Snowy White And The White Flames / Restless
Restless
Was haben Peter Green, Thin Lizzy und Pink Floyd gemeinsam?
Nichts? Von wegen!
Die Lösung heißt Snowy White, bzw. Terence Charles White mit bürgerlichem Namen.
In besagten Bands hat er nämlich mitgespielt. Ob mir deshalb Peter Greens "In The Skies" so gut gefällt?
Inspiriert durch BB King, Buddy Guy und Otis Rush entwickelte Snowy White bald seinen eigenen, englischen Bluesstil.
In den 90ern gründete er his own Band: The White Flames und heute gilt er als einer der innovativsten Bluesgitarristen.
Trotz Wurzeln im UR-Blues, erwartet den Hörer aber weit spannenderes. Am ehesten noch irgendwie bluesig ist das treibende “Blues Is The Road”. Eine schöne Gitarrennummer mit glasklarer Hammond im Hintergrund.
Dann natürlich “The Time Has Come”. Ein Song der ruhigeren Art. So schön hat auch mal Mr. Slowhand geklungen.
Wild und ziemlich improvisativ dann der Titeltrack. Eindeutig nicht mein Ding.
Mit “Restless Too” zeigt Snowy, dass er weit mehr drauf hat, als sich auf - welche auch immer - Bluesgenres festzulegen. Hier wird Spannung aufgebaut. Die Gitarre explodiert förmlich, um dann urplötzlich das Tempo total zurückzunehmen, ja um für Sekundenbruchteile absolute Stille aufkommen zu lassen, ehe der etwas groovende Rhythmus zum nächsten Höhepunkt treibt.
Halt, Stop!! Bitte tauscht meine Beschreibungen des Titeltracks “Restless” und des folgendes “Restless Too” aus. Ich sehe gerade, dass Booklet und Playeranzeige um die Wahrheit kämpfen. Laut Booklet dauert Track drei 7:17 Minuten. Track 4 wird mit 2:14 angegeben. Im Player ist das gerade andersrum.
“You Can't Break My Heart” und “It's Your Life” führen gekonnt zum nächsten, subjektiven, Höhepunkt: “Softly”. Es ist in der Tat eine softe Nummer. Ein sehr südamerikanisch wirkender Rhythmus. Langsam, mit einer herrlichen Gitarrenbegleitung. Was die Percussionbegleitung angeht: Ich sehe vor meinem geistigen Auge wie Thomas White die Congas zärtlich tätschelt.
“Soldier of fortune” zähle ich auch zu den Highlights. Die Gitarre klingt nun stellenweise spanisch. Auch folgt die Band hier keinem 08/15 Schema. Breaks, Stilwechsel, eingeworfene elektrische Riffs wechseln sich mit gezupfter Konzertgitarre ab, Effekte die mich glauben lassen, ich stehe im Regenwald. Laut gehört, ist “Soldier of fortune” an Spannung und Dramatik nur schwer zu toppen.
“New day...maybe” assoziiert in der Tat einen neuen Morgen. Aber keinen mit frischem Kaffee und Dusche. African drum, Tipiwa Drum und Udu Drum sorgen dafür, dass ich schon wieder dieses (tolle) Regenwaldgefühl bekommen. Ein - weiterer - genialer Track.
Snowy White ist mit Sicherheit stilistisch nicht festzulegen. Zumindest nicht auf dieser CD.
Leider kündigt sich der letzte Titel an. “Too Far Away” empfehle ich auch mit kochenden Endstufentransistoren zu hören. Wer wissen will was Dynamik bedeutet, was Spannung bedeutet, wer erleben will wie es klingt wenn nach pianissimo bedienten Congas und Shaker einige Saiten angerissen werden, der muß den Rechtsanschlag des Volumereglers eimal praktizieren.
Eine tolle, nicht alltägliche CD. Blues? Gitarrenrock? Bluesrock? Dramatik? Effektrock? Ist von allem etwas dabei und was soll eine hundertprozentige Stilbestimmung schon bringen?
"Restless" ist einfach eine tolle CD eines genialen Musikers. Basta.
Klang und Produktion sind hervorragend.
Spielzeit: 46:47, Medium: CD, Hypertension, 2002
1:Blues Is The Road 2:The Time Has Come 3:Restless 4:Restless Too 5:You Can’t Break My Heart 6:It’s Your Life 7:Softly 8:Soldier Of Fortune 9:New Day…Maybe 10:Too Far Away
Ulli Heiser, 26.05.2002