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Waco Brothers!
Wer denkt bei einem solchen Namen nicht gleich an eine Gunfighter-Gang, die von Allen gefürchtet, robust in ihrem Auftreten ist und doch irgendwie bewundert wird?
Ihre Musik könnte exakt vor diesem Hintergrund gemacht worden sein. "Freedom And Weep" reitet daher auf einem Gaul namens Country Rock. Die Fendergitarren schrabbeln mit einer verdammt lässigen Verzerrung und der Bass präsentiert seine Line mit der beschwingten Leichtigkeit eines Bisons. Die Waco Brothers performen ihre Songs übrigens trivocal und lassen dazu im Background die Pedal Steel in der Tonlage des Kojoten jaulen. COOL!
Keine Minute kommt Langeweile auf, genau wie bei einem Banküberfall in El Paso.
Von ihrer besten Seite präsentiert sich die Band immer dann, wenn sie im gestreckten Galopp durch die Prärie pflügt. Soll heißen: Die schnellen Nummern entwickeln eine besondere Note, nämlich das klassisches "Yeehaaa"-Feeling. Das eine oder andere Mal schimmern zwar die Drive-By Truckers durch die Arrangements, was aber durchaus als Kompliment begriffen werden sollte.
Insgesamt klingt "Freedom And Weep" wie das Hintergrundrauschen zu einer rasanten Postkutschen-Verfolgungsjagd, inklusive Achsenbruch, Skalpjägern und eine Fass Feuerwasser.
Die nicht immer völlig sattelfesten Vocals von Bandenchef Jon Langford und seinen Sidemen Deano und Tracey geben den Songs eine nützliche Raufboldatmosphäre. Wenn sie allerdings durch die Backgroundvocals Unterstützung finden, werden diese Passagen richtig gut.
Schwingt euch also auf die Schindmähren und hört in ein paar Songs rein:
Auf kaum einem privaten Party-Sampler der Country-Rock infizierten Randgruppe wird zukünftig das flotte "Nothing At All" fehlen. Im Grundriff klingen die Akkorde schön aus und die Pedal Steel johlt dazu euphorisch. Der eingängige Refrain wird spätestens ab 02:00 Uhr lauthals mit gegröhlt. Dieser Song ist eines der Dinger, die auch von den Drive-By Truckers stammen könnten.
Am Lagerfeuer, bei Sonnenuntergang und einer Kanne starken Kaffee, startet "Come A Long Long Way". Die Strophen werden vom typischen Gitarrensound und der Pedal Steel untermauert. Ein Liedchen, um sehnsüchtig in den Westen zu gucken.
Mit Fast-Rider Rhythmik springt "Secrets" durch die Canyons. Die Snare wird von Lil' Willy Goulding häufig frequentiert und wieder ist der Refrain das Gold Nugget in der Songmine. Aber auch das Gitarrensolo sticht ins Ohr. Rau im Sound, dabei aber ursprünglich und staubig.
Eine prächtige traditionelle Americana Roots Nummer liefern die Waco Brothers mit "It's Amazing" ab. Die melancholische Stimmung der Rhythmusgitarre wird durch die eindringlichen Harmonika Akkorde noch verstärkt. Die Wacos lassen die Gitarren schön ruhig schnurren und legen den Schwerpunkt auf den Gesang. Dazu gesellen sich immer wieder die Harmonika- Fills.
So ein Ding wie "Drinkin' & Cheating & Death" traute man bisher wohl am ehesten Country Dick Montana zu. Gott sei seiner Seele gnädig! Von Speed her liegt das Stück im mittleren Tachobereich. Gegen Ende gibt's ein kleines Duell zwischen den Keyboards und der Gitarre.
In die gleiche Kerbe, nämlich in die einer flotten Beat Farmers Nummer, schlägt "Missing Link". Das fehlende Glied swingt amtlich. Aber am besten daran ist wohl die Rhythmusgitarre. Es schringt und schrammt im Fendersound. Herrlich, scharf, kantig, unmodern und schroff.
Da draußen sind noch eine Menge Bands unterwegs, die man unbedingt mal auf einer Bühne erleben muss. Die Waco Brothers gehören dazu. Die Bilder auf der Fan-Web-Seite zeigen warum. Den Link gibt's unten. Sie scheinen live mindestens so authentisch zu agieren wie auf Datenträger.
"Freedom an Weep" lohnt sich also nicht nur für 'Lonesome Riders'. Für viele Stimmungen sind Songs darauf. Auch für Parties! Nicht für diesen steifen Cocktail Schwachsinn, bei dem beschlipste Schlaumeier so gerne ihre Lehrbuchweisheiten absondern, sondern für richtige Parties. Ihr wisst, welche ich meine.
Die Scheibe ist genreüblich produziert. Sie klingt so, wie es beabsichtigt wurde - nämlich ehrlich und ungeschliffen.
Als Kopfgeld setzten wir sieben RockTimes- Uhren auf die Waco Brothers Bande aus.
Spielzeit: 43:30, Medium: CD, Bloodshot Records, 2005
1:Nothing At All 2:Chosen One 3:Come A Long Long Way 4:Secrets 5:How Fast The Time 6:Lincoln Town Cars 7:It's Amazing 8:On The Sly 9:Drinkin' & Cheatin' & Death 10:Fantasy 11:Missing Link 12:Rest Of The World 13:Join The Club
Olli "Wahn" Wirtz, 12.10.2005
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