Ein Musiker aus dem niedersächsischen Osnabrück, Michael Witte, präsentiert hier mit "Zirkushimmel" seine mittlerweile vierte Platte nach dem Erstling "Fisch auf Asphalt". Er singt in seiner Muttersprache und somit bin ich gespannt, wie sich die deutsche Sprache in diesem Umfeld von Rock und Pop mit Anteilen aus Country und Soul zurechtfindet.
Ein fabelhafter Einstieg erfolgt mit "Jetzt und hier" mit voll klingenden Gitarren und einer Geige, bis dieser positive Eindruck etwas an Bedeutung für mich verliert. Denn, und da bin ich besonders sensibel, ist es erneut der Gesangseinsatz, der für mich im Einklang mit den Instrumenten nicht gerade stimmig klingt. Die Musik kommt locker und entspannt in rockendem Ambiente, der Gesang wirkt aber dagegen bei einigen Titeln leicht verkrampft, manchmal holprig und so gar nicht in das Gesamtbild eingefügt, eine gewisse Lässigkeit vermisse ich in diesen Momenten. Vielmehr wirkt der Vortrag dann etwas steif und ist manchmal nah am Sprechgesang. Die Melodiebögen fließen ebenfalls nicht, ganz im Gegensatz zur Musik. Das ist schade, denn die Musiker schaffen eine harmonische Basis, die voller angenehmer Stimmung ist. So scheint es bisweilen, als würden beide Elemente nebeneinander agieren - für mich findet somit kein 'Schulterschluss' statt. Dabei hätte es so schön sein können, denn die Texte strahlen eine positive Poesie aus und wirken wohl gewählt, mit aktuellen Bezügen und kritischen Anmerkungen.
Mit "Tausend Kilometer" erscheint die erste Ballade und auch hier fehlt mir ein wenig eine gewisse Tiefe und Sensibilität des gesanglichen Vortrags. Obwohl es hier durchaus gute Ansätze gibt, wenn in einigen Momenten genau diese Geschmeidigkeit aufblitzt, die sich an die Musik behutsam anschmiegt. Wem dieser Umstand nichts ausmacht und wer sich insofern mit dem Gesang anfreunden kann, der wird sich auf sehr gut arrangierte Musik freuen können. Musik, die sehr vielseitig ist und die immer wieder mit Überraschungen aufwartet, wenn zum Beispiel ein wunderbarer Streichereinsatz den nachdenklichen Song "Nur ein Tag" veredelt.
Auch viele Popelemente tauchen zwischendurch immer wieder auf und mit entsprechenden Hooklines gibt es den einen oder anderen Wiedererkennungswert. Mir gefällt der Titelsong sehr gut. Mit der Fiddle und der Pedal Steel wird eine feine Atmosphäre à la kalifornisch-sonnigem Westcoast Rock erzeugt. Hier klappt es auch gesanglich besser, vielleicht wäre das vorrangig das zu empfehlende Terrain, das Witte künftig verstärkt beackern sollte? Das ist mein Lieblingstitel und diesen möchte ich auch als Anspieltipp hervorheben. Überhaupt halte ich den Einsatz der Geige für sehr gelungen als Bestandteil des Sounds.
Eine Besonderheit stellt der Bonustrack dar, der Zusatz 'Orchesterversion' sagt es bereits aus - hier gibt es Orchester satt, hier gibt es gesanglich auch wieder diese bisher meist vermisste Tiefe und Emotion. Ein schöner Abschluss für eine grundsätzlich sehr interessante Platte dieses Genres.
Line-up:
Michael Witte (Gesang, Gitarre, Dobro, Mandoline, Rhodes, E-Piano)
Gerwin Spalink (Schlagzeug)
Alexander Rosenhof (Gitarre)
Christian Kittel (Bass)
Lilia Kirkov (Violine, Kontrabass)
Stefan Michalke (Klavier)
Tommy Schneller (Saxofon)
Dieter Kuhlmann (Posaune)
Uwe Nollop (Trompete)
Anne Hartkamp (Chorgesang)
Rick Takvorian (Chorgesang)
Dirk Schaadt (Hammondorgel)
Johannes Krayer (Pedal Steel-Gitarre)
He Joe Schenkelberg (Akkordeon)
Siamak Pishnamaz (Beat Box)
Joe Spencer (Mundharmonika)
Andreas Andersson (Bass-Klarinette)
Anna Melander (Flöte)
Daniel Schröteler (Percussion)
Erik Rosenkvist (Trompete)
Frida Thurfjell (Saxofon)
Johannes Henschel (Cello)
Karin Hagström (Violine)
Alexandre Contout (Violine)
Anna Jussen (Violine)
Anna Mavrommatis (Violine)
David Schütte (Cello)
Dietmar Berger (Cello)
Lev Gordin (Cello)
Lukas Mattke (Cello)
Paul Lindenauer (Violine)
Sonja Mischor (Flöte)
Tracklist |
01:Jetzt und hier
02:Die Gegenwart der Stille
03:Tausend Kilometer
04:Nur ein Tag
05:Das Lachen geht auf mich
06:Du kriegst mich nur lebend
07:Zirkushimmel
08:Blick aufs Meer
09:Durch die Nacht
10:Das Geheimnis
11:Der Weg auf dem ich geh
Bonustitel:
12:DKMNL - Orchesterversion
(Musik & Texte von Michael Witte)
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