Vor zweieinnhalb Jahren habe ich diese Scheibe bereits besprochen. Damals die Version unter der Ägide von Monster Records.
Nun ist das Album wieder erhältlich und zwar über Vintage (Rockadrome), welche neben Gestaltung eines neuen Covers die CD auch remastert haben, so dass das Werk nun in bestmöglicher Qualität erhältlich ist.
Zu "Ultra" schrieb ich damals folgendes:
»Nach Auflösung der mir unbekannten Band Homer, nahmen die Verbliebenen Galen Niles (g) und Don Evans (v,d), Larry McGuffin (g), Scott Stephens (b) sowie Tom Schleuning (d) ins Line-up und fertig war die neue Band Ultra.
Man beschloss, keine Homer-Relikte mitzunehmen; also nichts mit mehrstimmigen Harmonies und auch keinen Mellotron-Einsatz.
Anmerkung:
Mellotron ist grob gesagt, ein Tonbandkeyboard. Die Streicherklänge auf "Nights In White Satin" wurden z.B. per Mellotron erzeugt. Bands wie Yes, Genesis oder Barclay James Harvest nutzten diese Geräte.
Ultra hat damit in der Tat nichts am Hut, ultra-hart mit double-leads wie in besten Thin Lizzy-Zeiten startet "Mutants". Stimmlich erinnert mich bei diesem Song Don etwas an Jimi Hendrix. Gitarrenbetonter Rock mit geilen Single- und Doppelläufen.
Die ersten Takte von "Android" lassen aufhorchen und man denkt, nun kommt "Radar Love". Auch ist der Grundrhythmus dem der Goldenen Ohrringe nicht ganz unähnlich. Die Gitarren brettern aber anders, mehr Thin Lizzy-mäßig.
Wieso kriege ich eigentlich immer öfters CDs in den Player, die stilistisch so vielfältig sind? Alex Harvey könnte bei "Battery" Pate gestanden haben, bis er gitarrenmäßig an die Wand gedrückt wird. "Ten Years Since" und "Lamp Black, White Fight" sind Rocker erster Sahne. Gitarren, die immer wieder um die Ecke schielen lassen, ob die 'Boys back in Town' sind.
"Windjammer" ist stampfender Rhythm pur - die Nummer hätte Status Quo einen weiteren Hit verschafft, bis dann ein southernmäßiger Gitarrenpart kurze Unterbrechung bringt. Southernanleihen auch bei der nächsten Nummer "Diggin Deep".
"Circe" ist straigher, nach vorne preschender, geradliniger Rock. Natürlich wieder mit diesen Lizzy-Doubles. Klare Fall, Thin Lizzy-Manicas sollten diese Scheibe im Regal haben.
Die Aufnahmen dieses 2000er Releases stammen aus den Jahren 1975 bis 1977, waren teilweise unveröffentlicht und ich frage mich so langsam, wieso diese Band an mir vorbeigegangen ist.
Ein paar Pressemitteilungen, die ich allesamt unterschreibe:
'GL PRODUCTIONS': "A highly recommended album that will please every fan of great early 70s heavyrock."
'CHAOS REALM ZINE': "If you like awesome '70's hard rock with dual lead guitars, throaty vocals and killer production, this one is for you, Scooby Doo!"
'STONERROCK.COM': "It's another lost classic rock gem that I recommend."
Es fallen auch öfters Vergleiche mit Molly Hatchet, Blackfoot und ZZ Top, das kann man getrost gegenzeichnen, wobei ich lieber bei den Jungs um Mr. Lynott bleibe - der Gitarren wegen.
"Season Pass" ist ne superschöne 70er Nummer mit Allem, was dazugehört: leichter Hall im Gesang, Tempiwechsel, Gitarren, die wohlig schaudern lassen und dann kommt mit "City On Ice" wieder dieser leichte Southern-Touch ins Spiel. "The Desert", gitarrenorientiert (Mann, was laber ich da: die ganze CD lebt von Gitarren) - besonders gelungen, diese in der Lautstärke zurückgenommene Gitarre, die den Gesang so lecker begleitet, bis sie voll ins Geschehen vordringen kann. Kurz danach im Duett mit Gitarre Nummer zwei. Das ist Hard und Heavy-SR mit britischer Komponente - mittlerweile ist ja klar, von welcher Band.
ZZ Top'sches Saitenfeuer, stimmlich gewaltiger Gesang, wie gewohnt, die double-leads und überhaupt - es geht um "Souled There With Care". Die CD schafft mich und ist für mich 'Die alte Scheibe des Jahres'.
"Man On The Street" und "Get Away" haben leichte Bachman Turner Overdrive-Einschläge. Aber immer dran denken: Nach wem Ultra gerade auch immer klingen, stets sind diese southern- oder Lizzyelemente vorhanden. Mal mehr, mal latenter.
"Compass" setzt sich etwas ab und ich kann das erste Mal Luft holen. Ruhiger Beginn, leicht groovend, eben anders als das bisher Gehörte, aber nicht minder genial. Wie plötzlich der Rhythmus leicht forciert wird und als ob ich es ahnte: es gibt natürlich zweistimmige Gitarrensoli und plötzlich höre ich etwas "Walk Away" (James Gang).
Nummer sechzehn, dieser auf keiner Rockparty fehlen sollenden Scheibe, heißt "Hot-N-Cold" und verbreitet stimmungsmäßig 60er Flair; sehr melodiöse Vocals und Begleitung. Ein echt schöner Absacker nach einem schweißtreibenden Album.
Mag der Eine nun eher Molly Hatchet und Blackfoot hören, der Andere mehr an ZZ Top denken; für mich ist Ultra eine rattenscharfe Band, die mir in ihrer Blütezeit jedenfalls nie bewusst zu Ohren kam und ansonsten dermaßen an Thin Lizzy erinnert, dass die CD im Prinzip bei TL einsortiert werden müsste. Zum Glück kommt U ja eh nach T.«
Auch heute, nach fast 1000 Tagen, hat der Text nichts von seiner Gültigkeit verloren. Die Scheibe kracht immer noch und dass sie von einem anderen Label neu aufgelegt und gar remastert wurde, spricht für die Musik.
Ultra-geil, möchte ich meinen.
Line-up:
Galen Niles (guitars)
Larry McGuffin (guitars)
Don Evans (vocals)
Tom Schleuning (drums)
Scott Stephens (bass)
| Tracklist |
01:Mutants
02:Android
03:Battery
04:Ten Years Since
05:Lamp Black, White Fight
06:Windjammer
07:Diggin' Deep
08:Circe
09:Season Pass
10:City On Ice
11:The Desert
12:Souled There With Care
13:Man On The Street
14:Get Away
15:Compass
16:Hot-N-Cold
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