Auf Todd Thibaud's Konzert habe ich mich schon seit Wochen gefreut, da mir seine
Soloscheiben prächtig gefallen, und ich bei seinem Auftritt mit Hardpan vor einiger Zeit an gleicher Stelle, schon mal Geschmack auf Mehr bekommen hatte.

Angenehm zum einen, die relativ kurze Anreise (von meinem Wohnort Rheinberg bis
nach Wesel sind es keine zwanzig Autominuten), zum anderen das Bewusstsein, eine nette, freundliche Location und auch ein gutaufgelegtes Publikum (wie bei Hardpan) anzutreffen; eigentlich immer eine Vorraussetzung für einen klasse Gig auf engstem Raum.
Ein wenig Aufregung verspürte ich aber dennoch, denn es ist immerhin mein erster
Konzertbericht für unser neues Online-Magazin RockTimes, dass jetzt gerade mal seit
drei Wochen das Licht des Webs entdeckt hat.
Gegen 21.15 Uhr betrat dann Todds E-Gitarrist Jabe Beyer die Bühne, der auf
dem 'Blue Rose-Label' bereits auch schon zwei Solo-CDs vorzuweisen hat. Ganz allein
auf sich gestellt, mit einer Telecaster behangen, lieferte er ein halbes Dutzend Stücke ab.
Meiner Ansicht nach immer eine recht schwierige Angelegenheit, zumal mit so einem
starken Event wie Todd Thibaud im Rücken. Der Linkshänder meisterte die Situation
mit angenehmer Stimme und freundlichem Auftreten, hatte seine stärksten Momente beim Slow-Blues "Cold Cold Wind", und als er seine Slide-Gitarrenkünste bei "Forever Is A Long Time" zum besten gab. Das Publikum würdigte sein Können mit anerkennendem Applaus.

Keine 10 Minuten später kam dann der Meister mit dem Rest seiner Belegschaft und knüpfte da an, wo Jabe aufgehört hatte, nämlich mit dem Titel "Let It Slide", von seiner aktuellen Scheibe "Northern Skies". Über das schöne "Finer Things" vom Debüt und "Is It Love?" von "Squash" gab es mit Anywhere den ersten Höhepunkt der Show, als Mandolinen-Virtuose Sean Staples mit grandiosen Einlagen für weiteren Abrieb am Holz seines extrem frequentiert erscheinenden Arbeitsgerätes sorgte.

Bei "Give Back My Heart" gab es die ersten Berührungspunkte zwischen Akteuren und
den anwesenden Besuchern. Jabe, der seine Gitarre mit einem D-Autokennzeichen beklebt
hatte (wohl auch als Zeichen, dass die Band hier gerne ist), verwickelte sich in eine Diskussion, warum es hierzulande Deutschland heißt, und in Amerika aber Germany.
Als es Todd zu bunt wurde, warf der kurz stichelnd ein, ob man das Gespräch nicht eventuell nach dem Gig verlegen könnte. "Beautiful Dream" vom aktuellen Werk mit erneut traumhafter Mandolinen-Einlage, als auch "What She Means" mit exzellentem Gitarrenfinale, wo der
bis dahin recht ruhig agierende Drummer plötzlich richtig aus sich herausging,
stachen in einer grandiosen ersten Halbzeit noch heraus.
Nach zehn Minuten Pause ging's mit "Lost Again" in den zweiten Abschnitt. Bei "Johanna's Dream" bewies Todd seine
Mundharmonika Qualitäten, das direkt danach folgende "Louisiana" ist nicht nur auf der aktuellen CD mein persönlicher Favorit, nein, auch live war das Lied für mich der absolute Knaller. Welch geniale Ballade, diese herrliche Melodie, dazu Todds einfühlsame Stimme und die dezenten Mandolinentupfer, man spürte förmlich das Aufrichten der Haare unterm
Ärmel. Gänsehaut pur! Beim Neil Young-Cover "Helpless" gab es ein nettes E-Solo von Jabe Beyer, richtig zur Sache ging es dann bei "By Degrees", das einen Schlagabtausch im instrumentalen Teil zwischen Mandoline und Gitarre beinhaltete.

Alle Musiker gerieten hier richtig in Wallung, und sogar der lange Schlacks Chris Staples ließ sich zu einem Kung-Fu-Schritt in Richtung Drum-Anlage hinreißen. "Finding Out" von "Little Mystery" beendete den
zweiten Set. Apropos "Little Mystery": Das war eigentlich neben "Unbroken" von "Squash" das einzige Stück, was ich vermisste, sofern man das bei einem solch furiosen Konzert, überhaupt äußern darf.
Die stürmisch geforderten Zugaben ließen nicht auf sich warten. Als Todd amüsiert fragte,
ob es wirklich mehr Lieder geben sollte, kam die spontane Antwort 'We want more fucking Songs', was letztendlich in eine Tirade von bandinternen Flüchen ausuferte, und man sich nicht einigen konnte, ob sie mehr irischen oder schottischen Ursprungs zu entstammen schienen.

Nach einem Dylan-Cover und "St. Cecilia" ließ Todd nach einführender Würdigung Jabe an die
Front, und musste sich erneut mit einer Spitze eines Anwesenden auseinandersetzen: 'Jabe Is God' schrie dieser unter dem Gelächter des Restpublikums. Thibaud konterte cool-charmant, `Yes, he really is', und der gute Jabe lief dann ein wenig geschmeichelt noch mal richtig heiß. Den runden Abschluss zweier fantastischer Stunden bildete der Hardpan-Song "Gonna Break This Stone" aus Todd's Feder.
Ca. 150 Zuschauer hatten einen riesigen Spaß, und ich kann eigentlich nur jedem musikbegeisterten Menschen empfehlen, für akzeptables Geld solchen Künstlern beizuwohnen, statt sich für Unsummen in die ölsardinenartige Gesellschaft anonymer Großhallen oder Stadien zu begeben und immer den Gleichen die Kohle in den
Rachen zu werfen.
Es gibt soviel tolle Acts, die wesentlich mehr Annerkennung verdient hätten: Todd Thibaud & Band ist einer von ihnen...
Danke an Todd & Co., Edgar Heckmann von "Blue Rose Records" und das Karo, ich komme gerne wieder!
Bilder vom Konzert
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