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Hamburg lässt mich irgendwie nicht los. Drei bis viermal gibt's einen Abstecher in die Hansestadt, meist in Verbindung mit einem Konzertbesuch. Wie es sich für eine Millionen-Metropole gehört, beherbergt die Stadt zudem Künstler jeglicher Art. Muriel Zoe gehört dazu und kommt aus der musikalischen Ecke des Jazz, Folk und Country. Einige Hörproben übers Internet weckten mein Interesse, denn hier vernahm ich ein Stimmchen, das bei mir sehr gut ankam.
Doch anders als in meinen vorherigen Rezessionen, die sich hauptsächlich mit Blues Rock auseinandersetzten, habe ich es hier mit einer tollen Songschmiedin zu tun, die vorwiegend dem Genre des Folk entspricht. Nach 2003 ("Red and Blue") und 2005 ("Neon Blue") folgt nun ihr drittes Album "Flood", für dessen Songs sie ganz allein verantwortlich ist. Muriel benötigt nur ihre ausdrucksstarke Stimme, zwei Gitarren, von denen sie eine selbst betätigt, einen Bass und ein Drum-Set, um beim Zuhörer ein wohliges Befinden zu erzeugen. Ihre Texte, die sie im Englischen vorträgt, sind stimmlich sehr klar und kommen mit sehr viel Gefühl rüber, hier gibt's nichts auszusetzen. Ihre Begleitmusiker tun ihr Übriges, damit der Tonträger sehr harmonisch rüberkommt. Auch hier gibt's nichts zu meckern. Allerdings sollte man schon ein Liebhaber der ruhigen Töne sein, um mit der Musik-Konserve warm zu werden. Wer sich dem nicht verschließt wird mit herrlichen Liedern verwöhnt. Sicher, ihre Jazz-lastige Vergangenheit ist noch zu spüren, doch hat sie "Flood" mit reichlich Folk, etwas Country und einer Prise Blues gewürzt. In der Gesamtheit wird keine Note unnötig verpulvert, so hat Muriel es geschafft mit sparsamen Tönen zielgerecht auf den Punkt zu kommen. "March", "Falling" und "One Of A Million" fallen da schon fast aus der Rolle. Diese Tracks werden eine Spur schneller präsentiert und weisen swingende Passagen auf, ohne gleich völlig aus der Art zu schlagen. Produzent Stephan Gade, der sich auf diesem Scheibchen als Bassist verewigte, hat zudem auch an den Reglern das Optimale herausgeholt und unterstreicht die Vertrautheit, die ihn mit Muriel verbindet.
Sehr bemerkenswert finde ich Muriels Aussage, dass sie die Suche 'nach dem Makellosen' als 'sinnlos' empfindet. Das macht die Norddeutsche, die einen Teil ihrer Jugendzeit in Mysore (Südindien) in einem englischsprachigen Internat verbrachte, sehr sympathisch! Und noch etwas erscheint mir ungewöhnlich, denn bei vielen Musikern enden ihre Entwicklungen im Jazz. Muriel hat den Weg exakt anders herum bestritten und lässt den reinen Jazz hinter sich. Auch aus diesem Grund fällt mir ein Vergleich mit einer anderen Songentwicklerin schwer. Am Ehesten kommt da wohl noch Katharina Franck in Frage, die ebenfalls in Deutschland beheimatet ist. Und doch, Muriel Zoe ist eben Muriel Zoe.
Für Liebhaber von gitarrenorientierter Musik der langsameren Art, verbunden mit einfühlsamen Texten, ist ein Reinhören in diese CD unabdingbar! Jeder der Songs des neuen Albums hat seine persönliche Note und bürgt für hohe Qualität. Und die setzt sich ja erfahrungsgemäß immer durch!
Line-up:
Muriel Zoe (guitar, vocals)
Marco Schmedtje (guitar)
Stephan Gade (bass)
Tim Lorenz (drums)
| Tracklist |
01:Alive
02:Flood
03:Your Place
04:Flesh & Bones
05:Hand Up
06:March
07:Falling
08:Oh Oh Oh
09:On Of A Million
10:Glider Pilot
11:Saved
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