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Blues Rock der Marke 'Ohne-Gnade-auf-die-Socken-bis-die-Dinger-qualmen' steht heute auf dem Programm - nebenbei ist besonders erfreulich, dass er aus deutschen Landen stammt: Die Wrecking Company legt mit "Mondial House" ein neues Album vor und stellt diesem ihr 'Glaubensbekenntnis' voran:
»We believe in Blues and the power of Rock
in drums bass and guitar.
Our souls have been signed to the church of beat
we Rock'n Roll wherever we are.
The holy grail of sound we search
and when we start to play
with us the mighty Stramps will roar
till we all face judgement day.«
Weiterhin heißt es auf der Website der Jungs: »Endlich, nach 35 Jahren, ist der gute alte Rock'n'Roll zurückgekehrt.« Amen! Hallelujah!! Gepriesen sei der Herr!!! Darauf hat die Musikwelt gewartet...
Mal ganz ehrlich, meine Herren, da seid ihr nicht die Ersten - auf diese Idee sind schon andere gekommen. Leute wie Rob Orlemans machen das seit etlichen Jahren mit gutem Erfolg. Aber warum sollte die Wrecking Company das Rad unbedingt komplett neu erfinden? Musik muss nicht immer bedeutungsschwanger den Zeiger der Musikhistorie für einen Moment anhalten - sie darf auch mal einfach 'nur' Spaß machen, dem Hörer eine nette Dreiviertelstunde bescheren und genau das besorgt "Mondial House"... einfach und direkt - ein herzerfrischend ehrliches, bodenständiges Stück Rock'n'Roll.
Wenn es sich um drei wirklich inspirierte Musiker handelt, die zudem zu einer nahtlosen Einheit verwachsen sind, hat das gute alte Trioformat auch heute noch etwas zu sagen! Beim Meister aller Blues-Klassen, dem Heiligen Rory, hat die Wrecking Company ebenso aufmerksam zugehört wie bei den Barmherzigen Bärten. Bei solchen Referenzen kommt doch richtig Freude auf. Die eingangs zitierten Socken werden demzufolge bei "Mondial House" garantiert nicht käsig, vielmehr fangen die Dinger bereits nach den ersten Takten Feuer und beginnen gewaltig zu qualmen.
Es sind die Takte von "Evil Machine", die für diese ersten Rauchentwicklungen sorgen. Gnadenlose Riffattacken peitschen dieses bösartige Monster in feinster Atze/Detze-Manier voran: Vierviertel immer mittig zwischen die Lichter geklatscht. Gut, dieses Niveau kann die Wrecking Company nicht auf voller Länge des Tonträgers halten - der folgende Titelsong und "The Dead Man's Hand" bauen ein kleinwenig ab, aber nur minimal. Dafür stimmt bei "When The Heat Cools Off" die Eingängigkeit der Hooks und Riffs wieder - hier knallt es erneut gewaltig. Mit "Moonchild" wird ein Southern Boogie der Marke Bounty Hunter derart hart abgezockt, dass kein Auge trocken bleibt. Und als ob das noch nicht genug wäre, wird mit dem "Spellbound Blues" mein persönlicher Favorit gleich hintendran gehängt. Sieben abwechslungsreiche Minuten lang baut sich der anfängliche 'Schleicher' spannungsvoll zu einem hochenergetischen Bluesrocker auf. Ob Slide oder Rhythmusklampfe - Norman Guy beweist (nicht nur) hier, dass er ein richtig guter, manchmal sogar filigraner Saitenkünstler ist. Mark Borek legt dazu hypnotische Bassfiguren über Daniel Guthausens akzentuiertes Schlagwerk. Eine große Nummer, ebenso groß arrangiert...
Mit "The Sinner" wird erstmals das Tempo rausgenommen, aber keine Sorge: Das ist alles andere als ein zahnloser Zwölftakter in Slo-Mo. Die Nummer hat immer noch einen sehr ordentlichen Zug nach vorne. Im jammig angelegten "Kamaveda", das instrumentell etwas an eine Live-Nummer von Gov't Mule erinnert, dürfen auch Guys Mitstreiter zeigen, was sie draufhaben.
Hinter den zwölf Minuten von "Lady Love" versteckt sich leider kein Longtrack, sondern gut fünf Minuten Funkstille und im Anschluss eine völlig aus dem Rahmen fallende, am Barock orientierte 'Gitarrenfingerübung', wie man sie von Steve Morse kennt.
Die 'Herren der Abrissbrine' legen mit "Mondial House" eine zünftige Partyscheibe vor, die richtig Lust auf eine Liveshow des Dreiers macht. Einige Songs sind grandios und es macht mir gar nichts, wenn dieses Niveau (noch) nicht durchgängig auf Oberkante gehalten werden kann. Etwas Luft nach oben wird dem Nachfolger garantiert nicht abträglich sein.
Bluesrocker, die es gerne etwas heftiger mögen, sollten trotzdem mit "Mondial House" sehr gut bedient werden.
Line-up:
Norman Guy (vocals, guitars, sitar)
Mark Borek (bass)
Daniel Guthausen (drums)
| Tracklist |
01:Evil Machine (6:08)
02:Mondial House (5:48)
03:The Dead Man's Hand (3:45)
04:When The Heat Cools Off (3:51)
05:Moonchild (5:28)
06:Spellbound Blues (7:05)
07:The Sinner (5:51)
08:Kamaveda (5:42)
09:Lady Love [+ Hidden Track] (12:02)
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