Das Cover der Promo-CD, nahezu schwarzer Hintergrund mit dem ernsten Gesicht eines Mannes, dem in indianischer Tradition das Abbild eines sog. Widowbirds aufgemalt ist, dazu der Titel "Shenandoah", das regt die Fantasie an und verlangt nach tiefergehender Recherche. "Tochter der Sterne", indianischer Begriff, das passt schon mal zur Bemalung. Der Vogel jedoch (ein sog. Hahnschweifwidah, Gattung der Webervögel) kommt fast ausschließlich in Afrika vor und die Band stammt aus... richtig, Australien. In Zusammenschau dieser Eckpunkte wundert der von der Band selbstgewählte Begriff des Genres Hard Soul/Roots Music dann auch nicht weiter. Ohne je vorher von dieser Scheibe oder der Truppe aus Down Under gehört zu haben, erwartete ich beim Einschmeißen in den Player, dass mir die Jungs einen psychedelisch angehauchten Rock liefern werden, der irgendwo in der Riege des vielerorts zu hörenden Retro-Rocks einzufädeln ist.
Erst seit Ende des Jahres 2010 ist man gemeinsam unterwegs, entstanden aus einem Songschreib-Projekt der alten Weggefährten Simon Meli und Tony Kvesic, die sich in den Blue Mountains in der Nähe von Sydney diesen neuen Aufgaben als Band widmeten. Binnen kurzer Zeit stand man mit bekannten Größen auf der Bühne und erspielte sich den Respekt der altgedienten Kollegen. Vorliegendes Scheibchen wurde von der Band selbst produziert und für viele Gelegenheiten darf man sich der tastensicheren Unterstützung von Lachy Doley sicher sein, der schon für und mit Glenn Hughes (u. a. auch Deep Purple, BCC) oder der australischen Legende Jimmy Barnes (auch Cold Chisel) gespielt und getourt hat.
Elf Songs schafften es, die Auswahlkriterien für das Debütalbum zu erfüllen, das in Australien bereits vor einem Jahr erschienen ist, und mit dieser Scheibe sowie weiterem Material werden The Widowbirds Anfang 2013 auch in unseren Breiten auf Tour gehen.
Die Tracks empfehlen sich allesamt als gefühlvolle Kompositionen, denen das subjektive Gehör eine gewisse Nähe zu einer Mischung aus Black Crowes, Led Zeppelin in Slow Motion und Neil Young in einer seiner experimentellen Kifferphase nicht abschreiben kann. Direkt der Opener "Dust And Stone" weist uns den rechten Weg zum Rest der Scheibe. Viel Gitarre (akustisch), ein bluesig anmutender Rhythmus, dazu diverse Geräusche aus unterschiedlichen Instrumenten und Kehlen. Das mit den Geräuschen klingt jetzt schlimmer als es ist, aber es wird ein wenig psychedelisch angehaucht gejammt. Melis kernig-soulige Stimme klingt über all dem mit einer beeindruckenden Wirkung (man höre sich nur mal "My Time" an). Bei Song Nummer zwei wird es ein wenig schneller und hier kommt der Begriff Retro-Rock ebenfalls schneller über die Lippen, als es einem vielleicht lieb sein mag. Aber, es ist ein Fakt, da wird so einiges entlehnt, was wir vor vierzig Jahren schon einmal gehört haben. Die Gitarren sind auch hier bei "Go Down" wieder recht dominant, elektrisch diesmal.
Bei "Sweet Lady Mary" kann man einige fernöstliche Einschläge für sich entdecken. Die Spielart auf der Gitarre könnte auch die einer Sitar sein, ansonsten geht der mehrstimmige, geölt klingende Gesang ganz schon spacig ab. "Rumble In The Alley" bringt uns einen schönen, ganz dezenten Hammond-Sound, der als Untermalung für die Gitarrenarbeit fungiert. Schöner Mid-Tempo-Groove, toller Gesang, eindeutig ein Anspieltipp. Aber Ähnliches gilt auch für "Tonight We Ride", bei dem eben die Hammondorgel einen tollen Spannungsbogen erschafft. Ach was, im Grunde gilt es für fast alle Tracks auf der Scheibe: Hast du dich einmal richtig 'eingehört', dann eröffnet sich dir die - fast sphärische - Vielfalt der Stücke (so z. B. das tolle Boogie-Piano auf "Time We Gotta Move On"!). Die Herren haben mit sicherem Händchen eine feine Ladung Songs kreiert, die man, hat man erst mal mit dem Hören begonnen, nicht so schnell wieder abschalten möchte.
Einmal mehr muss ich konstatieren, dass Australien wahrlich mehr kann als nur AC/DC und ebenso, dass Teenage Head Music, als Promoter und Tour Operator für die Konzertreise der Widowbirds mal wieder ein feines Gespür für Qualität bewiesen hat.
Line-up:
Simon Meli (vocals, guitar)
Tony Kvesic (guitars)
Simon Wiltshire (bass)
Shane O'Neill (drums)
sowie:
Lachlan Doley (organs)
Tracklist |
01:Dust And Stone
02:Go Down
03:Sweet Lady Mary
04:Rumble In The Alley
05:Tonight We Ride
06:Lay Your Love
07:My Time
08:Still Life
09:Follow Me Down
10:Time We Gotta Move On
11:Lead Myself Astray
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