World Saxophone Quartet / Experience
Experience Spielzeit: 57:04
Medium: CD
Label: Justin Time, 2004
Stil: Jazz

Review vom 28.05.2009


Wolfgang Giese
Erschienen 2004 auf dem Label Justin Time, hat sich das Quartett hier um einige Musiker verstärkt, um so vielleicht der Musik Jimi Hendrix' noch gerechter zu werden, denn genau darum geht's beim Album "Experience".
Hier die Titel im einzelnen:

Freedom
Sehr funky und extrem groovend, vielleicht eines der zugänglichsten Stücke der CD. Sehr starke Schlagzeugarbeit, das Thema wird von den Saxofonen ineinander verflochten. Das ist gerade durch die Verwendung vieler verschiedener Saxophone sehr interessant. Dazwischen wird das Thema auch einzeln weitergeführt und die restlichen Bläser bilden, Bigband-ähnlich, das Rückgrat. Zwischendurch gibt es immer wieder Breaks und Soli einzelner Musiker. Man weiß ob der Vielschichtigkeit nicht, wohin man zuerst hören soll.
Plötzlich ändert sich der Rhythmus zum vom Thema letztendlich losgelösten Solopart. Ein brillanter und packender Opener. Das hätte Gil Evans sicher Freude bereitet!
If 6 Was 9
Zunächst wird das typische Thema vorgetragen (»if the sun refused to shine, I don't mind…«) usw. Dann löst sich die Atmosphäre und es swingt mit entfesselten Soli aller höllisch los - einzeln und zusammen. Lake an den Drums treibt die Meute vor sich her! Es wird zunehmend freier...
Dann zurück zum Eingangsthema. Das hat beides: Den Wiedererkennungswert des Hendrix-Stückes als auch hervorragende Improvisation.
Hey Joe
Dieses Stück kommt als träumerische Ballade ohne Rhythmusbegleitung. Man muss schon genau zuhören, will man den Song erkennen. Wirklich schön ist das. Doch Ecken und Kanten hat es auch, wenn z.B. das eine oder andere Solo etwas heftiger wird. Insgesamt eine sehr ungewöhnliche Interpretation dieses Klassikers. "Hey Joe" als Jazzballade mit dem gewissen Etwas des Arrangements!
Machine Gun
Auch anfänglich eigentlich gar nicht zu erkennen. Stakkatohafte kollektive Saxofonattacken bestimmen das Thema. Dahinter ein pumpender E-Bass und ein energiegeladenes Schlagzeug, bis dann Billy Bang, der Mann an der Violine, durchbricht und 'den Hendrix macht' (?)
Hendrix hatte dieses Stück ja u.a. den Soldaten in Vietnam gewidmet und darum ist Bang vielleicht dabei, zumal er einst in Vietnam diente, und all' das erlebte Grauen später selbst musikalisch auf seinen Platten verarbeitete. Zum Schluss hin bestimmen wieder die Saxofone das Geschehen und Bang untermalt sehr angemessen. Im Gegensatz zum Original ist das hier ein recht schnelles Stück, welches gegen Ende eskaliert: Volle Steigerung, die Musik zerrt an den Nerven, die "Machine Gun" schlägt zu.
Little Wing
Ein weicher Einstieg mit diesem, einem der schönsten Hendrix-Tracks. Schöne Melodieführung durch wiederum ineinander verflochtene Saxofone, die sich sich im Thema herrlich unterstützen. Vom Rhythmus ist das sehr an das Original angelehnt. Lake bringt das sehr locker aus dem Handgelenk an den Drums.
Wirklich schöne Soli folgen, ohne gleich 'zu schön' zu werden. Die Bläser bringen hier stets ihre Ecken und Kanten ein. "Little Wing" ist wohl am dichtesten am Original und man scheint zu spüren, dass man dessen Schönheit hier einfangen und interpretieren wollte.
Foxey Lady
Leicht und locker ist die 'Lady' hier, brav das Thema vorgetragen, brechen die Burschen dann bald zur Kollektivimprovisation aus. Das zweite Stück ohne Rhythmusbegleitung.
Hear My Train A-Comin'
Sehr ungewöhnlich. Es beginnt verdammt bluesig mit Bassklarinette und Didgeridoo (!). Aber: es passt!
Die anderen Bläser stoßen hinzu, lassen die Eingangsinstrumente Thema und Rhythmus weiter spielen. Mein Gott, das klingt unglaublich! Das Bluesfeeling ist hier durchaus gut eingefangen! Wieder ein Titel ohne Bass und Drums und sicher das ungewöhnlichste Stück des Albums! Nach einer Reihe Soli folgt wieder der Eingangspart mit den knappen Bläserarrangements...
The Wind Cries Mary
Das ist mit 'spoken intro'-Hendrix'-Text. Im Hintergrund gurren und blubbern die Saxes. Nach Textende ein weicher Saxofonteppich, auf dem sich Craig Harris an der Trombone sanft bewegt. Schööööönnn! Und ebenfalls wieder ohne Bass und Drums.
Rundum eine sehr interessante Platte mit einer Musik, die unter vielen Hendrix-Interpretationen ihresgleichen sucht und die nicht stures Nachspielen bietet, sondern freie Ausprägung der Hendrix-Atmosphäre.
Murray sagt auch kurz im Booklet: »Because deep down inside he (Hendrix) was also a jazz musician«.

Dem ist nichts hinzuzufügen!
Line-up:
David Murray (tenor saxophone, bass clarinet)
Hamiett Bluiett (baritone saxophone)
Oliver Lake (alto saxophone, soprano saxophone)
Bruce Williams (curved soprano saxophone, alto saxophone)
Craig Harris, trombone, didgeridoo & spoken word Billy Bang (violin)
Gene Lake (drums)
Matthew Garrison (bass guitar)
Tracklist
01:Freedom (7:15)
02:If 6 Was 9 (5:17)
03:Hey Joe (7:10)
04:Machine Gun (8:02)
05:Little Wing (7:31)
06:Foxey Lady (5:28)
07:Hear My Train A-Comin' (8:37)
08:The Wind Cries Mary (7:42)
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