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Nachwuchszeit! Diesmal sind es die Kasseler Tonfront, die uns mit ihrer gleichnamigen Debüt-CD überzeugen wollen. Die Band will dabei laut Presseschreiben ein wilder Mix aus »Rock & Roll, Jazz, Punk und Avantgarde« sein, was vielleicht ein wenig über das eigentliche Ziel hinausgeschossen ist, was aber nicht heißt, dass die Band schlecht ist.
Denn im Allgemeinen sind Tonfront musikalisch zwar vielleicht nicht ganz so abgehoben und durchgeknallt wie sie sich darstellen, dafür stimmt aber die Mischung aus progressivem und direktem Rock. Besonders hervorzuheben sind dabei die drei Instrumentals "Blau", "Grün" und "Gelb", die noch etwas mehr Farbe in diesen bunten Strauß Musik bringen. Und das, obwohl die restlichen Songs nun auch nicht gerade mit Abwechslung geizen.
Da gibt es nicht zu überhörende Tool-Einflüsse (besonders bei "Drau"), Deutsch-Rock, der, von den üblichen Verdächtigen vorgetragen, auch locker in den Charts sein könnte ("Hertzflimmern") oder auch mal gewisse Old School-Anleihen ("Weitergehen").
Old School ist auch gleich das richtige Stichwort, denn der Silberling wurde komplett analog aufgenommen (der Name des Tonstudios "Analoghaus" verrät es dezent), was den Songs wirklich gut tut. Mit einer digitalen und nicht so furztrockenen Produktion wäre die ganze Angelegenheit sicher nicht so überzeugend ausgefallen.
Wie man schon sehen kann, singen Tonfront komplett auf deutsch. Dabei ersparen sie sich dankenswerterweise lyrische Totalausfälle, wie das öfters bei deutschen Bands vorkommen kann. Ganz im Gegenteil, die Texte variieren alle zwischen nett und ausgefallen und verzetteln sich dabei nicht im pseudointellektuellen Blödsinn.
Einziger auffallender Kritikpunkt ist das etwas unpassend ausgewählte Comic-Design der Platte, was an und für sich ja nicht wirklich schlecht ist, aber auch so gar nicht zum Album passen will. Aber da das Ganze nun auch nicht wirklich die Musik betrifft kann man da locker drüber hinweg sehen.
Vielleicht hat der eine oder andere die Band ja erst live gesehen, da sie nun, zu dem Zeitpunkt des Veröffentlichungsdatums ihres Debüts, gerade mit Touren zu Ende ist. Wer die Gruppe noch mal live sehen will, muss sich an das in Kassel heimische Bandhaus halten, wo Tonfront in der Vergangenheit und wohl auch der Zukunft gespielt haben, bzw. spielen werden. Man kann vermuten, dass die Live-Qualitäten der Band, den auf dem Silberling in nichts nachstehen.
Wer sich also seine Kopie des überzeugenden Debüts sichern will, muss sich direkt an die Band wenden. Enttäuscht wird man dabei sicher nicht. Der Sound der Jungs ist zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dennoch, oder vielleicht auch gerade deswegen, sind Tonfront ein echter Geheimtipp.
Line-up:
Martin Nickel (vocals, guitar)
Adrian Radke (bass, vocals)
Jonas Giger (drums)
| Tracklist |
01:Leute
02:Weitergehen
03:Drau
04:Blau
05:Hertzflimmern
06:Krank
07:Bleib
08:Grün
09:Stromausfall
10:Kaputt
11:Sanftsau
12:Gelb
13:Sumpf
14:Pogopeter
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