Ernest Troost / O Love
O Love Spielzeit: 51:08
Medium: CD
Label: Travelin' Shoes Records, 2014
Stil: Americana, Singer/Songwriter

Review vom 09.11.2014


Wolfgang Giese
Unter all den vielen nicht so bekannten Musikern und von ihnen vorgelegten Plattenveröffentlichungen gibt es immer wieder solche Momente, in denen man beim Lauschen der Musik innehält und das Bedürfnis verspürt, doch einmal intensiver zuzuhören. So ging es mir beim Anhören von "O Love", der neuen Platte von Ernest Troost, auch.
Aufgenommen in Los Angeles, vermittelt sie ein entsprechendes Westcoast-Feeling und die an sich eher folkorientierte Musik des Sängers erfährt durch die Hinzunahme weiterer Instrumente einen druckvolleren Charakter, sodass man das Werk durchaus im Bereich Americana ansiedeln kann. Der auch als Komponist von Filmmusik in Hollywood bekannte Künstler legt ein Album vor, das durch seine fein durchdachten Kompositionen besticht. In seinen Texten führt er uns das vor, was im heutigen Amerika an ganz verschiedenen Orten geschieht. In Verbindung mit der unterschiedlich aufgestellten Musik wird uns also eine bunte Palette vorgestellt.
Mit "Old Screen Door" bin ich sofort gefangen genommen worden. Dieser bluesgetränkte Song verfügt über eine ganz besondere Stimmung, die auch etwas Geheimnisvolles beinhaltet. Doch schon mit "Pray Real Hard" wechselt Ernest Troost in einen Bereich, den ich spontan mit Blues aus dem Mississippi Delta, gemischt mit einem Hauch von Lovin' Spoonful, assoziieren würde. Des Künstlers Art, Gitarre zu spielen, kann man auch in die Schublade des Piedmont Styles packen, also jener Blues-Richtung aus dem Südosten und Osten der Vereinigten Staaten. Doch hier wird kräftig angereichert und dadurch gewinnt die Musik sehr stark an Ausdruck.
Wenn es einmal, wie bei "Close", ruhiger wird, dann bleibt das nicht so, denn Songs wie "Weary Traveler" bringen wieder Schwung in die Musik. Da setzt dann, wie hier, die gut verstärkte Slidegitarre kräftige Akzente in die leicht und locker dahintreibende Stimmung. Aber auch Country-Elemente runden den bunten Reigen ab, wie "The Last To Leave" eindrucksvoll präsentiert.
Ernest Troost ist eine Platte mit einer wunderschönen, heimelig und vertraut klingenden Atmosphäre gelungen. Musik, die zu Herzen geht, dabei stets ehrlich und glaubhaft dargestellt klingt, vorgetragen mit einer sympathischen, einfühlsamen und sehr angenehmen Stimme, obwohl der Künstler kein sehr kraftvoller Sänger ist. Doch zu dem, was er und wie er es vorträgt, passt es ganz hervorragend zusammen. Und der Funke, der mich gleich zu Beginn entzündete, hat ein warmes und leuchtendes Feuer entfacht, das mich die ganze Laufzeit der Platte über warm gehalten hat. Dieser Mann verfügt über ein eigenes Profil. Er mag zwar einer unter vielen Singer/Songwritern sein, doch mit "O Love" hat er etwas Besonderes geschaffen.
Line-up:
Ernest Troost (vocals, guitars, bass - #1,7, mandolin - #2,4-6, harmonica -#2,11, pump organ - #4,5,7,8,10,11,13, percussion - #4,6,8,11)
Ralph Humphrey (drums - #1,3,7,9)
Mark "Pocket" Goldberg (electric bass - #2,3, upright bass - #9)
Steve Mugalian (drums - #2,10,12, cajon - #2)
Nicole Gordon (harmony vocals - #3-5,7,9,12,13)
Dave Stone (upright bass - #4-6,8,10-13)
Charlie Bisharat (fiddle - #6,13)
Johnny Hawthorn (lap steel guitar - #7)
Debra Dobkin (percussion - #10)
Tracklist
01:Old Screen Door (4:46)
02:Pray Real Hard (2:24)
03:O Love (3:53)
04:Close (4:38)
05:Harlan County Boys (4:44)
06:The Last To Leave (4:21)
07:Weary Traveler (4:26)
08:I'll Be Home Soon (4:09)
09:Storm Comin' (3:32)
10:Bitter Wind (3:35)
11:When It's Gone (3:58)
12:All I Ever Wanted (3:17)
13:The Last Lullaby (3:34)
(music and lyrics by Ernest Troost)
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