Wired For Mono
A Calling From Another Station; Radio Interrupt
A Calling From Another Station; Radio Interrupt
Wired For Mono - der Name ist Programm. Vielleicht sogar die musikalische Weltanschauung der fünf Musiker aus Schweden? Jedenfalls musste die Garage bei den Familien der Jungs öfter für Proben leergestanden haben, denn es rumst und kracht mächtig bereits beim Opener "No Straight Story". Die Gitarren schrammeln knapp unter der von 'Newcomer TV' empfohlenen homöopathischen Alternativ-Dosis und Sänger/Gitarrist Henrik Lillsjö rotzt den Gesang nur so heraus. Ja, das ganze Album klingt wie für Mono gemacht - eine moderne Zeitreise in die Rockmusik der 60er. Oder meinten die Jungs etwa nicht 'wired for', sondern 'wired by/from mono'?
Wie dem auch sei, über die Formel und Botschaft 'Let's Rock 'n' Roll!' gehen Wired For Mono hinaus: Der zweite Song "Into The Next World" bewegt sich thematisch im Bermuda-Dreieck von Todessehnsucht, Eskapismus und 'À la recherche du temps perdu'. Das ist Psychedelia auf hohem Niveau, mit allem was dazu gehört: Einem nervenaufreibenden, unwiderstehlichen Riff mit vorausgehendem Intro, unterstützt von den geheimnisvollen Keyboards Jonatan Dannemans, verzerrten Vocals und mit diesem genialen Text.
Die Single "Out of Our Key" bringt etwas mehr Melodie in den Garagen-Sound der Band und Arvid Engström an der Lead-Gitarre beweist, dass er nicht nur die Rock 'n' Roll-Grundschule absolviert hat. "Cloud" hievt den Hörer nicht auf Wolke sieben, sondern lässt uns weiter in die Tiefen der menschlichen Seele hinabtauchen. Mit einem hypnotisierenden Riff, der perfekt hineinpasst - eine weitere großartige Komposition. Die Ruhe vor dem Sturm? Nicht ganz, da "Riding Into A Blond Black Hole" ein folkiger Song mit etwas Byrds-Touch ist. Zum Glück leiert hier aber kein Roger McGuinn vor sich hin. Bei "All Set Up" sind wir wieder inmitten der Garage gelandet, mal abgesehen vom eingestreuten experimentellen Slide-Sound.
So ähnlich abwechslungsreich geht es weiter in den restlichen fünf Songs, die allesamt den positiven Gesamteindruck verstärken. Ein Sonderlob verdient Drummer Lennart Claesson, der neben Rhythmus auch reichlich Melodie spielt. Da fallen einem sofort Namen wie Keith Moon oder John Bonham ein. Ob man nun das Konzept von 'gemacht für Mono' mag oder nicht, eins ist festzuhalten: Die feinen Keyboard-Parts (Piano, Wurlitzer, Orgel) gehen im Mix etwas unter.
An dieser Scheibe könnten viele Gefallen finden: Die 'Newcomer TV'-Zielgruppe ebenso wie Alt-Hippies, Folk-Rocker und ausgebrannt-depressive Lyriker, Psychedelic-Freunde und einfach nur alle, die ihren musikalischen Horizont erweitern möchten. Also, seid ihr 'Wired For Mono'?


Spielzeit: 40:24, Medium: CD, Deaf And Dumb, 2006
1:No Straight Story (04:07) 2:Into The Next World (03:34) 3:Out Of Our Key (03:48) 4:Cloud (04:49) 5:Riding Into The Blonde Black Hole (03:10) 6:All Set Up (02:51) 7:Calling Down A Hard Rain (04:39) 8:To Nowhere And Back (03:26) 9:Leaving (03:19) 10:Radio Interrupt (02:46) 11:Carmen's Dream (03:48)
Janos Wolfart, 14.04.2006