl er (meines Wissens nach) schon der vierte Datenspeicher der Band ist.
Personell hat sich eine Menge verändert seit der ersten CD "Texas Tea". Die Combo hat sich vom Trio zum Quartett gemausert. Jason Youngblood war die ganze Zeit der Flaggenträger der Band. Jorge Castillo, auf "Texas Tea" noch als Additional Musician am Werk, hat mittlerweile seinen Stammplatz an der Gitarre eingenommen. Als besonders schade empfinde ich den Weggang des Schlagwerkers Little Joe Frenchwood, der seinerzeit "Texas Tea" und "Born in Housten - Live" mit seiner charakteristischen Anschlagtechnik veredelt hat.
Auch bei der Musik sind Veränderungen hörbar. Gewiss, die Sunset Heights machen immer noch Texas-Rock vom Feinsten, haben aber gleichzeitig geschnallt, dass Texas ein Rebellenstaat ist und die Melange mit einer höheren Dosis Südstaatengewürz verfeinert.
Die 13 Stücke der Band sind dazu angetan, jeden Sommerabend mit dieser speziellen, lethargischen Atmosphäre zu sättigen. Wenn die Sonne den ganzen Tag auf der Haut gebrannt hat, wenn der Duft von weiten Weizenfeldern die Nase kitzelt, wenn auf dem Barbecue verführerisch die Steaks brutzeln, dann ist die Zeit reif für die Sunset Heights.
Weil das Gesamtwerk überdurchschnittlich ist, wollen wir die absoluten Heightslightes herausstellen:
Der Opener "Southern Star" gehört zweifellos dazu, erstens wegen des Titels an sich, zweitens weil er und somit die ganze Scheibe fettig mit einem kleinen Gitarrensolo losgeht und drittens, weil er alles beinhaltet, was diese Scheibe ausmacht: Klasse Gitarrenarbeit, einschließlich Slide, einen guten Groove, knackige Riffs und eingängige Refs.
Auch Song Nummer zwei hat seine Quälitäten. "Did I let you down" ist das richtige für alle Slowrider. Es beginnt unverzerrt, legt aber langsam an Druck zu. Der Refrain ist zweistimmig gesungen und setzt sich gnadenlos im Gehörgang fest.
Als sechstes Lied kommt "Tangerine" auch langsamer daher. Die Blues-Einflüsse sind offensichtlich, ebenso wie das Bedürfnis des Sängers eine Geschichte zu erzählen, nicht nur mit dem Text, sondern auch mit der Gesangsgslinie. Im Zusammenspiel mit der Leadgitarre wird uns ein Drama präsentiert.
Wer mag denn Slide-Gitarren? "A woman like you" zeigt, wie sie richtig eingesetzt wird. Jorge Castillo bedient sie praktisch während des gesamten Songs im Hintergrund. So muss es sein, so wollen wir es haben. Bei einem solchen Titel kann es sich natürlich nur um ein bluesiges Stück handeln. Nur, Bluesinfluenza in dieser Form ist eben unheilbar. Insbesondere, wenn auf den Slide-Hintergrund noch ein sich steigerndes E-gitarren Solo gebraten wird. Klasse!
Die weiteren 9 Stücke bieten alles, was das Texas Rock Herz so begehren kann. Flockige Riffs, Gitarren - Soli mit dem speziellen Sunset Heights Sound dargeboten, flottere Nummern, midtempo Songs und langsame Lieder wechseln sich ab.
Plant ihr einen Grillabend? Legt diese Platte dazu auf und eure Gäste werden wiederkommen.
Spielzeit: 60:53, Medium: CD, Inakustik 1999
1:Southern Star 2:Did I Let You Down 3:Meet Your Maker 4:Freedom 5:Medicine Hat 6:Tangerine 7:Mamory Lane 8:Lucy Come Home 9:A Woman Like You 10:Would It Be Too Much 11:Drift Away 12:Marking Time 13:Body In Motion
Olli "Wahn" Wirtz, 01.12.2004
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