Within Temptation / The Unforgiving
The Unforgiving Spielzeit: 53:47
Medium: CD
Label: Dragnet/Sony, 2011
Stil: Symphonic Rock


Review vom 30.07.2011


Jürgen B. Volkmar
Darf es etwas weniger Metal sein? Diese Frage haben Within Temptation mit ihrem neuen Album "The Unforgiving" zum Leidwesen der eingefleischten Metal-Fans mit 'Ja' beantwortet. Allerdings ist das kein Nachteil, denn die Ausrichtung geht über Gothic, Symphonic, Rock, Epik und Moderne in eine perfekt komponierte und konzeptionell bestens besetzte Produktion.
Als Konzeptalbum angelegt, in dem die Schwerpunkte sich um eine Geschichte ranken, die sich das Leben, die Liebe, die Rache, den Zorn und die Reue vorgenommen hat, haben Within Temptation die Gunst der Stunde genutzt, daraus ein Gesamtwerk zu schmieden, das in dieser Form zu den Vorzeigealben dieses Jahres gerechnet werden kann. "The Unforgiving" hat alle Stärken, die ein Erfolgsalbum beinhalten muss. Das richtige Quantum Mainstream, eine leicht poppige Ausrichtung, satte Hooklines, musikalischer Einfallsreichtum, scharfkantige Riffs, einschmeichelnde Chorusse und - nicht zu vergessen - eine Stimmbandkünstlerin wie Sharon den Adel.
Das Songwriting ist durchgehend auf hohem Niveau und produziert Ohrwürmer am Fließband: "Shot In The Dark" (diesmal nicht von Ozzy Osbourne, sondern nur eine Namensgleichheit), das an Höhepunkten glänzt, und dann das episch gewachsene und sich wie ein Soundtrack ausbreitende "The Middle Of The Night", oder auch "Faster", das direkt in das zentrale Nervensystem zielt und sich dort tiefgründig und mitreißend atmosphärisch entfaltet. Selbst die Halbballade "Fire And Ice" setzt sich von anderen Stücken dieses Genres positiv ab, indem sie emotional stets den richtigen Ton trifft. "Iron" dagegen besticht in seiner symphonischen Hymnenhaftigkeit, die keinesfalls plakativ oder aufgesetzt wirkt. "Sinéad" klingt vielschichtig und aufregend und "Stairway To The Skies" bringt einen Hauch von Schwerelosigkeit und schrammt am Herz-Schmerz-Eingang - knapp, aber erfolgreich - vorbei.
Selbst der schwächste Analytiker muss nach erfolgtem Durchlauf aller Tracks feststellen, dass die Musiker auf diesem Album ihren Job perfekt umgesetzt haben. Abwechslung, Refrains mit Langzeitwirkung, Melodien, die groß geschrieben werden und Emotionen, die episch und gleichberechtigt in das Gesamtwerk eingebaut wurden.
Within Temptation haben es geschafft, musikalische Genialität wirkungsvoll umzusetzen und durchgehend in Bestform zu agieren. Die Front-Diva Sharon den Adel liefert mit Ausdrucksstärke und Intensität einen Kosmos voller Gesangseinlagen, die gleichzeitig modern und spannungsgeladen sind und die mit ihren bisherigen, engelhaften Gesängen früherer Werke nichts mehr zu tun haben.
Im Gegensatz zu früher ist diesmal das Artwork Teil des Konzepts, das den Inhalt dieses Studioalbums ausmacht und in Comic-Form auf ihrer Website eingesehen werden kann.
Within Temptation konnten nach ihrem phänomenalen "Mother Earth" einen zweiten Volltreffer landen. Mit durchgehendem Hörspaß, der die Metal-Puristen zwar etwas benachteiligt, aber das Rock-Ohr von Anfang bis Ende mit erstklassigem Material bedient. Die Niederländer haben sich vom ersten bis zum letzten Song bei den ganz Großen dieses Metiers eingereiht; und jede Menge Neukunden werden sie auf diesem Weg bestätigen. 10 von 10 RockTimes-Uhren
Line-up:
Sharon den Adel (vocals)
Robert Westerholt (guitar)
Ruud Jolie (guitar)
Jeroen van Veen (bass)
Nicka Hellenberg (drums)
Martijn Spierenburg (keys)
Tracklist
01:Why Not Me
02:Shot In The Dark
03:In The Middle Of The Night
04:Faster
05:Fire And Ice
06:Iron
07:Where Is The Edge
08:Sinéad
09:Lost
10:Murder
11:A Demon's Fate
12:Stairway To The Skies
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