Trivial / Back To 1955
Back To 1955
Wer von den Musikern unter uns hatte früher nicht einmal davon geträumt, ganz groß herauszukommen? Mir gings jedenfalls auch nicht anders, damals in den frühern Achtzigern, als Gitarrist unserer lokalen Band Drain (wie, die kennt Ihr nicht ;-)...?) und im zarten Alter von Anfang Zwanzig.
Nun, für ein paar Auftritte vor einer Handvoll von Zuschauern hat es immerhin gereicht. War auch ein bewegendes Gefühl, so auf der Bühne und "immer feste druff". Aber damit hatte es sich dann auch - zu mehr hatīs damals eben nicht gereicht.
Aber mal so richtig rauszukommen und im Fernsehen, Rundfunk oder den überregionalen Medien - oder gar einmal bei "Rock am Ring" vor Zigtausenden zu spielen? Das wäre fast wie ein Sechser im Lotto. Gibtīs doch gar nicht!
Wirklich nicht?
Nun, die Band Trivial hat eben genau das geschafft. Die Jungs aus dem Rheingau haben auch ihren Gig auf dem "Rock am Ring"-Festival im April. Sie sind nämlich seit einigen Tagen in aller Munde. Genauer gesagt, seit sie einen bundesweiten Wettbewerb gewonnen haben und zur besten Nachwuchsband Deutschlands ausgezeichnet wurden.
Trivial setzt sich zusammen aus Tim Opitz, (Gesang, Gitarre, Sax), Phil von Breitenbach (Bass, Gesang), Stefan Halama (Gitarre) und Andy Basting (Drums). Das Alter der Jungs liegt zwischen 19 und 20 Jahren. Beeinflusst ist ihr Musikstil nach eigenem Bekunden von Bands wie AC/DC und Led Zeppelin, aber auch von Elvis und Chuck Berry.
Der Titel der Scheibe soll wohl an die Anfänge des Rock'n'Roll anlehnen. Aber das ist zunächst mal Fehlanzeige, denn nach einem Intro geht es mit "Here We Are" direkt mächtig zur Sache. Der Anfang erinnert mich sofort an die wilden Jahre von The Who, geiler und kompromissloser Gitarren-Rocksound, der da gefahren wird. Dabei wirkt nichts überladen, ganz im Gegenteil - wohldosiert kommen die harten Schübe, angereichert mit souveränen Schlagzeugeinlagen von Andy Basting an den prägnanten Stellen. Und dann setzt der Gesang ein - aber was für einer - der ist geradezu genial! Tim Opitz hat richtig "Dreck" in der Stimme und das scheint er auch zu wissen, denn lautstark und ohne Hemmungen treibt er die Mucke mit röhrenden Vocals noch weiter nach vorne!
In ähnlicher Manier geht es mit "Bed Rocket" weiter, mittelschnell, dabei krachende Gitarrenrhythmen, wiederum in astreiner Abstimmung mit den gebrachten Schlagzeugeinlagen - und dazu dieser prägnante Gesang. Dazwischen Gitarrensoli, die nicht allzu schnell dafür aber wohldosiert und nachvollziehbar sind.
Danach gönnen uns die Jungs von Trivial mit "Together With You" eine Verschnaufpause. Ein wirklich schöner und verhaltener Ohrwurm mit filigranen Gitarrenpickings und eingängiger Melodie. Und Opitz zeigt, dass seine Stimme auch sehr einfühlsam sein kann. Klasse gemacht!
Mit "Festival Feeling" folgt ein schneller Rock'n' Roll, stellenweise durchsetzt mit härteren Einlagen und Saxsoli. Dazwischen gibt's einen Tempowechsel und schon wird's vorübergehend etwas bluesiger. In derselben Art präsentiert sich auch das folgende "Double-D Woman", welches unbeschwert und ungeschliffen rüberkommt.
"Angel" ist dann wieder verhaltener. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf sanfte Gitarrenrhythmen und einen eingängigen Refrain, bei dem einmal mehr die Vocals richtig im Ohr hängen bleiben. "Since 1955" ist einprägsamer und kompromissloser Rock, einmal mehr getragen durch "auf den Punkt kommende" Gitarrenarbeit und die prägnante Stimme von Opitz, mit der man mittlerweile schon so vertraut geworden ist.
Und endlich werden bei "Weekend" noch eindeutige AC/DC-Inspirationen fällig: krachende Gitarrenakkorde à là Angus, ein treibender Bassteppich im vier-Viertel Takt der Marke "ab in die Beine" und dazu punktgenaues und druckvolles Schlagzeug. Das Stück geht mächtig ab. Toll!
Zum Schluss gibt es mit "Schooltime Blues" noch einmal einen mittelschweren Rockīn Roll.
Mich wundert nicht, dass Trivial den bundesweiten Wettbewerb gewonnen hat. Die Mucke ist total "natürlich" und nichts wirkt irgendwie kaputtgeprobt oder kaputtgeschliffen. Und sie kommt auch immer absolut unbeschwert rüber - man hört mit jedem Ton die immense Spielfreude der Jungs aus dem Rheingau mit raus. Die Scheibe "kracht"! Hut Ab!
Man darf also gespannt sein wie es weitergeht mit der Band. Die neue CD soll noch um Einiges rockiger werden, wie Stefan Halama mir mitteilte. Wenn dem wirklich so ist, dann können wir uns damit noch auf einen heißen Tanz gefasst machen.
Hoffen wir nur, dass die Jungs sich nicht beirren lassen und am Boden bleiben bei so viel Erfolg. Das ist nicht immer einfach in diesem Alter.
Tun sie es, dann werden wir sicher noch eine ganze Menge von Trivial hören - Potential jedenfalls haben sie mehr als genug!


Spielzeit: 43:46, Medium: CD, Eigenproduktion, 2004
1:Intro 2:Here We Are 3:Bed Rocket 4:Together With You 5:Festival Feeling 6:Double-D Woman 7:Angel 8:Since 1955 9:Weekend 10:Schooltime Blues
Peter Rodenbüsch, 29.04.2005